Fragen & Antworten

So gehen Bremer Behörden bei Coronavirus-Verdacht vor

Im Land Bremen könnten sich zwei Personen mit dem Coronavirus infiziert haben. Was passiert bei solchen Verdachtsfällen? Das Bremer Gesundheitsamt warnt vor unnötiger Panik.

Zwei Mitarbeitende eines Krankenhauses.
Als wie gefährlich ist das Virus in Deutschland einzuschätzen?
Konkrete Sorgen müsse man sich zurzeit keine machen, so Martin Götz vom Bremer Gesundheitsamt, auch wenn ängstliche Reaktionen nachvollziehbar seien: "Weil wir durch die Meldungen in den Nachrichten natürlich alle ein bisschen erschreckt sind. Weil man dort Bilder zu sehen bekommt von Absperrmaßnahmen, die noch nie irgendjemand gesehen hat", so Götz. Man müsse sich wohl darauf einstellen, dass es in Europa und auch in Deutschland erste Erkrankungsfälle geben wird. "Aber wir sind in regelmäßigem Kontakt mit dem Robert-Koch-Institut in Berlin, da sitzen die absoluten Spezialisten, die sämtliche Informationsquellen anzapfen. Und man muss klar sagen: Richtig große Sorgen macht sich die Fachebene noch nicht."

Forscher wüssten zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht allzu viel über das Virus – es spreche aber vieles dafür, dass es nicht so ein übles Virus ist wie zunächst befürchtet. Kurz gesagt, gebe es Götz zufolge momentan wirklich keinen Anlass zur Panik. "Und nicht jeder Mensch, der aus China einreist und eine Erkältung hat, wird automatisch in den Verdacht kommen, mit diesem Virus erkrankt zu sein."
Wie genau wird denn dieses Virus übertragen?
Im Moment wird von einer Übertragung in Form einer Tröpfcheninfektion ausgegangen. Das bedeutet also etwa Husten oder Niesen. Insgesamt ist es jedoch durchaus möglich, dass sich auf Dauer noch weitere Erkenntnisse ergeben. Schließlich ist die Erkrankung noch sehr neu.
Weitere Übertragungswege sind also nicht komplett auszuschließen. Zum jetzigen Zeitpunkt jedenfalls lautet der Kenntnisstand: Respiratorische Übertragung, also über Sekrete aus den Atemwegen. Wie ansteckend das Virus tatsächlich ist, kann zurzeit noch nicht abschließend beantwortet werden.
Wie gehen die Behörden jetzt mit Verdachtsfällen hier in Deutschland, beziehungsweise im Land Bremen, um?
Es gibt bestimmte Konstellationen, die auf einen Verdachtsmoment hindeuten: Wenn zum Beispiel eine Einreise aus dem entsprechenden Risiko-Gebiet in China erfolgt ist und sich innerhalb einer bestimmten Zeit Symptome zeigen. "Da gibt es sehr klare Richtlinien vom Robert-Koch-Institut, und anhand derer wird genau geschaut, ob jemand ein Verdachtsfall sein könnte oder nicht. Und dann gibt es ebenfalls klare Richtlinien, wie man weiter verfährt – ob isoliert wird, wie isoliert wird und so weiter", so Martin Götz vom Gesundheitsamt in Bremen. Je nach Fall wird dann geschaut, mit welchen Personen der Patient Kontakt hatte, etwa Mitreisende im Flugzeug oder Freunde und Familie. Diese werden registriert und vom Gesundheitsamt informiert. "Erstmal ist das dann aber einfach nur eine Aufforderung zur aufmerksamen Selbstbeobachtung", so Götz.

Sollte bei einer Person ein erhöhter Verdacht auf das Virus bestehen, wird diesen Patienten eine Probe entnommen, meist simple Abstriche aus Mund-und Rachenbereich, und an die Charité oder das Robert-Koch-Institut in Berlin geschickt. Dort kann dann innerhalb von wenigen Tagen festgestellt werden, ob eine Erkrankung vorliegt oder nicht, das Gesundheitsamt wird dann telefonisch benachrichtigt. Auch in Bremen gibt es jedoch Überprüfungsmöglichkeiten, das Medizinische Labor Bremen will Ergebnisse taggleich liefern können. "Von diesem Angebot haben wir sehr kurzfristig heute erfahren", so eine Sprecherin des Gesundheitsamts; "das ist sicherlich ein sehr hilfreiches Angebot, auf das wir gerne zurückgreifen."
Gibt es eine Medikation gegen das Virus?
Die gibt es nicht. Es verhält sich ähnlich wie bei einer herkömmlichen Grippe, Ärzte können nur symptomatisch therapieren. Das heißt: Sie können die Symptome lindern und von außen Maßnahmen ergreifen, um beispielsweise die Temperaturerhöhung eines Patienten zu mildern oder Flüssigkeitsverluste auszugleichen.

Update (28. Januar, 21 Uhr): Der Verdachtsfall auf das Coronavirus in Bremerhaven hat sich nicht bestätigt. Das gab das Gesundheitsamt bekannt.

Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 27. Januar 2019, 19:30 Uhr