Steuern und Pandemie: 10 Tipps für Bremer und andere zum Geld sparen

Kaum ein Lebensbereich, in dem Corona nicht tiefe Spuren hinterlässt. Das gilt auch für die Steuererklärung 2020. Auf diese Punkte müssen Lohnsteuerpflichtige achten.

Ein Rotstift liegt auf einem Papier mit der Aufschrift An das Finanzamt
Es gehört für die meisten zu den weniger spaßigen Aufgaben des Jahres: Die Steuererklärung. Immerhin kann sie sich lohnen. Bild: Imago | Schöning

Mit dem neuen Jahr geht auch der Papierkram von vorne los: Jetzt heißt es, Belege und Quittungen, Bescheinigungen und Rechnungen suchen, um die Lohnsteuererklärung vorzubereiten. Viele holen sich Hilfe beim Steuerberater oder Lohnsteuerhilfeverein. Viele aber machen es auch selbst – mit dem Stift auf dem Formular, der PC-Software oder im "Online-Finanzamt" Elster. Dabei ist mit Blick auf die Corona-Schleifspur einiges zu beachten.

1 Kurzarbeitergeld

Tausende waren oder sind in Kurzarbeit und erhalten Kurzarbeitergeld. Manchmal wird das vom Arbeitgeber sogar noch aufgestockt. Für die Steuererklärung ist das wichtig. Denn: "Kurzarbeitergeld ist als Lohnersatzleistung steuerfrei", heißt es in einem Leitfaden des Bundesfinanzministeriums. In gewissen Grenzen gilt das sogar für die Aufstockung durch die Firma. Allerdings gilt auch: Kurzarbeitergeld ist eine Einnahme neben dem Gehalt und kann dazu führen, dass der Steuersatz für den regulären Lohn steigt. Das kann zu einer Steuer-Nachzahlung führen, denn der Arbeitgeber hat ja nur die auf die Höhe des Lohnes berechnete Lohnsteuer abgeführt und weiß nicht, welche sonstigen Einkünfte sein Arbeitnehmer hat, die die persönliche Steuerquote beeinflussen. Und die Teamleiterin Steuerberatung bei der Arbeitnehmerkammer Bremen, Larissa-Valeska Heilmann, weist noch auf einen wichtigen Aspekt hin.

Wer mit Lohnersatzleistungen wie dem Kurzarbeitergeld über 410 Euro kommt, wird automatisch steuerpflichtig.

Larissa-Valeska Heilmann, Arbeitnehmerkammer Bremen

Also: Auch, wer bisher nie eine Steuererklärung abgegeben hat und das auch für 2020 nicht geplant hatte, muss in dem Fall dennoch zur Tat schreiten. Und das Bremer Finanzressort ergänzt, dass in diese 410 Euro auch Arbeitslosengeld I oder Insolvenzgeld eingerechnet werden. Bis 31. Juli muss die Steuererklärung eingereicht sein.

2 Heimbüro

Eine Frau sitzt auf dem Boden und sortiert Zettel auf verschiedene Stapel und in Ordner.
Belege, Belege, Belege - sie sind das Salz in der Suppe der Steuererklärung. Bild: DPA | Jochen Tack

Auf der anderen Seite galt und gilt in vielen Fällen: Wer noch arbeiten kann, macht das zu Hause. Das Heimbüro ist für viele Menschen zum ständigen Aufenthaltsort geworden. Da das mit Kosten verbunden ist, hat der Bundestag die "Homeoffice-Pauschale" beschlossen: Das ist etwa die kleine Schwester des Arbeitszimmers. Sie beträgt 5 Euro pro Tag, maximal 600 Euro für das ganze Jahr. In der Regel wird wohl eine Bescheinigung des Arbeitgebers über die Zahl der Tage, die jemand zu Hause gearbeitet hat, reichen. Jedoch sollte da auch drin stehen, dass das aus Corona-Schutzgründen auf Anweisung des Arbeitgebers geschah, rät Heilmann. Bisher sei die konkrete Umsetzung noch etwas unklar und mehr Klarheit in der Bescheinigung könne Nachfragen verhindern. Klar ist nur: Es muss eben gar kein Arbeitszimmer sein, der Küchen- oder Esstisch als Arbeitsplatz wird so auch anerkannt.

3 Fahrtkosten

Das ist gewissermaßen der Gegenpol des Heimbüros: Wer die Arbeit im Homeoffice in die Steuererklärung mit einfließen lässt, muss natürlich im Gegenzug die Fahrtkosten zum Arbeitsplatz entsprechend reduzieren, erinnert Heilmann: "Da kann man die Werte der Vorjahre nicht einfach fortschreiben."

