Affenexperimente an der Uni Bremen: Nötig oder "Neugier-Forschung"?

Knapp drei Millionen Tiere wurden 2018 für Tierversuche verwendet. Forscher und Tierschützer streiten seit Jahren: Was bringen die Experimente mit Affen wirklich?

Affenforschung in der Uni Bremen (Archivbild)
Für die Hirnforschung werden an der Uni Bremen Makaken-Affen genutzt (Archivbild).

Wumm, zehn Jahre alt, sitzt auf einem Stuhl und schaut auf einen Computerbildschirm. Der Versuchsaffe muss sich auf verschiedene Symbole auf dem Monitor konzentrieren. Bewegt sich eines davon, muss der Affe einen Knopf drücken und bekommt eine Belohnung. Diesen Versuch macht Wumm mehrmals in der Woche am Institut für Hirnforschung an der Uni Bremen. Mit solchen Experimenten wollen Zoophysiologe Dr. Andreas Kreiter und sein Team an der Uni Bremen herausfinden, was im Gehirn bei Aufmerksamkeit und Konzentration passiert. Dafür werden den Makaken-Affen vorab unter Vollnarkose Elektroden ins Gehirn eingesetzt.

Grundlagenforschung mit Makakenaffen an der Uni Bremen

Für solche Experimente eignen sich Makaken besonders gut, erklärt Kreiter: "Makaken sind Tiere, die sich im Freiland beispielsweise von Gräsersamen ernähren. Deswegen sind sie es gewohnt, sich über lange Zeit sehr geduldig mit dem Zupfen von Gräsern zu beschäftigen. Darauf sind wir in unseren Versuchen angewiesen."

Bei den Versuchen könnten die Affen selbst bestimmen, wie lange sie die Übung machen wollen, versichert der Forscher. Ein paar dutzend Makaken leben in einem Innen- und Außengehege der Uni Bremen und werden für die Forschung genutzt. Ziel ist, die Vorgänge im Gehirn zu verstehen und so vielleicht Methoden zu entwickeln, die psychische Krankheiten heilen könnten. Schnelle Ergebnisse wird es nicht geben. Denn das, was Andreas Kreiter macht, ist Grundlagenforschung.

Der wissenschaftliche Nutzen ist umstritten

Robert Porzel vom Verein "Ärzte gegen Tierversuche" nennt es eher "Neugierforschung". Denn wissenschaftlich würden diese Experimente nichts bringen: "Man kann vielleicht etwas über die Affengehirne herausfinden, aber für menschliche Informationsverarbeitungen im Gehirn kommt dabei leider nichts heraus."

Forscher Andreas Kreiter stimmt dieser Aussage nur teilweise zu: "Es ist zweifelsfrei richtig, dass es ganz bestimmte Dinge gibt, die in der Tat nicht direkt übertragbar sind. Aber es hat uns sehr geholfen, diese Dinge und Unterschiede auch zu lernen." Seine Arbeit dient der Grundlagenforschung, sowie 44 Prozent aller Tierversuche in Deutschland. Das geht aus den veröffentlichten Zahlen vom Bundeslandwirtschaftsministerium hervor. Tierrechtler kritisieren diese Art der Forschung besonders. Denn es gäbe keine Angaben darüber, ob die Ergebnisse der Experimente überhaupt auf den Menschen übertragbar seien.

Alternative Forschung ohne Tierversuche?

Laut Tierversuchsgegner Porzel sei ein weiteres Argument gegen die Experimente, dass es bereits alternative Möglichkeiten gebe, das Gehirn zu untersuchen, beispielsweise im Gehirnscanner oder durch künstliche Organe. Die Industrie greife auch schon auf diese Methoden zurück. Nur in der Wissenschaft ist die Zahl der Versuchstiere im Vergleich zu 2017 um knapp 20.000 auf 2,82 Millionen angestiegen – vor allem bei Mäusen, Hunden und Katzen. Den Hauptgrund dafür sieht Porzel in der Vergabe von Forschungsgeldern der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG).

Von der DFG werden Milliarden an Steuergeldern in Forschung investiert. In die Tierversuche sind das 3 Milliarden — und 8 Millionen fließen in die tierversuchsfreien Alternativen.

Robert Porzel, Ärzte gegen Tierversuche e.V.

An der Uni Bremen förderte die DFG im vorletzten Jahr über 20 Projekte mit fast zwei Millionen Euro. Für die Tierrechtler ist aber ein Ende der Versuche in Sicht: in 15 Jahren sind die Alternativen zu diesen Experimenten soweit, die Tierversuche abzulösen. Das Bundeslandwirtschaftsministerium und auch viele Forscher sehen das anders. Vor allem in der medizinischen Forschung könne man darauf noch nicht verzichten. Eine ähnliche Haltung hat auch die EU. Das langfristige Ziel, sowohl vom Bund als auch der EU ist aber, die Tierversuche zu verringern oder ganz abzuschaffen. Dafür sind bereits seit Jahren die Regeln für eine Genehmigung im Hinblick auf das Leid der Tiere und der Tierhaltung verschärft worden. Zudem sollen Alternativmethoden verstärkt gefördert werden.  

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Autor

  • Fabian Metzner

Dieses Thema im Programm: Bremen Eins, 9. Januar 2020, 15:15 Uhr