Der nächste Pandemie-Herbst kommt: Wird Bremen die Schulen ausrüsten?

Video vom 2. Juli 2021
Ein Gerät, das aussieht wie ein Kühlschrank, steht in einem Klassenzimmer.
Bild: Radio Bremen | Leonard Steinbeck
Bild: Radio Bremen | Leonard Steinbeck

Schon jetzt ringen die Bundesländer am Markt um Lüftungsanlagen für die kühlere Jahreszeit. Bremen setzt daher auch auf mobile Lüfter. Ist Bremerhaven da schneller?

Immobilien Bremen hat am vergangenen Mittwoch damit begonnen, die Schulgebäude Bremens näher zu untersuchen. Es gilt zu klären, welche Gebäude sich für den Einbau stationärer Luftfilterungsanlagen eignen. Das hänge beispielsweise von den Kapazitäten der Elektrik, aber auch von baulichen Gegebenheiten ab, wie Unternehmenssprecher Fabio Cecere sagt.

Die Prüfungen könnten noch bis in den Herbst dauern. Doch auch dann könnten die Arbeiten noch nicht sofort beginnen. Nach der Bewilligung müssten die Aufträge erst ausgeschrieben, vergeben und umgesetzt werden. Mit anderen Worten: Wann an welcher Bremer Schule letztlich wirklich eine neue, fest eingebaute Luftreinigungsanlage in Betrieb genommen werden kann, steht in den Sternen.

Nur ein Puzzleteil im Kampf gegen die Pandemie?

Schüler sitzen mit Abstand in einem Klassenzimmer.
Lüftungsanlagen in Schulen seien nur ein Puzzleteilchen im Kampf mit Corona, sagt Martin Stoevesandt. Sie könnten andere Schutzmaßnahmen wie ausreichende Abstände nicht ersetzen. Bild: DPA | Eibner-Pressefoto | Fleig

"Wahrscheinlich haben wir dann schon eine andere Pandemie", kommentiert Martin Stoevesandt, Vorstandssprecher des Zentralelternbeirats Bremen, den Vorgang, fügt aber gleich hinzu, dass das Thema in seinen Augen weithin überschätzt werde.

"Lüftungsanlagen sind kein Allheilmittel", sagt Stoevesandt. Es handele sich dabei nur um ein kleines Puzzleteilchen unter vielen im Kampf gegen die Pandemie. Entsprechende Anlagen in alte Gebäude nachträglich einzubauen, sei mit einem gewaltigen Aufwand und sehr hohen Kosten verbunden. Inwiefern das verhältnismäßig sei, darüber könne man trefflich streiten. Stoevesandt betont aber auch, dass es innerhalb des Elternbeirats keine abgestimmte Meinung zu dem Thema gebe, er also nicht für alle Eltern sprechen könne.

Immer mehr mobile Lüfter an Bremens Schulen

Annette Kemp, Sprecherin des Bildungsressorts, weist unterdessen den Vorwurf zurück, dass Bremen seine Schulen unzureichend auf den Herbst vorbereite. Nicht nur, dass Bremen den Rahmenplan und die Didaktik samt Hybridunterricht laufend weiter aktualisiere, auch die Testpflicht für alle nichtgeimpften Schülerinnen und Schüler werde es im neuen Schuljahr weiter geben. Der Großteil der Beschäftigen in den Schulen sei bereits geimpft.

Schließlich habe man auch die Lüftung in den Unterrichtsräumen weiterhin genau im Blick. So seien im Land Bremen derzeit rund 2.600 mobile Lüftungsanlagen im Einsatz. Sowohl die Schulen Bremens als auch Bremerhavens könnten jederzeit weitere Lüfter bestellen und täten es auch.

