So versuchen Bremer Geschäfte, die Corona-Krise zu überstehen

Seit Mittwoch dürfen im Land Bremen wegen der Corona-Krise nur einige Geschäfte aufhaben. Die neue Regelung verwirre jedoch viele Ladeninhaber, meint die Handelskammer Bremen.

Ein geschlossenes Geschäft in Bremen.
Keine einfache Zeit für Geschäftsleute. Viele müssen ihre Läden schließen. Bild: Radio Bremen | Serena Bilanceri

Kann der Fahrradladen mit angeschlossener Werkstatt aufmachen, oder soll er zubleiben? Soll der Blumenladen als nicht-essentielles Geschäft geschlossen bleiben, oder gilt er schon als Gartencenter und darf somit seine Kunden betreuen? Die neue Allgemeinverfügung verwirrt offenbar die Geschäftsinhaber. Das teilte der Geschäftsführer im Bereich Einzelhandel der Handelskammer Bremen, Karsten Nowak, mit.

"Wir versuchen seit mehreren Tagen, Klarheit zu bekommen, was geht und was nicht geht", sagt er. Doch das sei nicht einfach. "Die Allgemeinverfügung ist im Moment noch so oberflächlich, dass es für viele nicht klar ist, ob sie aufhaben sollten oder nicht."

Seit Mittwoch dürfen in der Stadt Bremen nur Geschäfte aufmachen, die zur "Aufrechterhaltung der Infrastruktur" gehören, wie der Innensenator mitteilte. In Bremerhaven sind die Maßnahmen erst am Donnerstag in Kraft getreten.

Für viele Mischbetriebe sind die Vorgaben offenbar unklar

Eine Liste der zu schließenden Geschäfte ist auf der Webseite des Innensenators zu finden. Doch in der Praxis ist die Lage vor allem für Mischbetriebe unklar. Werkstätten bleiben auf, Fahrradläden zu: Was, wenn jemand beides unter einem Dach hat? Und was ist mit dem Schnapsladen? Gilt er als Getränkemarkt oder nicht? Mit solchen Fragen sieht sich Nowak seit Tagen konfrontiert.

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Online-Rabatte, Abhol-Aktionen und geänderte Öffnungszeiten

Ein Spaziergang in der Innenstadt zeigt, dass mehrere Ladeninhaber durchaus kreativ mit der neuen Situation umgehen. So bietet ein Kleidungsgeschäft im Viertel Online-Rabatte unter dem Code "staysafe" an, während einige Buchläden um eine Bestellung online oder per E-Mail bitten, die der Kunde dann im nächsten offenen Laden abholen kann. Die Betreiber seien jedoch gerade ziemlich verunsichert, ob ihre Ideen überhaupt legal seien, sagt Nowak.

Viele Geschäftsinhaber entwickeln gerade tolle Ideen. Wir brauchen aber das Ordnungsamt – es muss uns helfen, diese Ideen zu sortieren.

Karsten Nowak,  Geschäftsführer im Bereich Einzelhandel der Handelskammer Bremen

Und in Bremen und Bremerhaven sollen die neuen Vorkehrungen offenbar nicht einheitlich umgesetzt worden sein. "Einige haben darüber berichtet, dass der Ordnungsdienst in Bremerhaven einige Blumenläden geschlossen hat. In Bremen haben sie aber geöffnet", erzählt Nowak.

Innenressort: "Wir sind im Krisenmodus“

Die Sprecherin des Bremer Innensenators, Rose Gerdts-Schiffler, bestätigt die Lage: "Ja, das stimmt, viele rufen gerade beim Ordnungsamt an." Für Ladeninhaber sei eine Servicestelle eingerichtet worden. Das Ordnungsamt sei gerade zwar überlastet, doch noch nicht an seine Grenze gekommen. "In der Servicestelle sind Kollegen auch von unserer Dienststelle mit im Einsatz", sagt Gerdts-Schiffler.

Wenn Hunderte von Leuten gleichzeitig anrufen oder nachfragen, ist jedes Amt dieser Welt überlastet.

Rose Gerdts-Schiffler, Sprecherin des Bremer Innensenators Ulrich Mäurer (SPD)

Gleichzeitig wirbt das Innenressort um Verständnis. Die Allgemeinverfügung sei in einer absoluten Krisensituation erlassen worden, damit schnelles Handeln ermöglicht werde, führt die Sprecherin aus. "Es gibt aber so viele Graubereiche im Leben, die so ein Allgemeinverfügung nicht erfasst."

Wir sind im Krisenmodus und man kann nicht erwarten, dass alles wie im Alltagsbetrieb funktioniert.

Rose Gerdts-Schiffler, Sprecherin des Bremer Innensenators Ulrich Mäurer (SPD)

Doch man werde sich um alle Anliegen kümmern. "Wir werden von Tag zu Tag schneller. Viele Anfragen wiederholen sich", sagt sie. Ob eine genauere Liste demnächst veröffentlicht werde, sei noch nicht absehbar. Doch eine genauere Liste wie in Bayern könnte helfen, sagt Nowak.

Geschäftsinhaber werden erfinderisch

Inzwischen haben manche Geschäftsinhaber die Situation selbst in die Hand genommen. Im Möbelladen von Stefan Brockmann spielen sich gerade ungewöhnliche Szenen ab, wie er erzählt. Mitarbeiter seien in den menschenleeren Hallen mit einem Laptop unterwegs. Sie halten vor einigen Möbeln an, zeigen die Farbkontraste im Vergleich zu den hellen Wänden. Denn gerade werden Kunden im Möbelgeschäft nicht persönlich betreut, sondern via Skype.

Wir versuchen gerade die Kunden, die wir nicht persönlich treffen können, auf andere Wege zu betreuen.

Stefan Brockmann, Inhaber vom Möbelgeschäft Boconcept

Und zwar mit einem virtuellen Rundgang, den die neuen Technologien ermöglichen. Auch ohne 3D-Brille. Brockmann hat ebenfalls die Ausstellräume seines Geschäfts fotografiert und online gestellt. So wie viele andere hofft er gerade, dass die Kunden auf digitalem Wege bestellen werden. "Wenn die Leute weiterhin beim stationären Handel kaufen, wird dann später weniger Hilfe vom Staat benötigt", fügt er hinzu. Er habe ebenfalls von Kleidungsgeschäften gehört, die derzeit ihre Kleider von den Mitarbeitern in Videochat mit den Kunden vorführen lassen. In Zeiten der Not wird man eben erfinderisch.

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Autorin

  • Serena Bilanceri

Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 21. März 2020, 19:30 Uhr