5 Rheuma-Mythen im Faktencheck

Rheuma trifft nur alte Menschen und gegen die Krankheit kann man nichts machen? Experte Matthias Braun aus Cuxhaven erklärt, was an den Mythen dran ist.

Ärztin untersucht Rheumapatient an den Fingelenken
In Deutschland leiden rund 1,5 Millionen Menschen an Rheuma. Bild: Imago | Science Photo Library

Heute ist Weltrheumatag – und Rheuma ist eine der Volkskrankheiten schlechthin: Nach Zahlen des Deutschen Zentrums für Rheumatologie leiden mehr als 1,5 Millionen Menschen in Deutschland an den Gelenksentzündungen. Da die Erkrankung so häufig ist, kennt auch fast jeder die typischen Sprüche zu dem Thema. Rheumatologe Matthias Braun vom Helios Seehospital Sahlenburg in Cuxhaven räumt mit den Mythen auf.

1 Rheuma bekommen nur alte Menschen

Das stimmt nicht, die Krankheit kann jederzeit auftreten: "Das fängt im Kindesalter an und geht bis in das sehr hohe Alter", erklärt Matthias Braun. Zwar ist ein Großteil der Erkrankten schon älter, in Deutschland gibt es aber auch rund 20.000 an Rheuma erkrankte Kinder.

2 Wer Rheuma hat, sollte sich nicht mehr bewegen

"Das ist ein Mythos, der in keiner Weise zutrifft", sagt Braun. Stattdessen soll Bewegung dabei helfen, Gelenkschäden oder Einschränkungen der Gelenkfunktion vorzubeugen. Und selbst bei einer Erkrankung seien die Menschen nicht sonderlich eingeschränkt: "Der Anteil derer, die an Rheuma erkrankt sind und im Berufsleben stehen, wächst zunehmend. Nicht alle, aber ein Großteil ist in seinem Alltagsleben funktionstüchtig."

3 Gegen Rheuma hilft nur Kortison

Rheuma-Arzt Dr. Matthias Braun
Matthias Braun ist Rheumatologe an der Helios-Klinik in Cuxhaven. Bild: Helios-Klinik Sahlenburg

An diesem Mythos ist immerhin etwas dran: Gegen akute Probleme kann Kortison helfen. Auf lange Sicht sollte man jedoch nicht zu dem Hormon greifen. "In der Langzeittherapie versuchen wir Kortison zu vermeiden. Es hat eine sehr lange Liste von Nebenwirkungen", so Braun. Diese reichen von Gewichtszunahme über Augenerkrankungen bis zu steigendem Blutdruck und Knochenschwund.

4 Rheuma ist nicht wirklich schlimm und tut einfach nur weh

Auch das ist laut Braun nicht korrekt: "Natürlich tut Rheuma weh, aber es ist auch so, dass Patienten mit entzündlich rheumatischen Erkrankungen bei unzureichender Behandlung eine niedrige Lebenserwartung haben." Das liege zwar nicht an den Problemen mit den Gelenken, hänge aber mit häufigen Begleiterkrankungen wie Herz-Kreislaufproblemen zusammen.

5 Sport kann Rheumaschübe auslösen

"Ganz im Gegenteil!" sagt Braun. "Ein Rheumakranker kann seinem Sport, egal was es ist, nachgehen." Jedoch sollte man in seinen Körper horchen und bei Schmerzen mit dem Sport aufhören: "Die Gelenke sagen einem schon, wann die Belastungsgrenze erreicht ist. Dann sollte man auch stoppen, aber prinzipiell gibt es keine Tabus."

Dieses Thema im Programm: Bremen Eins, Der Vormittag, 12. Oktober 2018, 11:45 Uhr