Infografik

Entzündungssyndrom bei Kindern nach Covid-19 – das raten Bremer Ärzte

Eine Corona-Infektion verläuft unauffällig, wenige Wochen später tauchen schwere Symptome auf: Das "PIM-Syndrom" gibt es auch in Bremen. Wie gefährlich ist es?

Video vom 26. März 2021
Ein Kind das von einem Arzt untersucht wird.
Bild: Radio Bremen

Lange haben Ärzte geglaubt, dass eine Covid-Infektion bei Kindern meistens harmlos verläuft. Inzwischen weiß man, dass das Coronavirus auch bei Kindern und Jugendlichen gefährlich sein kann. Genau genommen nicht die Infektion selbst, sondern die Reaktion des eigenen Abwehrsystems.

Was paradox klingt: Die Mechanismen, die den Körper schützen sollten, können nach einer Covid-Infektion zur Gefahr für den Körper werden. Denn bei dem sogenannten PIM-Syndrom (Pediatric Inflammatory Multisystem Syndrome), das Kinder und Jugendliche nach einer überbestandenen Covid-Infektion bekommen können, reagiert das eigene Immunsystem über und verursacht Entzündungen in verschiedenen Organen.

Selten, aber ernst zu nehmen

Anfangs hatten die Wissenschaftler bei den Symptomen an eine andere Erkrankung gedacht, das sogenannte Kawasaki-Syndrom. Inzwischen weiß man, dass es sich beim PIMS um eine neuartige Erkrankung handelt. Die gute Nachricht: Sie kommt offenbar nur selten vor. In Bremen sind seit Beginn der Pandemie der Prof.-Hess-Klinik für Kinder und Jugendmedizin zehn Fälle gemeldet worden. In Deutschland gab es laut der Deutschen Gesellschaft für Pädiatrische Infektiologie insgesamt 245 Fälle.

Glücklicherweise haben wir hier im Norden, in Bremen, nicht so hohe Zahlen, weil wir auch wegen des Coronavirus nicht so viele Patienten haben.

Chefarzt Martin Claßen der Kinderklinik in Bremen.
Martin Claßen, Chefarzt der Kinderklinik Prof. Hess

Hier können Sie sich externe Inhalte (Text, Bild, Video…) von Datawrapper anzeigen lassen

Stimmen Sie zu, stellt Ihr Browser eine Verbindung mit dem Anbieter her.
Mehr Infos zum Thema Datenschutz.

In den vergangenen Wochen ist die Zahl der Corona-Infektionen bei Jugendlichen und Kindern bundesweit gestiegen, daher hat das PIMS mediale Aufmerksamkeit erlangt. Panik ist jedoch laut Experten nicht angebracht. Dafür aber Wachsamkeit. "Es ist gut, dass dargestellt wird, dass Corona auch für Kinder keine Bagatelle ist", findet der Landesvorsitzende des Bremer Berufsverbandes der Kinder- und Jugendärzte, Stefan Trapp. "Aber es ist auch wichtig, keine Angst zu haben, wenn das Kind Corona gehabt und jetzt ein wenig Bauchschmerzen hat. Bei PIMS erkennt man schon, dass das Kind schwer krank ist."

Die Symptome sind eher allgemein

Problematisch ist, dass die Symptome sehr unspezifisch sind, meint der Chefarzt der Kinderklinik Prof. Hess, Martin Claßen. "Hohes Fieber, Bauchschmerzen, Hautausschläge, Bindehautentzündungen" können dabei auftreten. "Es ist daher wichtig, dass man daran denkt", rät er den Eltern. Vor allem, wenn das Kind hohes Fieber hat, sollte man das Syndrom beim Arzt erwähnen, denn nicht alle Corona-Infektionen machen sich bei Kindern bemerkbar. Teilweise sei bei PIMS-Patienten die Covid-Erkrankung unerkannt geblieben, da diese asymptomatisch verlaufen war.

Insgesamt sei das PIM-Syndrom gut behandelbar, wenn es rechtzeitig erkannt wird, allerdings sei ein Krankenhausaufenthalt notwendig, warnen die Mediziner. "Es kann alle Organe angreifen, aber vor allem die Herzbeteiligung ist problematisch. Die Herzleistung muss überwacht werden", sagt Claßen. Es könne zu Kreislaufstörungen kommen. Bei der Behandlung würden in der Regel Cortison oder Medikamente eingesetzt, die das Immunsystem blockieren oder dämpfen.

Krankheit kann gut behandelt werden

Meistens entwickele sich die Krankheit eine bis fünf Wochen nach der Corona-Infektion, erläutert Mediziner Trapp. Alle Altersgruppen können dabei betroffen sein. Nach zwei, drei Wochen dürfte die Krankheit kuriert sein, so die Experten. Noch ist es unklar, ob in einigen Fällen Folgeschäden bleiben können. Die DGPI vermeldet sie in etwa sieben Prozent aller Fälle, doch für Claßen ist es noch zu früh, um verlässliche Aussagen zu treffen. "Das Krankheitsbild besteht erst seit einem Jahr, deswegen kann man noch wenig dazu sagen. Wir persönlich glauben, wenn man sie früh erkennt und gut behandelt, dass man gute Chancen hat, dass sich alles völlig normalisiert."

Wichtig ist, dass man sich klar macht, dass Corona auch für Kinder Risiken birgt. Aber auch schwere [PIMS-]Verläufe sind gut behandelbar. Man sollte dabei nicht in Panik geraten.

Kinderarzt Stefan Trapp
Stefan Trapp, Kinder- und Jugendarzt

Bremens Bürgermeister kündigt strengere Corona-Regeln an

Video vom 25. März 2021
Andreas Bovenschulte steht an einem Pult
Bild: Radio Bremen

Autorin

  • Serena Bilanceri

Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 25 März 2021, 19:30 Uhr