Fragen & Antworten

Pollenflug in Bremen und umzu: Wer leidet am meisten?

Brennende Augen, kratzender Hals, die Nase juckt: Laut einer Studie haben Städter wie in Bremen häufiger Heuschnupfen als Menschen auf dem Land. Stimmt das?

Eine Junge Frau steht in einem gelb blühenden Feld und niest in ein Taschentuch.
Die Heuschnupfensaison läuft. Gerade fliegen Gräser-, Hasel- und Erlenpollen. Bild: Imago | Shotshop
Wie sieht es konkret Bremen und Niedersachsen aus?
Die Pollenexpertin beim Deutschen Wetterdienst, Christina Endler, sagt, dass gerade Gräser, Hasel- und Erle Hochsaison haben. Erle und Hasel haben dieses Jahr sogar drei Wochen früher eingesetzt als der langjährige Mittelwert zeigt. Diese Beobachtung ist aber nicht neu und lässt sich durch die wärmeren Winter erklären: Die allgemeine Vegetationsperiode der Pflanzen dauert länger und so hält auch der Pollenflug länger an. Teilweise blühen allergieauslösende Pflanzen wie die Ambrosia bis zum ersten Frost, so Endler.
Gehen dieses Jahr mehr Menschen zum Arzt?
Markus Zutt, Chefarzt der Klinik für Allergologie in Bremen-Mitte, hat den Eindruck, dass dieses Jahr weniger Patienten und Patientinnen zu ihm in die Klinik kommen. "Das liegt nicht an der Erkrankung selbst, sondern daran, dass die Menschen gerade nicht zum Arzt gehen", sagt er: "Die Beschwerden sind wahrscheinlich da." Vielleicht haben die Patienten Angst mit den Allergie-Symptomen wie verquollenden Augen oder Niesen dann einen Verdacht auf eine Corona-Infektion zu kommen, nennt Zutt eine mögliche Erklärung. Reell gesehen schätzt er die Zahl der Allergiker aber als gleichbleibend ein.
Gibt es mehr Pollen auf dem Land als in der Stadt?
Viel Natur bedeutet nicht gleich mehr Pollenflug und dass es auf dem Land mehr Allergiker gibt. Laut einer Studie der Kaufmännischen Krankenkasse in Hannover (KKH) gibt es aber regionale Unterschiede beim Bevölkerungsanteil, der von einer Allergie betroffen ist. Demnach ist sogar in ländlichen Bundesländern der Allergikeranteil geringer als in städtischen Ländern wie Nordrhein-Westfalen. Das ergab eine Analyse der Patientendaten. Nach einer Hochrechnung für Deutschland sind rund 6,6 Millionen Menschen von Heuschnupfen betroffen.
Woher kommt eine Allergie wie Heuschnupfen?
Die Gründe, warum Menschen eine allergische Reaktion bekommen sind vielfältig. Genetische Faktoren spielen eine Rolle, eine häufige Infektion der Atemwege in den ersten Lebensjahren oder Umwelteinflüsse, sagte Susanne Wallentin von der KKH. Darüber hinaus haben Studien ergeben, dass auch Abgase oder allgemein die Luftverschmutzung eine Allergie auslösen können: "Die Anfälligkeit für eine Allergie korreliert mit dem Abgaslevel in der Umgebung", sagt Professor Zutt. Einen Unterschied zwischen Bremen und dem vielerorts ländlich geprägten Niedersachsen sieht der Mediziner aber nicht.
Hat sich die Pollensaison 2020 durch Corona verändert?
Nein, sagt Christina Endler: "Wenn die Leute mehr zu Hause sind, kommen sie weniger in Kontakt mit Allergenen der Außenwelt." Das kann die Beschwerden reduzieren, ändert aber nichts am Pollenaufkommen im Allgemeinen. Wegen Corona ist der Verkehr in März und April weniger geworden, das bedeutet auch weniger Schadstoffe in der Luft. "Das gleicht sich aber aus", sagt Zutt.
Zutt glaubt, dass die Menschen gerade im Homeoffice weniger mit Heuschnupfen zu kämpfen haben, da sie momentan weniger Kontakt zu Baum- oder Gräserpollen haben. Außerdem könne man viele Nasen- oder Augentropfen und andere Antiallergika rezeptfrei kaufen.
Wurden bisher mehr Antiallergika verkauft?
Die Apothekerkammer Bremen erhebt diese Daten nicht regelhaft. Da es auch eine große Anzahl verschiedener Antiallergika gibt, sei eine eindeutige Aussage zu dem Verkauf einzelner Antiallergika schwierig, so die Apothekenkammer. Eine kurz stichprobenartige Abfrage ergab: "Die Abfrage nach einem der gängigsten Antiallergika hat ergeben, dass dessen Nachfrage im Vergleich zu den Vorjahren nicht erhöht ist", sagt Istabel Justus, Geschäftsführerin der Apothekenkammer Bremen.
Pollen-Niesen oder Corona-Husten?
"Emotional spielt die Corona-Pandemie gerade schon eine Rolle", sagt Zutt. "Ich merke, wenn ich draußen bin und niesen muss, dann guck ich zweimal um die Ecke, ob mich jemand beobachtet. Man ist einfach sensibilisierter auf die Symptome." Dabei ist Heuschnupfen und Coronahusten gut auseinanderzuhalten: "Heuschnupfenniesen ist häufig mit einem Juckreiz in der Nase, mit tränenden, juckenden oder roten Augen verbunden." Heuschnupfen verursacht lokale Symptome, eine Corona-Infektion hingegen ist mit einem allgemeinen Krankheitsgefühl verbunden. "In der Regel mit hohem Fieber, mit einer allgemeinen Abgeschlagenheit oder Gliederschmerzen." Corona gleicht einer allgemeinen Erkältung, eine Allergie ist lokal begrenzt und oft auf einen bestimmten Auslöser zurückzuführen.

Mehr als ein Vater: Das fanden Bremer Forscher über Pflanzen raus

Video vom 11. März 2020
Nahaufnahme von der Pflanze Acker-Schmalwand.
Bild: Radio Bremen

Autorin

  • Marike Deitschun

Dieses Thema im Programm: Bremen Eins, Der Nachmittag, 2. Juli 2020, 16:35 Uhr