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"Kurt, der Große"? Das sind die Bremer Projekte von Baulöwe Zech

In seine Heimatstadt investiert der Bremer Hunderte Millionen Euro. Gerade einigte er sich mit dem Eigentümer des Kaufhof-Gebäudes. Das sind Zechs Projekte – eine Übersicht.

Kurt Zech bei einem Richtfest
Der 62-jährige Unternehmer gestaltet die Zukunft Bremens maßgeblich mit. Bild: DPA | Soeren Stache

"Kurt, der Große", so nannte ihn kurzerhand die Immobilien-Zeitung vergangenes Jahr. Seine Zech-Group kauft und entwickelt Grundstücke und Immobilien in Deutschland wie kaum ein anderer Projektentwickler. Inzwischen auch in Bremen. In der Bremer Innenstadt will er ein neues Zentrum schaffen. In der Überseestadt ist er dabei, ein Projekt nach dem anderen zu stemmen. So hat er unweit vom Schuppen 1 für den Konzern Mondelez den neuen Deutschlandsitz gebaut. Sein eigenes Unternehmen soll in das 300 Millionen schwere Projekt am Europahafenkopf einziehen. Und der Sparkasse Bremen richtet er im Technologiepark an der Universität ihre neue Zentrale her. Das sind nur ein paar wenige Beispiele, wo in Bremen alles Zech drinsteckt.

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In der Innenstadt hat Zech das Parkhaus Mitte von der Brepark gekauft. Rund um das Parkhaus soll ein neues Zentrum der Bremer Innenstadt entstehen. Das Karstadtgebäude gegenüber gehört ihm bereits. Und mit dem Eigentümer der angrenzenden Kaufhof-Immobilie hat er sich offenbar geeinigt. Nun kann das Schmieden der Pläne, wie das neue Zentrum der Innenstadt aussehen soll, beginnen. Der Senat möchte die Bremer Innenstadt ganz neu denken, und Zech will dabei mitmischen.

Viele Bremer und auch wir sind davon überzeugt, dass die Bremer Innenstadt an Attraktivität und Aufenthaltsqualität gewinnen muss. Wir werden die erarbeiteten Vorschläge der Ideenmeisterschaft mit den politischen Instanzen und unter Einbindung der Bremer Öffentlichkeit weiter konkretisieren.

Kurt Zech

Dafür hatte er im September vergangenen Jahres eine Ideenmeisterschaft initiiert. Experten für Stadtentwicklung diskutierten eine Woche lang in Bremen wie Innenstädte auch in Zukunft attraktiv bleiben. Damit hievte sich Zech in den Mittelpunkt der Diskussion um die Erneuerung der Bremer Innenstadt. Das gewünschte Signal: Der Bremer Senat und er als Investor ziehen im Prinzip am gleichen Strang.

Zech gilt inzwischen als der größte Investor in der Überseestadt

In dem neu entstehenden Stadtteil Überseestadt hat Zech bzw. seine Stiftung gleich mehrere Bauvorhaben laufen oder bereits umgesetzt. Sein aktuelles Lieblingsprojekt sei der Europahafenkopf, sagte er gegenüber buten un binnen. Auch weil dort die Zentrale seiner Unternehmensgruppe mit einziehen wird. In dem Komplex aus Hochhäusern und gezackten Dächern sind vor allem Büros und Wohnungen vorgesehen. Aber nicht nur. Es soll zu einer Art Zentrum der Überseestadt werden.

Europahafen (Visualisierung)
Ein Lieblingsprojekt von Zech: Der Europahafenkopf. Bild: Cobe Architekten

Ein Mobilitätshaus mit Park- und Auflademöglichkeiten für Fahrräder und Autos soll helfen, den steigenden Verkehr in der Überseestadt in den Griff zu bekommen. Im Erdgeschoss sind Räume für Ausstellungen und ein Street-Food-Market geplant. "Wir wollen, dass sich die Menschen im Europahafenkopf in einem bestmöglichen Arbeitsumfeld entfalten können und gleichzeitig wohlfühlen, vielleicht sogar gerne verweilen“, steckt Kurt Zech das Ziel für das Projekt ab. 2020 soll alles fertig sein. Dann wird sich zeigen, ob die Ideen aufgehen und sich das Areal am Kopf des Hafens tatsächlich zu einem Treffpunkt für den neuen Stadtteil entwickelt.

Rohbau für das Handwerkerhaus
Neue Bauweise in der Überseestadt: Nach nur 10 Bau-Tagen wurde der Rohbau fertig gestellt. Bild: Zech Group

Dass Zech gerne innovativ denkt, zeigt sich auch beim "Handwerkerhaus" in der Überseestadt. Seine Unternehmensgruppe hat sich beim österreichischen Modulbauer Cree by Rhomberg GmbH eingekauft. Jetzt baut sie mit Cree das erste Holz-Hybrid-Haus in Bremen. Das Gebäude ist eine Mischung aus Holz und Betonfertigteilen, schnell hochzuziehen und das mit wenig CO2-Emissionen.

