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Roboter als Pfleger oder Helfer: Bremer laut Umfrage noch skeptisch

Haustier, Küchenhilfe, Pflegekraft: Laut einer Umfrage trauen die Bremer Künstlicher Intelligenz und Robotern vieles zu – als Arbeitskollegen will sie aber kaum jemand.

Video vom 14. Januar 2020
Ein weißer Roboter, der in einer Sparkasse steht.
Bild: Radio Bremen

Ob Wall-E, Terminator oder Bumblebee – bislang existieren wirklich intelligente Roboter nur im Kino. Doch dies könnte sich angesichts der Fortschritte von Künstlicher Intelligenz (KI) und Robotik ändern. Die Uni Bremen hat daher Bremer Bürger und Vertreter aus Wissenschaft und Politik befragt, wie beide das Leben ihrer Ansicht nach in Zukunft beeinflussen werden.

Wo ist der Einzug von KI und Robotik wahrscheinlich? Wann wird beides akzeptiert? Und bis wann sind technologische Entwicklungen überhaupt realistisch? Das sind die sieben wichtigsten Umfrage-Erkenntnisse.

1 Kinderbetreuung: Keine Robo-Nanny in Bremens Familien

Der schon vor einigen Jahren in China entwickelte Roboter iPal hat schwarze Kulleraugen, erzählt Kindern Witze und lernt mit ihnen Mathematik. Doch taugen er oder andere Roboter auch als Nanny? Bremerinnen und Bremer können mit diesem Gedanken wenig anfangen. So sehen es die Befragten als klar unwahrscheinlich an, dass Roboter absehbar zuhause zur Kinderbetreuung eingesetzt werden. Zumindest nicht innerhalb der nächsten zehn Jahre.

Langfristig trauen die Umfrageteilnehmer den KI-begabten Robotern zumindest zu, sich mit Menschen auf höherem Niveau auszutauschen. Wobei die Befragten aus den Bereichen Technik und Naturwissenschaften solche Fortschritte tendenziell eher später erwarten als beispielsweise die Vertreter aus der Politik.

So rechnen sie erst nach 2040 damit, dass Roboter aus Worten und Gesten menschliche Verhaltensabsichten ablesen können. Ein Problemverständnis für Situationen zu entwickeln, mit denen sie keine Erfahrung haben, dürfte Robotern nach Ansicht der Wissenschaftler sogar erst in 30 Jahren gelingen. Bis KI auch Kinder bändigen kann, dürfte also noch etwas Zeit vergehen.

2 Pflegehilfe: KI wird kommen, aber lieber nicht zu mir

Roboter in einem Altenheim
Die Auswirkung von Robotern in Altenheimen ist noch kaum erforscht. Bild: Radio Bremen

Anders sieht es in Pflegeheimen aus. Dort halten es die Vertreter der Wissenschaft bis 2030 für eher wahrscheinlich als unwahrscheinlich, dass sich Menschen und Roboter die Aufgaben bei der Betreuung pflegebedürftiger Personen teilen. In der Bevölkerung ist diese Erwartung sogar noch ausgeprägter. 52 Prozent halten es für "ziemlich wahrscheinlich" oder sogar "ganz sicher", dass Pflegekräfte ihrer Arbeit gemeinsam mit Robotern nachgehen.

Im Gegensatz dazu würde jedoch nur ein Drittel der Befragten "ziemlich wahrscheinlich" oder "ganz sicher" zustimmen, dass ein naher Angehöriger oder sie selbst von einem Assistenzroboter gepflegt werden. Dies korrespondiert mit der Ansicht von 60 Prozent der Befragten, die eine Pflege durch Roboter für "nicht so gut" oder "überhaupt nicht gut" halten.

3 Roboter als Haushaltshilfe: Politik und Wissenschaft sind uneins

Sie mähen schon jetzt den Rasen oder saugen das Wohnzimmer. Schlau sind Haushaltsroboter allerdings noch nicht. Daran dürfte sich so schnell nichts ändern, glauben vor allem die Umfrageteilnehmer mit technischem und naturwissenschaftlichem Hintergrund. Ein Szenario, bei dem Assistenzroboter im Haushalt Tätigkeiten übernehmen wie Essen zubereiten, Tisch decken oder die Geschirrspül- und Waschmaschine zu bedienen, halten sie tendenziell erst in den späten 2030er Jahren für realistisch. Befragte aus dem Bereich Politik sehen diese Zukunft hingegen schon rund zehn Jahre früher auf die Bremer und Bremerinnen zukommen.

