Modernisierung: Diese Rechte haben Mieter

Bremer Mieter der Vonovia kämpfen vor Gericht gegen Mieterhöhungen. Sie wollen Modernisierungskosten nicht bezahlen. Welche Rechte haben sie und andere Mieter? Das sagt der Bremer Mieterschutzbund.

Modernisiert oder saniert? Eine wichtige Frage für Mieter

Das Immobilienunternehmen Vonovia, das in Bremen rund 11.300 Wohnungen besitzt, hat in den vergangenen Jahren zahlreichen Kunden die Mieten erhöht. Der Grund: Das Unternehmen modernisiert derzeit viele seiner Bauten. Handwerker dämmen die Wände, erneuern Dächer und bauen Balkone an. "Seit 2015 haben wir mehrstellige Millionenbeträge in den Bestand investiert", sagt ein Unternehmenssprecher auf Nachfrage. Zudem solle auf ähnlichem Niveau weiter investiert werden.

Ziel sei es, Energie einzusparen. Doch weil ein Teil der Kosten auf die Mieter umgelegt werden darf, müssen diese zum Teil deutlich mehr zahlen als früher. "Wir erleben häufig Mieterhöhungen von monatlich 100 bis 150 Euro", sagt Gert Brauer, Vorsitzender des Bremer Mieterschutzbundes e.V.. "Das kommt selbst mit deutlichen Einsparungen der Heizenergie nicht mehr rein."

Gert Brauer
Der Rechtsanwalt Gert Brauer vom Bremer Mieterschutzbund unterstützt Vonovia-Mieter bei der Anfechtung von Mieterhöhungen.

Viele Vonovia-Mieter haben sich deshalb an den Bremer Mieterschutzbund gewandt, ein Kläger bekam in erster Instanz Recht. Nun geht es in die Berufung. Welche Rechte Mieter im Falle von Mieterhöhungen haben, erklärt Gert Brauer.

Das darf der Vermieter – und das nicht

Wann darf ein Vermieter die Miete erhöhen?
Es gibt nur zwei Möglichkeiten der Mieterhöhung: Entweder wird argumentiert, dass die Wohnung unterhalb der Vergleichsmiete ist. Dann muss der Vermieter drei Vergleichswohnungen präsentieren. Er kann dann einmal in drei Jahren die Miete um 15 Prozent erhöhen. Eine zweite Möglichkeit ist die Modernisierung.
Welche Renovierungskosten kann der Vermieter auf die Mieter umschlagen?
Wichtig ist: Vermieter dürfen nur Modernisierungskosten auf die Mieter umlegen. Sanierungskosten sind hiervon nicht betroffen. Unter Modernisierungskosten versteht man alles, das den Wohnwert erhöht oder aber zur Energieeinsparung beiträgt.
Mit wie viel Kosten müssen Mieter bei Modernisierungen rechnen?
Der Vermieter darf jährlich elf Prozent der Modernisierungskosten an die Mieter weitergeben. Werden im Rahmen der Baumaßnahmen auch Sanierungen durchgeführt, etwa defekte Leitungen ausgetauscht, muss dieser Anteil von den Gesamtkosten abgezogen werden. Wird ein Balkon neu angebaut, kann ein Viertel der zusätzlichen Fläche als Erweiterung des Wohnraums angerechnet werden.
Kann man wenigstens die Miete mindern, solange die Baumaßnahmen laufen?
Die Miete darf erst ab dem vierten Monat der Baumaßnahmen gemindert werden. Um wie viel, ist jeweils sehr unterschiedlich und hängt vom Grad der Belastung ab. Das sollten Mieter mit einem Experten besprechen. Wir empfehlen ein Bautagebuch zu führen, in dem die jeweiligen Störungen genau protokolliert werden.
Wie beeinflussen die Mieterhöhungen der Vonovia den Bremer Immobilienmarkt?
Mieter, die sich nach einer Mieterhöhung nach einer anderen Unterkunft umsehen, werden feststellen: Es ist derzeitig schwierig, in Bremen günstigen Wohnraum zu bekommen. Im Viertel und Schwachhausen liegen wir bereits bei 10 bis 12 Euro den Quadratmeter. Selbst in Walle, Gröpelingen oder Huchting sind Wohnungen mit 6 bis 7,50 Euro den Quadratmeter nicht mehr so leicht zu finden.
  • Tanja Krämer

Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 10. Juli 2017, 19:30 Uhr