4 Arbeitszimmer

Für die steuerliche Anerkennung des Arbeitszimmers hat sich im Kern nichts geändert. Es muss "den Mittelpunkt der gesamten betrieblichen und beruflichen Betätigung bilden", heißt es beim Finanzministerium. Das muss in der Regel durch eine Bescheinigung des Arbeitgebers, dass es in seinen Räumlichkeiten keinen Schreibtisch für den Arbeitnehmer gibt, belegt werden. Und das Arbeitszimmer muss genau und ausschließlich das sein: Arbeitszimmer. Kein Gelegenheits-Gästezimmer, kein Bügelzimmer, nichts. Wenn es ein reines Arbeitszimmer ist, können wie eh und je Strom, Wasser, Heizung, Hypothekenzinsen und ähnliches anteilig als Kosten in die Steuererklärung eingerechnet werden.

5 Büroausstattung

Auch hier hat sich rechtlich kaum etwas geändert, es dürfte nun nur auch für Personen interessant sein, für die es bisher kein Thema war: Der neue Computer, Drucker oder Scanner, Tisch, Bürostuhl oder auch Büromaterial sind steuerlich absetzbar, wenn er in einer direkten Verbindung zur Tätigkeit im Heimbüro steht. Im Grundsatz gilt dabei nach Angaben des Bremer Finanzressorts: "Kosten für Arbeitsmittel können als Werbungskosten abgesetzt werden, wenn die Arbeitsmittel zu mindestens 10 Prozent beruflich genutzt werden." Bei einzelnen größeren Anschaffungen kann es andere Regeln geben.

6 Telekommunikation

Mit dem Heimbüro und beispielsweise schulpflichtigen Kindern zu Hause sind auch Telefon und Internet ganz anders genutzt worden als zuvor. Arbeitnehmer können die Kosten dafür pauschal zu 20 Prozent und höchstens 20 Euro pro Monat absetzen, wenn es beruflich begründet ist. Da können auch die Festnetz- und der Handyrechnung gleichzeitig herangezogen und addiert werden. Die 20-Euro-Obergrenze gilt aber auch für diese Summe.

7 Medizinischer Corona-Einsatz

Ärztinnen und Ärzte, Pflegerinnen und Pfleger im Ruhestand haben im Rahmen der Corona-Bekämpfung verschiedene Dienste geleistet und dafür auch ein Honorar bezogen. Bis zu einer Höhe von 2.400 Euro im Jahr 2020 gilt das als "Übungsleiterfreibetrag" und bleibt in vielen Fällen steuerfrei. Als Voraussetzung ist unter anderem zu erfüllen, dass die wöchentliche Arbeitszeit nicht über 14 Stunden liegt und der Arbeitgeber staatlich oder gemeinnützig ist.

8 Corona-Prämien

Eine Hand hält Geldscheine vor dem Bremer Finanzamt.
Wer "Corona-Hifen" vom Arbeitgeber bekommen hat, braucht die nicht im Bremer Finanzressort abzuliefern. Bild: Radio Bremen | Montage / Martin von Minden

Im pflegerischen Bereich haben einige Arbeitgeber so genannte "Corona-Prämien" gezahlt. Was unter dieser Überschrift nach dem 1. März 2020 gezahlt wurde ist bis zu höchstens 1.500 Euro steuerfrei. Auch Arbeitnehmer, die in Kurzarbeit waren, Teilzeitbeschäftigte und Minijobber können diese 1.500 Euro steuerfrei erhalten. Für jegliche Hilfe mit dem Zusatz "Corona" gilt aber, dass sie erst nach dem 1. März 2020 verabredet und gezahlt werden durfte. Sonderzahlungen, die schon vorher geplant waren, können nicht in eine "Corona-Prämien" umgemünzt werden.

9 Corona-Test

Corona-Tests, die der Arbeitgeber bezahlt hat, werden nicht als geldwerter Vorteil betrachtet und bleiben daher steuerfrei.

10 Minijobs

"Minijob" und "Steuererklärung" gehören normalerweise nicht zusammen, das macht für viele "geringfügig Beschäftigte" ja gerade den Charme des Minijobs aus. Um diesen zu erhalten, sind die Detailregelungen in diesem Jahr ausgeweitet worden: Um die in diesem Chaos-Jahr auftretenden außergewöhnlichen Beschäftigungs-Schwankungen ausgleichen zu können, dürfen Minijobber im Zeitraum März bis Oktober in bis zu fünf Monaten Mehrarbeit leisten, die sie über die 450 Euro-Grenze heben, ohne den Status "Minijob" zu verlieren. Der Gesamt-Jahresverdienst von 5.400 Euro darf jedoch nicht überschritten werden.

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Autor

  • Karl-Henry Lahmann

Dieses Thema im Programm: Bremen Eins, Der Mittag, 1. Januar 2021, 14:40 Uhr