Bremens Handwerk boomt in der Corona-Pandemie

Die Zahl der Handwerksbetriebe im Land Bremen ist 2020 gestiegen. Bis März dieses Jahres wuchs ihre Zahl weiter. Zwei Gewerke überraschen dabei besonders.

Restaurierung eines Polstersofas durch einen Raumausstatter.
Für Raumausstatter-Betriebe ist die Eintragung in die Handwerksrolle seit Mitte Februar verpflichtend. Bild: Imago | Joker/Petra Steuer

Arbeitsplatzabbau bei Airbus, Sparrunden bei Mercedes, Ladenschließungen in der Innenstadt – das Pandemie-Jahr 2020 war ein Rückschlag für Bremens Industrie und Handel. Im Handwerk sieht es hingegen ganz anders aus. Die Zahlen steigen.

Im Jahr 2020 zählte die Handwerkskammer rund 5.368 Betriebe, 113 mehr als ein Jahr zuvor – der größte Zuwachs seit Jahren. Konkret trugen sich im vergangenen Jahr 615 Betriebe in die Handwerksrolle, also dem Betriebsverzeichnis der Handwerkskammer, ein. Dem standen lediglich 523 Abmeldungen gegenüber.

Zahl der Kosmetik-Studios steigt rasant

Besonders überrascht dabei der jüngste Zuwachs in einem Gewerk, das hart von der Pandemie getroffen worden ist. So stieg die Zahl der eingetragenen Kosmetiker und Kosmetikerinnen vom 1. Januar 2020 bis zum 5. März 2021 von 471 auf 540, also um knapp 15 Prozent. Dabei berücksichtigt werden müsse allerdings, dass viele Menschen in diesem Gewerk nebenberuflich arbeiten, sagt Handwerkskammer-Sprecher Oliver Brandt. "Der Anstieg kann auch darin begründet liegen, dass dort Menschen aus einem Angestelltenverhältnis in die Selbstständigkeit gewechselt sind."

Bei der Zahl der Friseurbetriebe verzeichnet die Handwerkskammer im Zeitraum vom 1. Januar 2020 bis zum 5. März 2021 ein ebenfalls überraschendes, leicht positives Saldo. Es stieg um 2,7 Prozent von 585 auf 601 eingetragene Betriebe. Auch die Gebäudereiniger gehörten in der Pandemie zu den Ausreißern nach oben. Der Zuwachs um 45 auf 469 Eintragungen entspricht fast 11 Prozent.

Andere Gewerke stabil

"Bei den anderen Gewerken verzeichnen wir keine signifikanten Veränderungen", sagt Brandt. Zwar könne die vorläufige Aufhebung der Insolvenzpflicht zu weniger Austragungen oder die neue Eintragungspflicht für Gewerke wie Fliesenleger und Raumausstatter in Einzelfällen zu einem leichten Zuwachs geführt haben. "Klare Motive oder Gründe für oder gegen Eintragungen gab es allerdings nicht."

Bis auf die signifikant steigenden Anmeldungen für Kosmetikbetriebe seien die Zuwachse über alle Bereiche stabil. Ein Trend, der für das Bremer Handwerk allerdings nicht neu sei. "Das ist seit Jahren das normale Geschäft", sagt Brandt.

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Video vom 31. Januar 2021
Der Präses der Handwerkskammer und Malermeister Thomas Kurzke im Studio von buten un binnen.
Bild: Radio Bremen
Bild: Radio Bremen

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Autor

  • Kristian Klooß Autor

Dieses Thema im Programm: Bremen Eins, Der Tag, 9. März 2021, 23:30 Uhr