"Die Geräte haben einen hohen Luftdurchsatz", sagt Kemp. "Die Schulen melden uns, dass sie sehr zufrieden damit sind." Rund 2.000 Kohlendioxid-Uhren zeigten nicht die Viruslast an, aber die Kohlendioxid-Konzentration und damit, wie gut die Raumluftqualität sei. Dennoch, räumt Kemp ein, bleibe das Lüften durch die Fenster das A und O. Die mobilen Lüfter seien lediglich als Ergänzung gedacht.

Bundesumweltamt: Feste Anlagen langfristiges Ziel

Eine Ventilationsöffnung der Gebäudebelüftung und Lampen in einer Zimmerdecke.
Das Bundesumweltamt empfiehlt raumlufttechnische Anlagen für alle Schulen und Veranstaltungsräume. Bild: Imago | YAY Images

So sieht es auch das Umweltbundesamt. "Da mobile Luftreinigungsgeräte nicht das in Klassenräumen anfallende Kohlendioxid und den Wasserdampf aus der Raumluft entfernen, können sie nicht als vollständiger Ersatz für Lüftungsmaßnahmen eingesetzt werden", teilt das Amt mit und empfiehlt: "Aus gesundheitlichen und Nachhaltigkeits-Gründen sollten perspektivisch alle dicht belegten Veranstaltungsräume in Schulen und Bildungseinrichtungen mit raumlufttechnischen (RLT)-Anlagen ausgerüstet beziehungsweise nachgerüstet werden".

Solche Anlagen beseitigten "die Vielzahl innenraumhygienischer Probleme in dicht belegten Räumen in einem Gang." Dazu zählten etwa luftgetragene Erreger, Kohlendioxid, Wasserdampf und Gerüche. Das Umweltgesundheitsamt spricht im Zusammenhang mit den einzubauenden Lüftungsanlagen allerdings ausdrücklich von einem "langfristigen Ziel". Derzeit seien bundesweit nur etwa zehn Prozent aller Schulen mit RLT-Anlagen ausgestattet.

Bremerhaven schneller als Bremen?

Während Immobilien Bremen gerade erst damit begonnen hat, zu klären, für welche Schulen sich welche Lüftungsanlage eignen könnte, ist man in Bremerhaven offenbar schon weiter und schickt sich an, der Empfehlung des Bundesumweltamts zu folgen. "Seestadt Immobilien plant, die Schulen mit raumlufttechnischen Anlagen auszustatten, für die es eine 80-prozentige Förderung des Bundes gibt", sagt Magistratssprecher Volker Heigenmooser.

Diese Anlagen tauschten permanent Raumluft aus und führten auf diese Weise das Kohlendioxid und die Aerosole ab. "Es muss dann nicht mehr alle 20 Minuten für fünf Minuten im Raum gelüftet werden, und die Schülerinnen und Schüler sitzen im Winter während des Lüftens nicht in kalten Räumen", beschreibt Heigenmooser wesentliche Vorzüge von RLT-Anlagen. Ob die Kommunalpolitik dem Vorschlag von Seestadt Immobilien folge, sei allerdings noch nicht geklärt.

Schüler mahnen zur Eile

Ein junger Mann mit rotem Pulli und schwarzer Baseballcap lächelt in die Kamera.
Möchte keinen weiteren Winter im Klassenzimmer frieren: Phil Hempel. Bild: Phil Hempel

Davon unbeeindruckt mahnt Phil Hempel vom Stadtschülerring Bremerhaven zur Eile: "Wir wollen nicht noch einmal dasitzen und frieren wie im letzten Winter." Die Schülerinnen und Schüler erwarteten von der Politik daher bis spätestens zum Herbst eine bessere Lösung für gesunde Luft in den Unterrichtsräumen als eisige Kälte.

Vorbereitung auf den Pandemie-Herbst: Das fordern Bremer Schüler

Video vom 2. Juli 2021
Schülerinnen und Schüler sitzen in einem Klassenraum.
Bild: Radio Bremen
Bild: Radio Bremen

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  • Alexander Schnackenburg Autor

Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 2. Juli 2021, 19:30 Uhr