"Das Beet" belebt Bremerhaven: Urban Gardening und Kultur am "Zolli"

Ein Platz mit Geschichte – der Zollinlandplatz in Lehe. Traditionsreicher Fußballplatz, Leerstand, Natur-Oase. Nun sorgt "Das Beet" mit Kaffee und Kultur für Aufbruchstimmung.

Video vom 12. Juli 2020
"Das Beet" in Bremerhaven, das zukünftig als Treff für junge Leute gelten soll.
Bild: Radio Bremen

Üppig bepflanzte Hochbeete markieren rechts und links den Eingang zum neuen Café, zusammengezimmert aus alten Fenstern und Türen. Dazwischen bunte Buchstaben – "Das Beet" ist zu lesen. Im Hintergrund steht ein alter, roter Seecontainer – der Umbau ist in vollem Gange. Es braucht einiges an Arbeit, bis aus einem alten Schiffscontainer eine Kaffee-Bar wird. Moritz Alber ist zum Studieren aus Stuttgart nach Bremerhaven gekommen. Jetzt kann er zusammen mit Freunden das eröffnen, was ihm hier immer gefehlt hat: ein Treffpunkt für junge Menschen.

Ein Ort, wie es ihn in Bremerhaven noch nicht gibt

Ein junger Mann sitzt an einem Tisch mit Mütze und Oberlippenbart lacht in die Kamera.
Initiator des Projekts ist der 27-jährige Moritz Alber. Bild: Radio Bremen | Luca Laube

"Als Student hat man sich oft in Parks getroffen oder am Deich natürlich, was auch richtig schön ist“, sagt der 27-Jährige. "Aber da muss man dann immer an alles denken, alles mitbringen." Für ihn sei es eine Herzensangelegenheit, dass für junge Leute etwas entsteht. Wo sie teilnehmen können, wo eine jüngere Kultur ist. Er hatte die Idee zu dem Projekt. Seine Mitstreiter sind Anwohner aus dem Quartier und Studenten der Hochschule Bremerhaven. Alber selbst hat sein Studium bereits abgeschlossen und auch schon als Ingenieur gearbeitet. Dann zog es ihn wieder zurück, um in Bremerhaven eine besondere Sommer-Location zu schaffen. Einen Ort, wie es ihn laut Initiator in Bremerhaven noch nicht gibt.

Früher traditionsreicher Fußballplatz des FC Bremerhaven

Gastronomie, Konzerte, Workshops – so will das Team wieder Leben auf den Zollinlandplatz bringen. Leben gab es hier schon einmal, als der Platz noch ein Fußballstadion war. Der damalige FC Bremerhaven lockte die Leute auf den "Zolli". Anfang der 90er Jahre begann hier die große Trainerkarriere von Felix Magath. Nach dem Zerfall des Klubs geschah mit diesem Ort lange nichts. Bis ein Verein begann, Hochbeete anzulegen und sich vornahm, den Park zur Natur-Oase zu machen.

Bar-Betrieb und Konzerte als Bereicherung

Eine junge Frau kniet im Beet und schaut sich Pflanzen und Blumen an.
Wiebke Lammers gehört zu den Unterstützern von "Das Beet". Bild: Radio Bremen | Luca Laube

Dass es daneben jetzt Bar-Betrieb und Konzerte gibt, empfindet die Initiative als Bereicherung: "Wir waren eigentlich gleich dabei, weil es genau der Anstoß ist, der uns für den Platz fehlt. Wir brauchen Menschen hier, wir brauchen Bewegung, wir brauchen Musik, Kultur", sagt Wiebke Lammers. Dinge, für die Bremerhaven-Lehe bisher weniger bekannt war. Quartiersmeisterin Miriam Gieseking, die sich um die Nachbarschaft kümmert, ist deshalb froh über solche Projekte. "Das hat auf jeden Fall eine ganz tolle Außenwirkung und trägt auch dazu bei, das schlechte Image vom Goethe-Quartier ein Stück weit zu kurieren und der Realität anzupassen. Denn hier gibt es sehr, sehr viel mehr als Armut, Leerstand und Arbeitslosigkeit."

Crowdfunding zur Finanzierung läuft noch

Eine junge Frau schaut in die Kamera, im Hintergrund stehen Pflanzen und eine Lampe.
Quartiersmanagerin Miriam Gieseking freut sich über Projekte wie "Das Beet" im Goethe-Quartier. Bild: Radio Bremen | Luca Laube

Im Laufe des Sommers möchte Alber auch unter der Woche kleinere Speisen anbieten. Ein Teil der Gemüsesorten und Kräuter kommt dann aus den Hochbeeten, die jetzt schon fleißig bepflanzt und gepflegt werden. Karotten wachsen hier, Fenchel und Rote Beete. Für die Anwohner sei dieser Ort sehr wichtig, genauso wie für Tiere und Pflanzen. Es gebe viel zu wenig Grün in der Umgebung, sagt Lammers. Ganz günstig ist ein Projekt wie "Das Beet" nicht. 12.000 Euro wollen Alber und seine Leute durch ein Crowdfunding zusammen kriegen. Knapp die Hälfte ist schon da. "Ich bin da auf jeden Fall guter Dinge, dass wir unser Ziel erreichen", sagt Alber. "Und, dass wir sogar noch mehr erreichen und umsetzen können." Jetzt steht aber erstmal die erste Sommersaison an. Vorerst ist "Das Beet" an den Wochenenden für Gäste geöffnet und soll sich über den Sommer weiterentwickeln.

Autor

  • Joschka Schmitt

Dieses Thema im Programm: Bremen Eins, Der Sonntag aus dem Studio Bremerhaven, 12. Juli 2020, 12 Uhr