Bremerhavener Forscher gehen im ewigen Eis auf Zeitreise

  • Wissenschaftler wollen in Antarktis 1,5 Millionen Jahre alte Eisschicht anbohren
  • Dabei erhoffen sie sich Aufschlüsse über das Klima der Urzeit
  • Arbeiten sollen in zweieinhalb Jahren beginnen
Die Antarktis-Station "Dome Concordia" spiegelt sich in der Brille eines Mannes, der mit Schnee und Eis bedeckt in die Kamera schaut-
Einer der "kältesten, trockensten und leblosesten Plätze, die es auf der Erde gibt": Die Antarktis-Station "Dome Concordia" spiegelt sich in der Brille eines Wissenschaftlers. Bild: DPA | ZUMA Press

Forscher des Alfred-Wegner-Instituts in Bremerhaven wollen eine 1,5 Millionen Jahre alte Eisschicht in der Antarktis anbohren. Die Wissenschaftler erhoffen sich davon weitere Aufschlüsse über das Klima der Urzeit. Das AWI ist ein führender Partner in dem Projekt namens Beyond Epica – Oldest Ice (BE-OI). Die EU muss dafür aber noch grünes Licht geben.

Die Forscher hatten drei Jahre lang nach einem passenden Ort für die Bohrungen gesucht. Fündig wurden sie nach eigenen Angaben an einem der "kältesten, trockensten und leblosesten Plätze, die es auf der Erde gibt". Er liegt liegt rund drei Stunden Schneemobil-Fahrt von der Antarktis-Station "Dome Concordia" entfernt, die von Italien und Frankreich betrieben wird. Dort herrschen Temperaturen von bis zu minus 80 Grad. Am Ende soll dabei eine maximale Tiefe von 2.730 Metern erreicht werden. Die Arbeiten sollen in zweieinhalb Jahren beginnen. Die EU soll das Projekt mit rund 30 Millionen Euro fördern.

Das Klima der vergangenen 800.000 Jahre ist schon bekannt

Ein antarktischer Eisbohrkern in der Eiskammer des Alfred Wegener Insituts für Polar- und Meeresforschung in Bremerhaven
Ein Bohrkern des europäischen EPICA-Projektes aus etwa 800.000 Jahre altem Eis wird im AWI zurecht gesägt. Die Bohrung ist mehr als 15 Jahre her. Bild: Imago | Garcia

Bereits zwischen 1996 und Dezember 2004 hatten Forscher im Rahmen des europäischen EPICA-Projektes ("European Project for Ice Coring in Antarctica") 3.270 Meter tief ins Eis der Antarktis gebohrt. Mit genauen Analysen konnten Forscher die Klimageschichte der vergangenen 800.000 Jahre zuverlässig rekonstruieren. "In dieser Zeit wechselten sich lange Kaltzeiten mit kürzeren warmen Epochen in einem Rhythmus von ungefähr hunderttausend Jahren ab“, erklärt AWI-Forscher und BE-OI-Projektkoordinator Olaf Eisen.

Im Eis wurden Luftbläschen konserviert

Da in diesem Eis auch winzige Bläschen eingeschlossen sind, die noch Luft aus der Zeit enthalten, in der das Eis sich bildete, können die Klimaforscher darin den Gehalt der wichtigen Treibhausgase Kohlendioxid und Methan messen. Und sie finden dem AWI zufolge klare Zusammenhänge: War das Klima auf der Erde kalt, gab es viel weniger Kohlendioxid und auch weniger Methan in der Luft als in wärmeren Epochen.

"Es gibt daher sehr gute Gründe, nach den 800.000 Jahre alten EPICA-Proben in mindestens 1,5 Millionen Jahre altes Eis zu bohren“, erklärt Olaf Eisen. Denn damit könnten die Forscher nicht nur die Klimazusammenhänge der "mittleren Pleistozän-Übergangszeit“ untersuchen, sondern auch den davor liegenden 40.000-Jahre-Rhythmus.

Dieses Thema im Programm: Bremen Eins, Nachrichten, 9. April 2019, 9 Uhr