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Weit weg und doch betroffen: So erleben Arktis-Forscher Corona

Das Team des Bremerhavener Forschungsschiffs "Polarstern" ist eigentlich weit vom Corona-Geschehen entfernt. Dennoch ist ein geplanter Crew-Wechsel ausgefallen.

Ein Eisbrecher liegt umgeben von einer großen Eisfläche in der Arktis.
Die Crew der "Polarstern" sitzt wegen der Corona-Krise in der Arktis fest. In Bremerhaven arbeitet das AWI an einer Lösung. Bild: Alfred-Wegener-Institut | Manuel Ernst

Unter der Leitung des Bremerhavener Alfred-Wegener-Instituts (AWI) läuft seit September "Mosaic", die größte Arktis-Expedition aller Zeiten. Mit der "Polarstern" lassen sich Forscher durchs Eis driften, um das Klima zu erforschen. Trotz großer Entfernung erreicht die Corona-Krise auch sie und stellt die Crew vor Probleme.

Wie geht es dem Team der "Mosaic"-Expedition?
Die Crew ist in der Arktis laut AWI sehr sicher vor dem Coronavirus. Trotzdem beschäftigen die Forscher aktuell besonders zwei Dinge. Erstens machen sie sich Sorgen um ihre Familien und Freunde in der Heimat. Sie können sich ein wenig über WhatsApp austauschen und es gibt Telefonkarten an Bord. Die Verbindung in der Arktis ist jedoch nicht sehr gut. Eine ständige Kommunikation ist schwierig. Das viel größere Problem ist, dass sie nicht wissen, wann sie wieder nach Hause kommen. Das aktuelle Team ist seit Ende Januar mit der "Polarstern" unterwegs und sollte im März per Flugzeug ausgetauscht werden. Das hat jedoch nicht geklappt, weil der Flughafen im norwegischen Spitzbergen wegen Corona gesperrt ist.
Wie soll der Crew-Wechsel stattfinden?
Das AWI ist aktuell auf der Suche nach einer Lösung, denn dafür muss einiges beachtet werden. Die Forscher kommen aus unterschiedlichen Ländern mit verschiedenen Ein- und Ausreisebestimmungen. Außerdem muss sichergestellt werden, dass das neue Team das Coronavirus nicht an Bord einschleppt. Deshalb müssen vorher alle Teilnehmer isoliert und getestet werden. Der Plan ist im Moment, die Teams im Mai auszutauschen. Wie genau, ist aber noch unklar. Die Beteiligten hoffen, dass sie im Laufe der Woche mehr wissen. Ein Vorteil ist, dass die "Polarstern" schneller durch das Eis driftet als angenommen. So wäre es eine Möglichkeit, dass Schiffe dem Forschungseisbrecher entgegenfahren, um die neue Crew an Bord zu bringen und die alte abzuholen.
Wieso driftet die "Polarstern" schneller als geplant durch das Eis?
Schuld sind ungewöhnliche Wetterbedingungen. Die "Polarstern" lässt sich angedockt an eine Eisscholle durch das Polarmeer treiben. Starke Winde sorgen dafür, dass die Eisscholle schneller driftet. Bis zur Eiskante sind es jetzt nur noch etwa 500 Kilometer. Eigentlich sollte dieser Punkt erst im August erreicht sein. Es ist aber nicht sicher, dass es weiter so schnell vorangeht. Falls doch, haben die Forscher einen Plan: Sie werden ihre Reise nicht etwa früher beenden, sondern ihr Forschungscamp an einer neuen Stelle aufbauen. Die "Mosaic"-Expedition soll auf jeden Fall wie geplant bis Oktober dauern, egal wie schnell das Schiff vorankommt oder der Crew-Wechsel dauert.

Autoren

  • Sonja Harbers Autorin
  • Joschka Schmitt Redakteur und Autor

Dieses Thema im Programm: Bremen Eins, Der Morgen, 21. April 2020, 13:15 Uhr

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