Bremens Innensenator will das Viertel sicherer machen

Bremens Innensenator Ulrich Mäurer (SPD) will die Sicherheit im Steintorviertel erhöhen. Das sagte eine Sprecherin des Innenressorts auf Nachfrage von Radio Bremen. Ein Polizeisprecher bestätigte, dass im Moment mehrere Maßnahmen geprüft werden.

Polizeiauto vor dem Eingang zur Helenenstraße in Bremen
Bei einer Messerstecherei auf der Straße Vor dem Steintor war ein junger Mann ums Leben gekommen.

Nach Angaben des Sprechers ist unter anderem im Gespräch, die Waffenverbotszone, die es bereits um den Hauptbahnhof gibt, weiter auszudehnen. Außerdem soll die Sichtschutz-Mauer an der Helenenstraße abgebaut werden. Die Helenenstraße gilt in Bremen als "Rotlichtmeile". Dort bieten Prostituierte ihre Dienste an.

"Wir haben noch weitere Maßnahmen im Blick, um die Sicherheit im Steintorviertel zu erhöhen – das ist noch nicht alles", so Polizeisprecher Nils Matthiesen. Demnach wurde die Polizeipräsenz seit dem Sommer wegen der gestiegenen Zahl von Straftaten, häufig Drogendelikte, erhöht. Inzwischen gehe die Zahl zurück, so Matthiesen. Grund dafür seien auch schärfere Kontrollen und mehr Platzverweise. Nach der Messerstecherei vor einigen Tagen im Viertel, bei dem ein Mensch ums Leben kam, sind noch mehr Beamte auf Streife.

Wird das Bremer Viertel krimineller?

Wegen der tödlichen Messerstecherei, dem Drogenhandel sowie zahlreicher Diebstähle halten viele Bremer das Viertel für ein gefährliches Pflaster. Doch gibt es mehr Gewalt als früher? Darüber sprach Bremen Zwei mit Ortsamtsleiterin Hellena Harttung.

Viele Menschen, die im Viertel in den kleinen Nebenstraßen wohnen, haben seit der Messerstecherei ein etwas komisches Gefühl, auch angesichts der erhöhten Polizeipräsenz. Wie ergeht es Ihnen?
Der entsetzliche Mord ist natürlich ein fürchterliches Ereignis, was bitte nie wieder passieren soll. Es ist aber meine Einschätzung und auch die Einschätzung der Polizei, dass das ein singuläres Ereignis ist, das heißt, ein Ereignis, was nicht für die Situation im Viertel spezifisch ist, sondern was sich leider gerade dort zugetragen hat.
Hellena Harttung
Laut Ortsamtsleiterin Hellena Hartung war die Situation im Viertel vor 20 Jahren auch nicht unbeschwert. Bild: Ortsamt Bremen-Mitte
Ist die Zunahme von Gewalt nur gefühlt?
In den Statistiken gibt es leider Belege dafür, dass sie tatsächlich zunimmt. Der Straßenraub hat leider nicht abgenommen, und wie man ja auch sonst aus Medien erfährt, sind solche Vorfälle nicht weniger brutal, sondern im Zweifel brutaler geworden. In den letzten Jahren gab es zudem eine große Verunsicherung wegen der Antanzdiebstähle, die nicht mit dieser Brutalität einhergingen, sondern eine Form der sehr unangenehmen Trickdiebstähle sind. Die sind zum Glück zurückgegangen.
Wie lange wird die Polizei noch so präsent bleiben?
Die Polizei ist zurzeit sehr, sehr präsent und das wird sie auch nach meinem Wissen noch eine ganze Zeit sein, auch um das Sicherheitsgefühl nach dieser Messerstecherei zu erhöhen.
War es vor 20 Jahren weniger kriminell im Viertel?
Vor 20 Jahren fand ich die Situation im Viertel nicht so unbeschwert. Da bin ich ungefähr nach Bremen gekommen und sofort ins Viertel gezogen. In den 1990er-Jahren war es so, dass ganz viel harter Drogendeal und Konsumenten harter Drogen im Viertel waren. Das Sielwalleck war wirklich davon gezeichnet. Es gab ganz viele Menschen, die dort Drogen konsumierten und deren Verelendung man tagtäglich sehen konnte. Und natürlich gab es wahnsinnig viel Beschaffungskriminalität. Trotzdem gibt es auch heute noch ganz viel Dealerei auf der Straße, das will ich überhaupt nicht kleinreden. Das ist unangenehm. Das gab es so im Gegensatz zu heute damals nicht.
Gibt es mehr Konflikte zwischen Geschäftsinhabern und Dealern?
Die Wahrnehmung der Situation ist total unterschiedlich und subjektiv. Und ich finde, es hat alles seine Berechtigung. Sowohl unter den Anwohnern als auch den Geschäftsleuten gibt es die verschiedensten Stimmungen und Emotionen. Es gibt welche, die sagen, 'Hier kippt es und hier ist es nicht mehr zu halten'. Es gibt auch welche, die sagen, 'Es hat sich jetzt nicht grob verschlimmert'. Es ist ganz schwer, sich ein großes Bild von den Subjektivitäten des Stadtteils zu machen. Und zudem müssen wir immer noch schauen, dass wir hier über bestimmte Spots reden. Ich denke an den Ziegenmarkt, weil dort auch diese Messerstecherei war, ans Sielwalleck und ans Bermudadreieck, aber ich denke jetzt nicht an eine kleine Nebenstraße im Ostertor.

Gibt es mehr Gewalt in Bremen? Sondersendung aus der Straßenbahn

Dieses Thema im Programm: Bremen Zwei, 13. November 2017, 17:35 Uhr