Diese 4 Auto-Antriebe fahren nicht mit Diesel oder Benzin

Beim Diesel-Gipfel wird heute über die Zukunft des umstrittenen Treibstoffs in Deutschland diskutiert. Diese Antriebe sind auch für Bremer Autofahrer eine Alternative.

Frau läd Elektroauto an Ladestation
Wenn Diesel und womöglich auch Benziner verbannt werden, was bleibt dann noch? Elektroautos sind eine Möglichkeit, doch es gibt weitere alternative Antriebe. Bild: DPA | Daniel Kalker

Anfang 2019 soll im Bremer Mercedes-Werk das erste Elektro-Auto aus der neuen Serie "EQ" vom Band rollen. Und vieles deutet derzeit darauf hin, dass alternative Antriebe wie der des "EQ" in Zukunft deutlich gefragter sein werden als bislang gedacht.

Unsere Nachbarn sind nämlich schon einen drastischen Schritt weiter: Im Juni kündigte Frankreichs Umweltminister Nicolas Hulot an, dass ab 2040 in Frankreich keine Benzin- und Dieselmotoren mehr verkauft werden dürfen. Die Briten zogen vor wenigen Tagen nach: Auch dort soll ab 2040 kein Diesel oder Benziner mehr verkauft werden, auch Hybridmodelle sind davon betroffen. Norwegen will schon ab 2025 nur noch emissionsfreie Autos zulassen.

In Deutschland wird nun im "Nationalen Forum Diesel" über den Umgang mit den umstrittenen Motoren beraten. Die Grünen fordern schon länger eine Abkehr vom Verbrennungsmotor. Nun forderte im Deutschlandfunk auch der erste CDU-Politiker, den Abschied einzuleiten. Die Bundesregierung sieht hierfür derzeit noch keinen Anlass.

Diese Alternativen gäbe es:

1 Strom

Viele Experten setzen darauf, dass das Elektro-Auto beim Umstieg von Verbrennungsmotoren auf alternative Antriebe eine entscheidende Rolle spielen wird. Das Elektro-Auto gilt als emissionsfreies Fahrzeug, ist aber nicht automatisch umweltfreundlich. Denn die Klimabilanz der Fahrzeuge ist umstritten: Sie hängt davon ab, aus welchen Ressourcen der Strom gewonnen wurde, mit dem das Auto betrieben wird. Bei der Herstellung der Akkus entsteht zudem viel Kohlendioxid.

  • Aktuelle Lage: Im Januar 2017 waren laut Kraftfahrtbundesamt nur 34.022 Autos der in Deutschland gemeldeten 45,8 Millionen Pkw reine Elektrofahrzeuge. Im Vergleich zu 2016 ist das ein Plus um 33 Prozent. In Bremen fahren 263 reine E-Autos. Dass der Markt im Kommen ist, zeigen neuen Zahlen der Edel-Elektro-Marke Tesla. Der amerikanische Hersteller habe für sein neues Modell 3 bereits eine halbe Million Vorbestellungen, hieß es Anfang der Woche.
  • Vorteile: Unterhalt, Wartungskosten und Betrieb sind deutlich günstiger als bei Verbrennungsmotor-Fahrzeugen. Neben günstigen Ladekosten sind auch Steuern und Versicherung deutlich günstiger als bei Benzinern oder Diesel. Außerdem stoßen sie im direkten Betrieb keine Schadstoffe aus und sind sehr leise, vermindern in der Stadt also Smog und Lärm.
  • Nachteile: Das Betanken mit Strom dauert zu Hause zwischen sechs und 14 Stunden, an öffentlichen Schnell-Ladestationen bis zu eine Stunde. Wer im Innenstadtbereich zur Miete wohnt oder keine eigene Garage hat, kann das Auto oft nicht zu Hause aufladen. Die Anschaffungskosten sind sehr hoch, die Reichweite ist oft recht gering, beim BMW i3 und dem VW e-Golf sind es etwa 190 Kilometer. Der Golf kostet rund 35.000 Euro. So viel soll auch die Basisvariante des begehrten Tesla kosten, der soll dann eine Reichweite von rund 350 Kilometern haben.
  • Tanken: Laut Bundesnetzagentur gab es im April 2017 rund 1.600 öffentliche Ladestationen für Elektroautos. In Bremen sind es 23.

2 Wasserstoff

Die Fahrzeuge tanken Wasserstoff, der in einer Brennstoffzelle mit Sauerstoff reagiert und so Strom erzeugt. Mit dem Strom wird das Fahrzeug angetrieben. Fahrzeuge mit Brennstoffzellen stoßen keine Emissionen aus.