Dass solche Haushaltshelfer dann auch auf Bremer Know-how setzen, ist durchaus wahrscheinlich. Denn an der Bremer Uni wird schon heute fleißig an der künstlichen Küchenintelligenz von morgen geforscht.

Die Roboterschule

Video vom 3. Januar 2018
Ein Roboter mit großen Kulleraugen
Bild: Radio Bremen

4 KI als Arbeitsassistenz: Objektivität statt Diskriminierung?

Wie KI und Robotik die Arbeitswelt beeinflussen könnten, sollten die Befragten ebenfalls beantworten. So wurde unter anderem gefragt, für wie realistisch sie es hielten, dass eine künstliche Intelligenz künftig über die Einstellung von Personal entscheidet.

Dass verbindlichen Ethikrichtlinien orientierte KI-Assistenzsysteme bis 2030 eine wesentliche Rolle bei Personaleinstellungen spielen könnte, um beispielsweise Diskriminierung zu verhindern, halten Befragte aus Politik und Wissenschaft in der Tendenz eher für wahrscheinlich als nur für möglich.

In der Bevölkerung wird dies zwar ähnlich gesehen. Doch nur ein Viertel der Umfrageteilnehmer würde "ziemlich wahrscheinlich" oder "ganz sicher" darauf vertrauen, dass am Ende ausschließlich die Qualifikation entscheidet. Eine automatisierte Vorauswahl würden letztlich nur 21 Prozent bevorzugen, 62 Prozent dagegen weiterhin eine durch Menschen getroffene.

5 KI als Arbeitskollege: Akademiker sind nicht besorgt

Empfangsroboter in einer Sparkassenfiliale
Die Bremer Sparkasse hat den Roboter "Luna Pepper" als Service-Kraft im Einsatz. Bild: Radio Bremen

Als "rote Linie" für die Akzeptanz von Künstlicher Intelligenz bezeichnet Umfrage-Leiter Uwe Engel die Frage, ob und wann KI den Menschen am Arbeitsplatz ersetzen könnte. Alle Fragen, die den Eindruck erweckt hätten, KI oder Roboter könnten die Menschen in irgendeiner Form ersetzen, seien als deutlich auszuschließen ("keinesfalls") bis "wahrscheinlich nicht" zurückgewiesen worden, so der Wissenschaftler.

Die Bremer Bevölkerung sorgt sich dennoch mehr als die Befragten aus Wissenschaft und Politik um die Konsequenzen am Arbeitsmarkt. So gehen 56 Prozent der aus der Bevölkerung befragten Bremerinnen und Bremer davon aus, dass es zu einem KI-bedingten Arbeitsplatzabbau kommen wird. Dass der eigene Arbeitsplatz davon vollständig oder größtenteils betroffen sein könnte, glauben allerdings nur 6 Prozent.

6 Lifelogging-Avatar: Siri in schlau bleibt Hollywood überlassen

Bei vielen misst die Smartwatch den Puls auf Schritt und Tritt. Und Apps berechnen mittels Bewegungs- und Ernährungsprofil das optimale Workout und die Mahlzeiten-Zusammensetzung. Beim sogenannte Lifelogging messen Menschen ihre Lebens- und Verhaltensdaten bereits jetzt durchgängig. Könnte dies künftig zuhause und unterwegs von einem persönlichen Avatar oder KI-Berater begleitet werden?

Aus Sicht der Mehrheit der Befragten aus Wissenschaft und Politik dürfte dies wohl Hollywood-Science-Fiction bleiben, wie sie in Filmen wie "Her" über die persönliche KI-Assistentin Samantha schon 2013 inszeniert wurde. Die Befragten halten ein Avatar-Szenario mit persönlicher KI zwar "vielleicht" für möglich. Die Mehrheit geht aber davon aus, dass dies bis 2030 "wahrscheinlich nicht" der Fall sein wird.

7 Haustierersatz: Bremer bevorzugen Hunde und Katzen

Was intelligente Roboter in den heimischen vier Wänden tun können und sollen, darüber gibt es unter den Befragten sehr unterschiedliche Ansichten. Während die befragten Wissenschaftler die Nutzung von Robotern als Haustierersatz für nicht ganz so unwahrscheinlich halten, gibt es in der Bevölkerungsumfrage eine klare Tendenz: Dass Roboter Hunde und Katzen in den eigenen vier Wänden ganz sicher ersetzen, daran glauben nur 3 Prozent. 45 Prozent der Bremerinnen und Bremer halten dies hingegen keinesfalls für eine Option.

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Autor

  • Kristian Klooß

Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 14. Januar 2020, 19:30 Uhr