Martin Günthner: Vom Politik-Youngster zum Ex-Senator

Mit 21 war er Stadtverordneter, nun verlässt er mit 43 Jahren den Senatoren-Posten. In der Politik will er aber bleiben. Wer ist Martin Günthner?

SPD-Politiker Martin Günthner im Interview in der Bürgerschaft.

Er wolle den Weg für einen politischen Neuanfang frei machen – und Politiker sollten nicht an Sesseln kleben: So gab Martin Günthner am Donnerstag bekannt, dass er nicht wieder als Senator für Wirtschaft, Häfen und Justiz antreten will. Damit enden neun Jahre Senatoren-Zeit in einem Ressort, das für Günthners Heimatstadt ausgesprochen wichtig ist.

1976 wurde er in eine Arbeiterfamilie in Bremerhaven-Leherheide hineingeboren. Mit 16 Jahren wurde Günthner SPD-Mitglied, mit 19 Juso-Sprecher, mit 21 zog er in die Stadtverordnetenversammlung ein. Schon zwei Jahre später wechselte er in die Bremische Bürgerschaft, ein begonnenes Studium gab er dafür auf. Nach mehreren Stationen, unter anderem als Vorsitzender des Hafenausschusses und Mitglied der Wirtschaftsdeputation, wurde er 2010 Nachfolger von Wirtschaftssenator Ralf Nagel.

Ziele: Bremens City und der OTB

Was würde er nach drei Jahren erreicht haben wollen? "Dass ich gute Projekte angeschoben habe, dass ich unter anderem den Umbau der Innenstadt in Bremen vorangebracht habe", antwortete Günthner zum Amtsantritt, "und dass ich den Offshore-Hafen in Bremerhaven auf die letzte Wegstrecke gebracht habe, um das für Bremerhaven und Bremen wichtige Thema Offshore-Windenergie weiterentwickeln zu können."

Beide Projekte gingen eher zäh voran – die Zukunft des Projekts OTB steht gar völlig in den Sternen. Beides sind sicher auch Projekte, die zu den nervenzehrendsten im Land Bremen gehören dürften. Das ist offenbar auch an Günthner nicht spurlos vorüber gegangen. Er höre bei seinem Rückzug auch auf die Signale seines Körpers, sagte er – und er habe Kritik an seiner Arbeit nicht mehr leicht wegstecken können.

Von der Opposition erst Skepsis, dann Lob

Martin Günthner
Der Rückzug Martin Günthners wird bedauert – auch von der Opposition. Bild: dpa

Dabei gehörte eine kooperative Zusammenarbeit zu seinem Credo beim Amtsantritt: "Ich kann auf alle Tische hauen, die sich irgendwie anbieten. Das ist allerdings nicht meine Art und nicht mein Stil, weil ich glaube, dass es entscheidend darauf ankommt, dass man Themen sachlich, kleinteilig bearbeitet und dann auf diese Weise auch Erfolge organisiert", sagte er damals.

Erfolge organisieren – dass er das könne, bezweifelte die Opposition bei seinem Amtsantritt als Senator. Nun, wo er den Posten verlässt, sieht sie das offenbar anders: "Schade. Martin Günthner wäre bei Rot-Rot-Grün ein Garant für verlässliche Wirtschaftspolitik gewesen", kommentierte der CDU-Fraktionsvorsitzende Thomas Röwekamp den Rückzug.

In Günthners Heimat-Partei SPD hingegen leuchtet der Stern Günthner nicht mehr ganz so hell. Dort, so hört man hinter vorgehaltener Hand und von mehreren Seiten, habe der Rückhalt für den ehemaligen Polit-Youngster aus Bremerhaven mittlerweile spürbar abgenommen.

  • Boris Hellmers

Dieses Thema im Programm: Bremen Eins, Nachrichten, 14 Uhr