Zwergriese am Bremer Nachthimmel: 5 Funfacts über Komet Neowise

Hat ihn Ötzi womöglich auch schon gesehen? Gut möglich. Wie schnell ist Neowise? Und wie gefährlich? Überraschendes Smalltalk-Wissen für Bremens Kometen-Spotter.

Komet Neowise am nächtlichen Himmel
Wenn es die Wolkendecke zulässt, kann man Neowise auch über Norddeutschland sehen. Bild: sandra242_photos

Enttäuscht, den Kometen Neowise noch nicht selbst am Himmel entdeckt zu haben? Und falls doch: Etwas ernüchtert, wie vergleichsweise winziger er dann doch erscheint? Um die Relevanz vom Kometenbesuch einordnen zu können und um für die nächtliche Kometen-Suche gut aufgestellt zu sein: Hier fünf Infos, mit denen Sie in jedem Gespräch über den Besuch von Neowise in Erdnähe glänzen können.

1 Ein riesiger Schneeball

Der Komet Neowise hat einen Durchmesser von rund fünf Kilometern. Das entspricht also der Entfernung vom Zoo am Meer bis zum Bootsteich im Speckenbütteler Park und der Luftlinie vom Universum Bremen zum Weserstadion. Zum Vergleich: Der Meteroit, dessen Kollision mit der Erde wohl mitentscheidend zum Aussterben nahezu aller Dinosaurier beigetragen hat, war vermutlich nur doppelt bis dreimal so groß.

Dabei besteht Neowise wie die meisten Kometen hauptsächlich aus Staub und Eis, so Andreas Vogel, Leiter des Olbers-Planetariums Bremen.

Sie sind im Prinzip riesige Eisbälle. Wenn sie in Sonnennähe geraten, dann verdampfen die und bilden ihren wunderschönen Schweif aus. Es sind also verdampfende Schneebälle, wenn man so möchte.

Andreas Vogel
Andreas Vogel, Leiter des Olbers-Planetariums Bremen

In den Tiefen den Weltalls ist Neowise also eher ein unscheinbarer, dunkler Eisklotz. Erst im Lichte der Sonne wird er sichtbar: Ihrer Hitze verdankt er seinen langen Schweif aus verdampftem Eis und Staub – und damit seine imposante Schönheit.

Extra Funfact: Emily Kramer vom Neowise-Forscherteam der amerikanischen Weltraumbehörde Nasa hat sich den Spaß gemacht, die gespeicherte Wassermenge des Kometen zu berechnen und kam auf ein Volumen von 13 Millionen olympischen Schwimmbecken.

2 Australier schauen in die Röhre

Während die nördliche Erdhalbkugel gerade im Kometenrausch ist, schaut die Südhalbkugel derzeit in die Röhre, denn Neowise ist nur von hier aus zu beobachten. Und natürlich von der Internationalen Raumstation ISS aus.

Hier können Sie sich externe Inhalte (Text, Bild, Video…) von Twitter anzeigen lassen

Stimmen Sie zu, stellt Ihr Browser eine Verbindung mit dem Anbieter her.
Mehr Infos zum Thema Datenschutz.

Ein Trost für alle Chilenen und Argentinier: Sie können sich im Dezember immerhin auf eine totale Sonnenfinsternis freuen.

3 Armageddon ist Realität

Kann uns ein Komet wie Neowise gefährlich werden? "Er hält gebührenden Abstand und das ist auch gut so", sagt Andreas Vogel vom Bremer Planetarium. Und hat noch eine beruhigende Statistik parat.

Hin und wieder – also so alle 100 Millionen Jahre – trifft uns auch mal einer.

Andreas Vogel
Andreas Vogel, Leiter des Olbers-Planetariums Bremen

Derweil freut sich Emily Kramer von der Nasa, dass Neowise der Erde so nahe kommt. Denn das geben den Wissenschaftlern, die Chance, mehr über die Zusammensetzung und die Struktur von Kometen herauszufinden, um im Fall der Fälle besser beurteilen zu können, wie man sie "aus dem Weg räumen kann".

4 Reisegeschwindigkeit variiert stark

Komet Neowise am nächtlichen Himmel
Neowiese ist schon seit Anfang Juli sichtbar. Diese Aufnahme vom Himmel über Bremen stammt vom 11. Juli 2020 um 23:50 Uhr. Bild: Janosch Michaelis

Neowise wandert entlang einer langgezogenen, elliptischen Flugbahn bis ans Ende unseres Sonnensystems. Wenn er am anderen Ende seiner Reiseroute angekommen sein wird – und das liegt rund 100 Milliarden Kilometer von der Sonne entfernt – kommt er fast zum Stillstand und könnte locker von einem Auto überholt werden. Nähert er sich der Sonne, nimmt er mit deren Anziehungskraft an Fahrt auf.

Im Moment ist der Komet ungefähr doppelt so schnell unterwegs wie die Erde: Der Schweifstern legt laut NASA rund 40 Meilen pro Sekunde zurück, hat also knapp 280.000 Kilometer pro Stunde auf dem Tacho. Da er beim Passieren der Sonne jedes Mal Masse verliert, wird er nach und nach immer langsamer. Und auch irgendwann so klein, dass man ihn nicht mehr wird beobachten können. Der nächste Besuch ist für das Jahr 8845 vorherberechnet worden.

Extra-Funfact: Als Neowise vor ein paar Tausend Jahren das letzte Mal an der Erde vorbei kam, war er mutmaßlich noch größer und schneller unterwegs – und damit noch deutlicher am Himmel zu erkennen. Das war in einer Zeit, als auf der Erde die ersten Lamas und Pferde domestiziert wurden, die Majas erstmals mit Maisanbau experimentierten und die Ägypter gerade ihre Hieroglyphen erfanden, aber noch keine einzige Pyramide stand. Mit etwas Glück hat einst Gletschermann Ötzi einen Blick auf Neowise werfen können.

5 Erstaunliche Parallele zur Erde

Wie bei der Erde auch, ist die Temperatur auf dem Kometen stark abhängig von der Sonne. Je weiter Neowise von der Sonne entfernt ist, desto kälter ist es auf ihm. Derzeit ist die Entfernung des Kometen zur Sonne vergleichbar mit der der Erde. Deshalb vermutet die Nasa, dass auch die Temperatur auf dem Kometen mit der auf der Erde vergleichbar ist und etwa bei Zimmertemperatur liegt. Verschwindet Neowise wieder im Weltraum, kühlt er auch wieder deutlich ab.

Hier können Sie sich externe Inhalte (Text, Bild, Video…) von Youtube anzeigen lassen

Stimmen Sie zu, stellt Ihr Browser eine Verbindung mit dem Anbieter her.
Mehr Infos zum Thema Datenschutz.

Mehr zum Thema:

Autorin

  • Eva Linke

Dieses Thema im Programm: Bremen Eins, Der Mittag, 13. Juli 2020, 13:15 Uhr