  • Aktuelle Lage: 2016 waren laut Kraftfahrtbundesamt 314 Brennstoffzellen-Autos in Deutschland zugelassen, darunter auch Hybride. Serienfahrzeuge gibt es nur wenige. Noch sind sie ein reines Nischenprodukt.
  • Vorteile: Es entstehen keine Abgase, sondern Wasserdampf. Das Tanken dauert bei Brennstoffzellen nur Minuten. Die Brennstoffzelle hält länger durch als ein Akku. Und das Auto ist ebenso leise wie ein Elektrowagen.
  • Nachteile: Es gibt keine flächendeckende Versorgung mit Wasserstoff, die Infrastruktur aufzubauen ist kostspielig. Die Autos sind es auch. Mercedes etwa will ein Modell für etwa 50.000 Euro anbieten. Auch ist, ähnlich wie beim Elektroauto, die Klimabilanz in der Kritik.
  • Tanken: Derzeit gibt es 34 Wasserstofftankstellen in Deutschland, bis Ende des Jahres sollen es 70 sein. Auch in Bremen soll zukünftig eine Tankstelle eingerichtet werden.

3 Erdgas (CNG)

Taxis und Busse im Stau
Zahlreiche Kommunen und Städte haben ihre Busse auf Erdgasbetrieb umgestellt. Weil die Fahrzeuge im Werkshof betankt werden, entfällt das Problem der geringen Tankstellendichte. Bild: DPA / Chromorange | Karl-Heinz Spremberg

Autos, deren Verbrennungsmotor serienmäßig mit Erdgas angetrieben werden, gibt es seit 1993. Viele Taxen fahren mit diesem Treibstoff.

  • Aktuelle Lage: Zum 1. Januar 2017 gab es laut Kraftfahrtbundesamt (KBA) 77.187 Erdgasautos in Deutschland, das sind 0,2 Prozent aller zugelassenen Fahrzeuge. In Bremen sind 699 Autos zugelassen. In den letzten Jahren war der Trend rückläufig. Es gab sinkende Verkaufs- und Tankstellen-Zahlen. Eventuell könnte die Diesel-Krise die Talfahrt aber stoppen.
  • Vorteile: Autos, die mit Erdgas fahren, stoßen rund 25 Prozent weniger Kohlendioxid aus als Benziner oder Dieselfahrzeuge und auch deutlich weniger Stickoxide. Werden sie mit Biogas aus nachwachsenden Rohstoffen betankt, sparen sie rund 80 Prozent klimaschädlicher Emissionen. Das Tanken ist zudem günstiger als bei Benzin oder Diesel – und auch günstiger als Autogas.
  • Nachteile: Die Umrüstung eines Fahrzeuges ist mit rund 3.000 Euro teuer, auch die Kosten für einen Neuwagen sind entsprechend höher. Auch Erdgas ist ein fossiler Brennstoff und damit endlich, es sei denn er wird als Biogas aus nachwachsenden Rohstoffen gewonnen. Allerdings gibt es in Hannover erste Tests mit Bio-Methan aus Stroh. Die Reichweite im reinen Erdgasbetrieb ist gering und liegt meist zwischen 250 und 400 Kilometern, je nach Modell.
  • Tanken: Es gibt mit etwa 1.000 Tankstellen in Deutschland noch deutliche Versorgungslücken. In Bremen finden sich nur drei Tankstellen für Erdgas.

4 Autogas (LPG)

Die erste Tankstelle für Flüssiggas in Deutschland gab es schon 1935, sie stand in Hannover. Autogas ist neben dem Elektromotor der am weitesten verbreitete alternative Antrieb in Deutschland.

  • Aktuelle Lage: Anfang 2017 waren laut KBA 448.025 Fahrzeuge mit LPG-Antrieb unterwegs. In Bremen gibt es 3.029 Autos mit LPG-Antrieb.
  • Vorteile: Autos können zu einem LPG-Hybrid umgebaut werden, das kostet zwischen 1.500 und 3.000 Euro, je nach LPG-Anlage. Autogas ist mit rund 60 Cent pro Liter günstiger als Benzin oder Dieselkraftstoff, denn noch ist es steuerlich begünstigt. Die Förderung läuft allerdings Ende 2022 aus. LPG-Autos produzieren 99 Prozent weniger Stickoxide. Es gibt viele Tankstellen.
  • Nachteile: Der Verbrauch ist etwas höher als bei Benzin. Der Ausstoß von Kohlendioxid ist nur 15 Prozent geringer als bei Benzinern. Zudem verbraucht der Motor, bis er eine gewisse Temperatur erreicht hat, normales Benzin.
  • Tanken: Die Versorgung ist sehr gut. In Deutschland gibt es rund 6.000 Autogas-Tankstellen. In Bremen sind es nach Angaben des Deutschen Verbandes Flüssiggas über zwanzig.
  • Tanja Krämer

Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 2. August 2017, 19:30 Uhr