Kreuzfahrt braucht Mitarbeiter – diese Jobs sind besonders gefragt

Arbeiten, wo andere urlauben: Die Kreuzfahrt-Branche sucht händeringend Crewmitglieder – zurzeit auch auf der Messe in Bremerhaven. Der Bedarf ist riesig.

Ein Kreuzfahrtschiff auf See

Es ist ein Bereich, der boomt: die Kreuzfahrt. Zählte Bremerhaven im vergangenen Jahr noch etwa 165.000 Passagiere an der Columbuskaje, werden es zum Ende diesen Jahres schätzungsweise um die 280.000 sein. Ein Anstieg von gut 40 Prozent. Aber viele Gäste auf den Schiffen bedeutet zwangsläufig auch mehr Bedarf an Personal. Um genau solches zu finden, präsentieren sich Kreuzfahrtriesen wie TUI, Phoenix oder Costa auf Messen wie der "Cruise Jobs & Hotel Career Lounge" in Bremerhaven und werben dort um neue Crewmitglieder auf hoher See.

"Man muss aber sagen: Egal welche Rolle, es ist schon häufig ein ziemlicher Knochenjob", meint Daniela Fahr. Ihre Firma organisiert die Messe und ist spezialisiert auf die Personalvermittlung in der Kreuzfahrt. Zehn Stunden am Tag arbeiten, sieben Tage die Woche, und das gerne auch mal fünf bis sechs Monate am Stück: "Da lernt man seine Grenzen schon kennen." Dafür härte es aber auch ab, so Fahr, die selbst etliche Jahre an Bord von diversen Kreuzfahrtschiffen gearbeitet hat.

Das bewegt Arbeitskräfte zum Jobben auf Kreuzfahrtschiffen

Ein weiterer Unterschied zum Festland: die Bezahlung. Durchschnittlich seien die Gehälter in fast allen Tätigkeiten auf einem Kreuzfahrtschiff höher als auf dem Festland. Hinzu kommt aber auch, dass man auf einem Schiff gut sparen kann, so Fahr.

Die Bezahlung muss sich im Vergleich zum Festland lohnen. Andernfalls würden es die Kreuzfahrtunternehmen sehr schwer haben, Arbeitskräfte davon zu überzeugen, für mehrere Monate auf See zu gehen.

Daniela Fahr, Geschäftsführerin "Connect"

Schließlich seien Unterkunft und Verpflegung bereits enthalten, und auch eine Anfahrt zum Arbeitsplatz fiele weg. Außerdem gebe man auf einem Schiff automatisch weniger Geld aus. "Es gibt wirklich so einige, gerade im Gastronomie- und Hotelbereich, die für eine längere Zeit aufs Schiff kommen, um Geld anzusparen, etwa um sich dann zurück auf dem Land selbstständig zu machen", weiß Fahr.

Doch auch der Eintrag im Lebenslauf ist für viele ein Grund an Bord zu gehen: Bei Arbeitgebern in der Gastronomie wird die intensive Erfahrung auf einem Kreuzfahrtschiff durchaus gerne gesehen und gilt als Karrieresprungbrett. Dementsprechend sind laut Fahr die wenigsten Leute über mehrere Jahre auf Schiffen im Einsatz.

Bremerhavener Ozeanriesen: So viel Passagiere und Crew haben die Schiffe

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Fachkräftemangel betrifft auch Kreuzfahrtbranche

Dabei werden die Arbeitskräfte dringend gebraucht, denn auch auf den Ozeandampfern sei der Fachkräftemangel spürbar, so Godja Sönnichsen vom Kreufahrtunternehmen TUI Cruises. "Wir merken das auf jeden Fall, gerade in der Gastronomie haben wir einen hohen Bedarf und suchen verstärkt nach Restaurantpersonal, ganz besonders nach Köchen." Auch der Hotellerie- und Entertainment-Bereich brauche stetig neue Arbeitskräfte, schließlich mache er bei den meisten Schiffen etwa zwei Drittel der Besatzung aus.

Da die Beliebtheit von Kreuzfahrten weiter wächst, lautet Aufstocken die Devise. TUI etwa will allein bis 2026 insgesamt vier neue Schiffe seiner Flotte hinzufügen, jedes davon mit etwa 1.000 vorgesehenen Crewmitgliedern. "Das sind Mengen, die wir allein durch deutsche Arbeitskräfte gar nicht abdecken können", so Sönnichsen.

Was auf dem Land schon schwer ist, wird auf der See nicht einfacher. Daher müssen wir auch wirklich was bieten, wenn wir Leute zu uns an Bord holen wollen.

Godja Sönnichsen, Pressesprecherin TUI Cruises

Die Folge: Ähnlich wie die Fahrgäste sind auch die Herkunften der Crewmitglieder bunt durchmischt. Bis zu 70 Nationen arbeiten gleichzeitig auf einem großen Kreuzfahrtschiff. Einer der Gründe, weshalb Mehrsprachigkeit mittlerweile ein wichtiger Einstellungsfaktor für die allermeisten Reedereien darstellt.

Ausgefallene Berufe an Bord

Es sind aber nicht nur Köche und Kellner, die an Deck Fuß fassen können. Einige der Jobs, die mittlerweile auf den Luxuslinern vergeben werden, würde man beim ersten Hören nicht unbedingt dort vermuten: So beschäftigt etwa jeder größere Ozeanriese mittlerweile Floristen. Ihre Aufgabe: Sich um den zahlreichen Blumenschmuck kümmern, Sträuße vorbereiten, wenn Geburtstage oder auch Hochzeiten gefeiert werden, und den Überblick über Tausende Willkommens-Rosen behalten.

Nicht um Blumen, dafür um die Sprachkenntnise der Crew kümmern sich immer häufiger Deutschlehrer: Auch von ihnen nehmen Kreuzfahrtschiffe mittlerweile oft gleich mehrere mit, um die ausländische Crew besser auf die deutschen Gäste einzustellen. Von den Crewmitgliedern wird das meistens sehr gut angenommen: Gute Deutschkenntnisse erhöhen ihre Aufstiegschancen an Bord stark.

  • Jochen Duwe

Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 11. Oktober, 19:30 Uhr