Künstler baut Schiff "Bremen" aus Zahnstochern nach

Zahnstocher führen in der Regel ein kurzweiliges Dasein. Der US-Amerikaner Wayne Kusy aber macht damit Kunst. Er baut Schiffe aus Zahnstochern nach.

Mann sitzt vor selbstgebautem Schiffmodell aus Zahnstochern
Wane Kusy und seine Kunst: Seit 1980 baut der US-Amerikaner Schiffsmodelle aus Zahnstochern.

Vor seinem ersten Besuch in Bremerhaven ist die Aufregung beim US-Amerikaner Wayne Kusy groß gewesen. In seiner Heimatstadt Chicago hat er mit der Planung seines aktuellen Kunstprojektes begonnen: Er will das alte Dampfschiff "Bremen" aus Zahnstochern nachbauen. Das Deutsche Schiffahrtsmuseum hilft ihm bei der Umsetzung.

Der "Bremen"-Nachbau: Ein riesiges Vorhaben

Bereits seit 1980 baut Kusy mit den sieben Zentimeter langen, filigranen Holzstochern Schiffe nach. Die "Bremen", ein Schiff aus den 1920er Jahren, nachzubauen, bedeutet ihm besonders viel.

Viele Menschen in der Gegend um Chicago sind auf genau diesem Schiff in die USA gekommen. Und viele haben noch Postkarten von dem Schiff, die sie auf der Bremen gekauft haben. Die haben sie mir vorher schon gegeben, und alle sind jetzt sehr aufgeregt, dass ich genau dieses Schiff baue.

Wayne Kusy, Künstler
Ein Mann hält ein kleines, aus Zahnstochern bestehendes, Schiff in der Hand.

Im Archiv des Deutschen Schiffahrtsmuseums darf sich Kusy die Baupläne für das alte Dampfschiff kopieren. Schon jetzt weiß der Künstler, dass er für die Umsetzung rund 300.000 handelsübliche Zahnstocher benötigt – sein Modell soll nämlich stolze vier Meter lang werden. Er rechnet mit drei bis vier Jahren Bauzeit.

Ich habe ja auch noch einen richtig Job. Ich verdiene also leider nicht mein Geld damit, den ganzen Tag Ozeandampfer zu bauen. Das wäre zwar schön, aber wer weiß, vielleicht ja nach diesem Projekt.

Wayne Kusy, Künstler

Leidenschaft für filigrane Handarbeit

Ein Modellschiff aus Zahnstochern wird gebaut
Eine filigrane Arbeit mit Verletzungspotential: Jeder Zahnstocher ist maximal sieben Zentimeter lang, sehr dünn und hat spitze Enden.

Beim Modellbau seiner Schiffe pinselt der hauptberufliche Grafiker die Zahnstocher nach und nach mit Kleber ein. Wenn nötig, werden Zahnstocher mithilfe einer Zange oder per Hand abgeknickt, um das Material besser an die gewünschte Form anzupassen. Am Ende des Baus malt Kusy alles in Originalfarben an.

Dieser Vorgang braucht Ausdauer – die Liebe zu dem kleinteiligen Hobby hat sich der Künstler bereits in der fünften Klasse angeeignet. Im Kunstunterricht sollten er und seine Klassenkameraden Kunst aus Alltagsgegenständen machen. Kusys Wahl fiel auf Zahnstocher – seither hat er sich nie umentschieden.

Ich habe bei jedem neuen Schiffsmodell eine extra Ausstellung. Und ich hoffe, dass ich das fertige Schiff dann wieder herbringen und hier ausstellen kann. Das wäre großartig. Auch wenn das Modell dann hier bleiben könnte. Das wird eine Menge Spaß, eine große Herausforderung, und ich kann es kaum erwarten anzufangen.

Wayne Kusy, Künstler

Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 13. Februar 2018, 19:30 Uhr