Und Zech geht noch einen Schritt weiter: Er baut nicht nur, sondern organisiert innerhalb seiner Unternehmensgruppe auch gleich die ganze Produktionskette mit. Für die Herstellung von Betonfertigteilen hatte er bereits im vergangenen Jahr Teile des ehemaligen Carbon Rotec-Geländes in Lemwerder gekauft, um dort Produktionshallen hinzustellen. Im September dann übernahm er die insolvente Bremer Schwerlastspedition W&F Franke. Mit ihr will er den Transport der Fertigteile koordinieren. Halbe Sachen sind nicht sein Ding. So behält er die Geschäfte und Gewinne innerhalb der eigenen Unternehmensfamilie.

Bremen kommt an Zech kaum mehr vorbei

Dass Zech in Bremen immer wieder zum Zuge kommt, liegt auch daran, dass er Rundum-Lösungen anbieten kann. In seinem großen Unternehmensportfolio findet sich inzwischen fast alles, was es braucht, um ein Grundstück baureif zu machen, Häuser hochzuziehen und sie schließlich zu verwalten. Beim Reimer-Grundstück auf der Überseeinsel erschien er wie der Retter in der Not. Das Grundstück ist Teil der neuen Überseestadt aber unbeliebt bei Investoren, da der Boden rundum stark belastet ist. Für Zech und seine Firma Umweltschutz Nord offenbar kein Problem. Er schlug zu.

Entwurf von 7 Wohnhäusern sowie eines weiteren Wohn- und Geschäftshauses
Bild: Europaquartier Bremen Grundbesitz GmbH

Zech gilt inzwischen als der größte Investor in der Überseestadt. Mithalten kann da allenfalls noch das Bremer Immobilienunternehmen Justus Grosse. In dem ehemaligen Hafengebiet gibt es kaum eine Ecke, wo nicht dieser Name auftaucht. Grosse gehört zu den ersten Bauunternehmen, die der Stadt Grundstücke abkauften. Für mehr als 450 Millionen Euro hat Grosse dort bereits Büros und Wohnungen hingestellt, heißt es auf dessen Homepage. Der Chef, Joachim Linnemann, ist seit vielen Jahren ein enger Geschäftsfreund von Zech. Sie betreiben unter anderem zusammen die Hotelkette "Atlantic Hotels".

Auch in der Überseestadt machen die beiden Investoren gemeinsame Sache. Sie haben das Europaquartier rund um den ehemaligen Schuppen 3 übernommen und unter sich aufgeteilt. Der vorherige Investor war abgesprungen. Die Stadt stand unter Druck. Seit den ersten Plänen um den Schuppen 3 war bereits viel Zeit vergangen. Zech sprang ein und stellte Bedingungen: Das letzte Stück des ursprünglichen Hafenschuppens soll nicht wie geplant erhalten bleiben. Die Bausubstanz sei schwierig und damit unrentabel. Der Kompromiss mit der Stadt: Ein Architekturwettbewerb soll nun neue Lösungen bringen.

So hält Zech sein Imperium zusammen

Ende der 1970er hatte Kurt Zech mit nur 21 Jahren das Baugeschäft von seinem Vater übernommen. Seitdem hat er es zu einem Multi-Konzern ausgebaut und sich selbst zum Multimillionär gemacht. Der 62-Jährige ist inzwischen finanzstark wie kaum ein anderer Bremer Unternehmer. In der Medienwelt wird der gelernte Bankkaufmann als mächtiger Baumagnat und Firmenjäger bezeichnet. Zu seiner weltweit agierenden Unternehmensgruppe sollen mehr als 300 Firmen gehören. Darunter unzählige Immobiliengesellschaften, aber auch Hotels, Reedereien, Agrar- und Logistikunternehmen.

Die Zech-Group besteht aus einem nicht nur für Laien unüberschaubaren Geflecht von Gesellschaften. Dazu gehört auch die Gustav Zech Stiftung. 2013 gegründet taucht sie für Zech immer öfter als Käuferin auf. Auch in Bremen. Ihren Sitz hat die Familienstiftung erst in Vaduz dann bei der TTA Trevisa-Treuhand Anstalt in Balzers in Liechtenstein. Präsident im Stiftungsrat ist Wolfrat Voigt. Er vertritt die Stiftung auch bei den Projekten in Bremen.

Im Statut der nach seinem Großvater benannten Stiftung heißt es, dass sie mit ihrem Vermögen so wirtschaften soll, dass der Stifter und Familienmitglieder finanziell davon profitieren. Für diesen Zweck baut Zech das operative Geschäft der privatnützigen Stiftung seit Jahren aus. Unter ihrem Dach finden sich unter anderem zahlreiche Immobilien- und Grundstücksgesellschaften, die bundesweit Bauprojekte umsetzen. Die Stiftung agiert offenbar auch als Geldgeber für die Gesellschaften, an denen sie beteiligt ist, indem sie ihnen Darlehen gibt oder Bürgschaften leistet. Auf die Frage von buten un binnen, warum die Stiftung ihren Sitz in Liechtenstein und nicht in Deutschland hat, gab es von Zech keine Antwort.

Er ist aus Bremen nicht mehr wegzudenken. Zech gehört zu den „big five“ der Bremer Bau- und Immobilienbranche, zusammen mit Justus Grosse, Robert C. Spies, der Specht Gruppe und Klaus Hübotter. Gemeinsam bestimmen sie seit Jahrzehnten das Stadtbild von Bremen maßgeblich mit.

Kurt Zech kauft Parkhaus Mitte

Eingang vom Parkhaus Mitte

Autorin

  • Heike Zeigler

Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 29. Oktober 2019, 19:30 Uhr