Kommentar

"Meyer-Heder kann die CDU aus dem Tief herausführen"

Carsten Meyer-Heder wird wohl nicht ins Rathaus einziehen – trotz Wahlerfolg. Als CDU-Landeschef wäre er dennoch eine gute Wahl, findet unser Autor.

Carsten Meyer-Heder
Carsten Meyer-Heder: Ein Christdemokrat mit Ambitionen zum Landesvorsitzenden. Heute stellt er sich zur Wahl. Bild: DPA | Michael Kappeler

Nun also Parteihaus statt Rathaus. Carsten Meyer-Heder wird heute Abend aller Voraussicht nach zum Landesvorsitzenden der CDU gewählt. Gemessen am ursprünglichen Ziel des Politik-Neulings also Chef 2.0 – gewissermaßen.

Das ist ohne jede Häme eine gute Entscheidung. Als Parteichef kann Meyer-Heder mit der neuen Rolle warm werden. Da kann er zu dem Politiker reifen, der er auf seinen Wahlplakaten noch ausdrücklich nicht sein wollte. Und der Problemlöser, als der er sich auf diesen Plakaten anpries, findet in der CDU reichlich Arbeit.

Denn diese Partei ist zutiefst verstört. Auch Meyer-Heder fuhr mit nur 26 Prozent ein unterdurchschnittliches Ergebnis ein. Sein Triumph ist nicht der des sagenhaften Erfolgs der CDU, sondern der über eine kollabierte SPD. Dennoch: Am Wahlabend vor einem Monat und einem Tag sahen sich die Christdemokraten bereits am Ziel ihrer jahrzehntelangen Träume: Die CDU stärkste Kraft in der Bürgerschaft. Die SPD pulverisiert. Eine FDP an der Seite, die mutmaßlich zu allem bereit ist, nur um mal wieder in den Senat zu dürfen. Und Grüne nebenan, die den Wahlkampf über mit der Chance kokettierten, die schwarz-grün-gelbe Jamaika-Koalition als Möglichkeit eines echten Wandels in Bremen nutzen zu wollen.

Meyer-Heder spielt in alten Grabenkämpfen keine Rolle

Und dann, ja dann stellten diese Grünen der CDU am Ende kurzer, knackiger Sondierungsgespräche ziemlich kühl den Stuhl vor die Tür und marschierten Richtung Rot-Grün-Rot von dannen. Ein Weltbild zerbrach – Sieger der Wahl und doch nicht Wahlsieger.

Da schlägt die Stunde Carsten Meyer-Heders. Ihm ist es zuzutrauen, die CDU davor zu bewahren, sich in hätte-wäre-aber-Diskussionen selbst zu zerfleischen und einen "Schuldigen“ dafür zu suchen, dass es in den Sondierungen nicht funktioniert hat. Dabei helfen ihm sein Führungsstil, seine Art, auf Menschen zuzugehen, sein Team-Ansatz. Und dass er in den Untiefen vieler historisch angelegter innerparteilicher Grabenkämpfe keine Rolle spielt. Meyer-Heder kann die CDU unbeschadet und vielleicht sogar gestärkt aus diesem kollektiven psychologischen Tief herausführen und ihr zusätzlichen Schwung verleihen.

Die Fraktion braucht keinen Problemlöser

Zu beglückwünschen ist er auch für die Erkenntnis, sich nicht als Fraktionschef und Oppositionsführer in der Bürgerschaft anzubieten. Denn das fordert gerade keinen Problemlöser, sondern einen Problembenenner. Jemanden, der die Regierung mit Detailkenntnis und Wadenbeißer-Qualitäten vor sich hertreibt. Jemanden, der Freude am offenen Schlagabtausch und taktischen Winkelzügen hat. Sicher nicht den Carsten Meyer-Heder, den wir aus dem vergangenen Wahlkampf kennen.

Doch der nächste Wahlkampf kommt bestimmt. Und dann vielleicht auch wieder mit einem Spitzenkandidaten Carsten Meyer-Heder, der dann von sich behaupten kann, zu wissen, wie Politik funktioniert und auf was es dabei ankommt. Denn dazu lernen kann Meyer-Heder mit Sicherheit.

Meyer-Heder im Talk: Einmal Bürgermeister und zurück?

Carsten Meyer-Heder umringt von Reportern.
  • Karl-Henry Lahmann

Dieses Thema im Programm: Bremen Zwei, Der Morgen, 27. Juni 2019, 8:45 Uhr