Diese Medikamente werden in Bremen knapp

Ibuprofen, Aspirin, Antibiotika – bei vielen Medikamenten gibt es zurzeit nicht genug Nachschub. Auch Krankenhäuser bekommen das zu spüren. Doch es gibt auch eine gute Nachricht.

Eine Apothekerin zieht eine nahezu leere Schublade aus einem Medikamentenschrank heraus. (Bildmontage)
Medikamentenhersteller kommen zurzeit mit Lieferungen nicht hinterher. Bild: Imago | Momentphoto/Robert Michael / Montage Radio Bremen

Sebastian Köhler kennt das: Wenn der Apotheker zurzeit neue Medikamente nachbestellen will, ist es eher Glückssache, ob er auch etwas bekommt – jedenfalls bei bestimmten Produkten. Köhler ist Mitglied im Vorstand der Apothekerkammer Bremen. Er hat eine Liste von 150 Produkten erstellt, die derzeit nicht lieferbar sind.

Darunter auch das verschreibungspflichtige Schmerzmittel Ibuprofen 600, der Blutverdünner Aspirin/ASS und das Antibiotikum Erythromycin. Zu dem Antibiotikum, das zum Beispiel bei Atemwegserkrankungen eingesetzt wird, gebe es aber noch genügend Alternativen, sagt Köhler. Schwierig wird es allerdings beim Aspirin. "Wer für den Hausgebrauch Aspirin benötigt, braucht keine Angst zu haben, allerdings wird der Wirkstoff als intravenöse Injektion knapp", sagt Köhler.

Lieferprobleme bei Ibuprofen bis Ende 2018

In dieser Form wird das Medikament in Krankenhäusern verabreicht, unter anderem bei Schlaganfällen oder Herzinfarkten. Beim Klinikverbund Gesundheit Nord (Geno) in Bremen ist das Problem bekannt, sagt Pressesprecherin Karen Matiszick. "Es ist aber kein unlösbares Problem. Denn es gibt Alternativen oder man kann auf Importprodukte umsteigen."

Auch zum Schmerzmittel Ibuprofen gibt es Alternativen. Allerdings zieht sich bei diesem Mittel der Lieferengpass noch länger hin, als zunächst vermutet. "Die Lieferprobleme bei Ibuprofen 600 gibt es deshalb, weil in einem Werk vom Rohstofflieferant BASF in Texas Reparaturen gemacht werden", sagt Köhler. Eigentlich sollten die Arbeiten innerhalb von drei Monaten erledigt sein, nun wird es aber wohl noch bis Ende des Jahres dauern, bis die Produktion im Werk wieder aufgenommen werden kann, berichtet das Onlineportal "apotheke adhoc". Weil es sich bei BASF um einen von sechs Rohstofflieferanten weltweit handele, komme es zu großen Engpässen.

Frau kollabierte in Bremer Apotheke wegen Allergie

Auch Notfallspritzen für Allergiker sind nur sporadisch zu bekommen, weiß Köhler. Im Sommer war eine Frau nach einem Insektenstich in seiner Apotheke zusammengebrochen. Doch man konnte ihr helfen: mit einem sogenannten Adrenalin-Pen, einer Notfallspritze für Allergiker. Danach herrschte erst einmal Flaute bei der Nachlieferung der Spritzen. "Wir haben ganz lange nichts bekommen und das in den Sommermonaten, als die Wespen besonders aktiv waren", sagt Köhler. Mittlerweile stellt er eine leichte Entspannung fest – allerdings liege das auch daran, dass die Wespensaison vorbei ist.

Probleme gibt es auch bei der Beschaffung von Impfstoffen gegen Tollwut und Tetanus. Apotheker Köhler bezeichnet es als eine "unbefriedigende Situation". Warum die Stoffe nicht durchgängig geliefert werden, ist nicht bekannt. Allerdings gebe es für viele Impfstoffe nur wenige Hersteller und die Stoffe zu produzieren, sei aufwendig.

Grippe-Impfungen stehen kurz bevor

Den Engpass bei Medikamenten gibt es nicht nur in Bremen, weiß der Apotheker. Denn Apotheken beziehen ihre Ware von einigen wenigen Großhändlern in Deutschland. Sind die Lager dort leer, kommt kein Nachschub. Dann können Patienten nur noch Restbestände in einzelnen Apotheken bekommen – mit Glück.

Mit Herbstbeginn fängt auch die Zeit der Grippe-Impfungen an. Von diesem Impfstoff ist in diesem Jahr aber offenbar genug vorhanden. "Die Auslieferung geht jetzt los und es zeichnet sich ab, dass es ein sehr entspanntes Jahr wird."

Dieses Thema im Programm: Bremen Eins, Der Tag, 14. September 2018, 23:30 Uhr