Wie stark können Erdbeben im Bremer Umland werden?

Norddeutschland ist kein Risikogebiet – trotzdem gab es im Landkreis Verden drei Erdbeben an einem Abend. Davon sind selbst Experten überrascht.

Ein Mann zeigt auf einen Seismographen.
Die Erdbeben am Mittwoch wurden mit einer Stärke von etwa 3,0 auf der Richterskala dokumentiert. (Symbolbild) Bild: DPA | Wally Santana / AP Photo

Drei Erdbeben an einem Abend – in einer Region, in der solche Erschütterungen generell eher selten sind. Der Mittwochabend im Landkreis Verden war ungewöhnlich, das sagen auch die Experten vom Landesamt für Bergbau, Energie und Geologie in Hannover (LBEG). Aber warum passieren in der Region doch immer wieder kleinere Erdbeben? Und könnte irgendwann ein gefährlicher Erdstoß folgen?

1 Wie stark werden Erdbeben in der Region?

Das stärkste Erdbeben im Bremer Umland wurde 2004 in Rotenburg gemessen. Es hatte eine Stärke von 4,5 auf der Richterskala – die Erdbeben am Mittwoch wurden bei etwa 3,0 einsortiert. Geophysiker Nicolai Gestermann von der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe schätzt, dass zukünftige Erdstöße rund um Bremen nicht deutlich stärker werden. "Eine genauere Aussage ist nicht möglich, weil es bei uns so wenige Beben gibt und eine Aussage deswegen nur eingeschränkt möglich ist." Bei Erschütterungen dieser Stärke können Fenster und Türen auf- und zugehen. Wer schläft, wird durch die Vibration möglicherweise wach, Bilder im Regal können umfallen, Geschirr klirrt.

2 Welche Ursachen haben die Erdbeben?

Das LBEG hält es für sehr wahrscheinlich, dass der Grund für die Erdbeben am Mittwoch die Erdgasförderung in der Region ist. Wegen der Nähe zu Erdgasfeldern gehören Rotenburg, Cloppenburg, Syke und Verden zu den Gebieten, in denen es vermehrt zu Erschütterungen kommen kann.

Eine Karte zeigt die Erdbebenzonen in Norddeutschland.
Eigentlich ist Norddeutschland nicht in einer gefährdeten Erdbebenzone. Bild: Radio Bremen | Marissa Kimmel

Die Experten vom LBEG bezeichnen Norddeutschland abgesehen von den Erdgasfeldern als "aseismisch". Das bedeutet, dass selbst schwache, natürliche Vibrationen sehr selten sind. Dass es vereinzelt in Norddeutschland natürliche Erschütterungen gibt, liegt an der postglazialen Hebung. Gestermann erklärt dieses Phänomen mit einfacheren Worten: "Die Region war irgendwann einmal komplett mit Eis bedeckt. Dadurch war der Boden komprimiert. Das Auftauen dauert bis heute an und kann dazu führen, dass die Erde durchaus mal in Bewegung kommt." Angst vor schweren Erdbeben muss man jedoch nicht haben. Diese entstehen durch extreme tektonische Spannungen, die es in Norddeutschland nicht gibt.

3 Gibt es auch Erdbeben in Bremen und Bremerhaven?

Zu den wenigen Beben, die nichts mit der Erdgasförderung zu tun haben, gehört die Erschütterung in Bremerhaven im August 2005. Das kann Gestermann mit Sicherheit sagen. Die Ursache allerdings ist bis heute unklar.

Möglicherweise war es ein Einsturzbeben oder es wurde durch Salztektonik ausgelöst. Mit einer Stärke von 2,6 war es recht schwach, so manch einer in Bremerhaven hat es aber trotzdem gespürt. In Bremen hat es bislang kein Erdbeben gegeben. Wenn überhaupt mal Erschütterungen zu spüren sein sollten, dann, weil ein Beben aus der Umgebung sich bis hierhin auswirkt.

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Autor

  • Yannick Lemke

Dieses Thema im Programm: Bremen Eins, Nachrichten, 20. November 2019, 22 Uhr