Diese 3 Streitpunkte überschatten Bremens Innenstadtgipfel

Am Freitag tagt Bremens zweiter Innenstadtgipfel, um Bilanz zu ziehen. Doch überschattet wird das Treffen vom Streit über Domsheide und Martinistraße.

Blick auf die leere Haltestelle für Busse und Bahnen an der Domsheide.
Die Neugestaltung der Domsheide steht vor einer Weichenstellung. Bild: DPA | foto2press | Martin Ewert

Auf dem zweiten Bremer Innenstadtgipfel soll es in dieser Woche eigentlich um die Zwischenbilanz des so genannten Aktionsprogramms Innenstadt gehen. Rund 13 Millionen Euro hatte der Senat für verschiedene Projekte zur Verfügung gestellt, um die City attraktiver zu machen. Doch überschattet wird das Treffen nun von einem Streit zwischen Mobilitätssenatorin Maike Schaefer (Grüne), Wirtschaftssenatorin Kristina Vogt (Linke) und der Handelskammer Bremen. Im Kern geht es um die Zukunft von Domsheide und Martinistraße. Dies sind die drei wichtigsten Streitpunkte.

1 Umbau der Domsheide

Ein Umbau der Domsheide wird seit Jahren diskutiert. Der Grund: Das Chaos aus Fußgängern, Bahnen, Bussen und Radfahrern soll aufgelöst, die Situation für Rollstuhlfahrer oder Eltern mit Kinderwagen verbessert werden.

Deshalb hat Bremens Verkehrssenatorin Maike Schaefer rund zwei Jahre lang unter Beteiligung vieler Interessensgruppen 14 Varianten prüfen lassen, die das Chaos auf der Domsheide beenden könnten. Das Ergebnis: Nach Auffassung der Planer wäre es das Beste, würden künftig alle Busse und Bahnen zwischen Glocke und Postamt halten. Um den Lärm nahe der Glocke zu minimieren, sollen sogenannte Flüsterschienen verlegt werden. Außerdem sollen auch keine Lastenwagen und Transporter mehr vor der Glocke stehen. Alle Lieferungen – sei es Technik und Instrumente für die Konzerte oder beispielsweise Getränke – sollen demnach künftig über die Violenstaße abgewickelt werden.

Handelskammer und Koalitionspartner schießen quer

Mitte April meldete sich jedoch die Handelskammer zu Wort. Sie hält das Konzept für falsch – und fordert sogar ein Moratorium, also ein Aussetzen der Planung, für zwei Jahre. Die Argumente der Kammer: "Die Lösung wird der Bedeutung der Glocke als Konzerthaus nicht gerecht", sagt Handelskammer-Präses Janina Marahrens-Hashagen. Durch Geländer und Bahnsteigbereiche verlöre die Domsheide zudem endgültig jede städtebauliche und platzgestalterische Anmutung. Nicht zuletzt bezweifelt die Kammer, dass eine künftig höhere Frequenz an Bussen und Bahnen an den zusammengelegten Haltestellen "verträglich abgewickelt" werden könnte.

Stattdessen wirbt die Handelskammer für "eine neue Platz- und Umfeldgestaltung für das Konzerthaus", das in den kommenden Jahren durch einen vom Bund mit 40 Millionen Euro geförderten Anbau noch an Bedeutung gewinnen soll.

Allein steht die Handelskammer mit ihrer Kritik nicht da. Auch Bremens Wirtschaftssenatorin Kristina Vogt äußert "große Bedenken", was die Entwicklung der Glocke angehe. Die Fragen der Anlieferungen seien noch nicht sicher geklärt. Und da das Konzerthaus in ihre Zuständigkeit falle, sei es ihr wichtig, dass die Belange der Glocke auch berücksichtigt werden.

Und auch der zweite Koalitionspartner der Grünen, die SPD, hat sich inzwischen öffentlich dafür ausgesprochen, die Umbaupläne mit Haltestelle zwischen Postamt und Glocke noch einmal zu prüfen.

2 Verlegung der Straßenbahngleise

Doch was wäre die Alternative? Als verkehrstechnisch zweitbeste Lösung der 14 geprüften Varianten gilt die Zusammenlegung der Domsheide-Haltestellen an der Balgebrückstraße, also etwas entfernt von der Glocke hin zur Weser. Dazu müsste aber wohl geprüft werden, ob die Straßenbahn von der Obernstraße in die Martinistraße verlegt werden kann.

Blick in die Martinistraße in Fahrtrichtung Am Brill.
Blick in die Martinistraße: Könnte hier in Zukunft die Straßenbahn fahren? Bild: Radio Bremen | Martin von Minden

Vor allem die Handelskammer fordert, die Balgebrückstraße als zentralen Haltepunkt, um vor der Glocke mehr Platz zu schaffen. So böten die verlängerten Haltestellen in der Balgebrückstraße erheblich mehr Raum für eine städtebauliche Aufwertung der Innenstadt und für eine Neuinszenierung der Domsheide als Platz und Begegnungsort, so Präses Marahrens-Hashagen. Sie fordert daher eine Machbarkeitsuntersuchung zur Verlegung der Straßenbahn aus der Obernstraße in die Martinistraße.

Senatorin Schaefer hält dagegen, dass eine Haltestelle in der Balgebrückstraße und eine gleichzeitige Verlegung der Straßenbahn in die Martinistraße technisch nicht umsetzbar seien. "Da sagen eindeutig die Ingenieure der BSAG: 'Das geht nicht.' Weil eine Straßenbahn braucht einen bestimmten Wenderadius."

3 Rückbau der Martinistraße

Die Martinistraße gilt, auch ohne potenzielle Straßenbahnverlegung, als dritter großer Streitpunkt bei der verkehrlichen Neugestaltung der Innenstadt. Einigkeit herrscht nur darin, dass die bislang vierspurige Straße als Barriere zwischen Altstadt und Weser wahrgenommen wird. Das soll sich ändern.

Die Pläne von Schaefers Mobilitätsressorts sehen daher vor, die vierspurige Straße auf der gesamten Länge zwischen der Wilhelm-Kaisen-Brücke und Am Brill auf jeweils eine Fahrspur je Fahrtrichtung zurückzubauen. Außerdem soll Tempo 30 eingeführt werden. Erwogen wird dabei auch, die Martinistraße künftig zu einer Einbahnstraße zu machen.

Vor allem letzteres stößt jedoch auf Widerstand – der Handelskammer, der Koalitionspartner und der FDP.

Die Berechnung der Verkehrsstrom-Verlagerung ist mehr als optimistisch.

Thore Schäck, Landesvorsitzender der FDP Bremen

So kritisiert der Landesvorsitzende der FDP Bremen, Thore Schäck, dass die bisherigen Pläne für die Martinistraße sich problematisch auf umliegende Straßen und Anwohner auswirken werden.

Auch die Handelskammer betont, dass vor allem die Rücksprache mit Eigentümern und Anliegern der Martinistraße die Kritik an den neuen Plänen bestätige: Auch sie seien dafür, die Martinistraße weiterhin in beide Richtungen für den Verkehr freizugeben. Auch der Tiefer-Tunnel solle wie bisher als Straßenverbindung dienen.

Zukunft der Innenstadt: Bausenatorin verärgert über Handelskammer

Video vom 28. April 2021
Politikerin Maike Schaefer im Interview.
Bild: Radio Bremen

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Autor

  • Kristian Klooß Autor

Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 29. April 2021, 19:30 Uhr