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Corona-Krise: Papier zeigt, wie tief Bremens Millionenlöcher sind

  • Papier des Finanzressorts offenbart Ausmaß der Krise bei Bremens Unternehmen
  • Allein die BLG könnte bis zu 50 Millionen Euro benötigen
  • Flughafen könnte bis Mitte 2021 knapp 30 Millionen Euro brauchen
Video vom 5. Mai 2020
Eine Nahaufnahme eines Absperrbandes des Bremer Flughafens.
Bild: Radio Bremen

Zahlreiche Bremische Gesellschaften sind aufgrund der Corona-Krise in finanzielle Nöte geraten. Wie sich die Situation in konkreten Zahlen bemisst, geht aus einem Papier des Finanzressorts hervor, über das der Senat am heutigen Dienstag berät und das buten un binnen vorliegt. "Unternehmen, die mehrheitlich dem Land oder der Stadtgemeinde Bremen gehören, haben bereits zum Teil erhebliche wirtschaftliche Risiken erkannt und eine Risikoberichterstattung vorgelegt", heißt es in dem Papier. Betroffene Unternehmen will Bremen finanziell stützen.

Beim Logistiker BLG geht das Finanzressort im schlechtesten Fall davon aus, dass im laufenden Geschäftsjahr ein zweistelliger Millionenverlust droht. Dem Unternehmen werden für diesen Fall Finanzhilfen in Höhe von bis zu 50 Millionen Euro in Aussicht gestellt. Zum ersten Mal seit Beginn der Corona-Krise nennt das Papier auch eine konkrete Zahl, was die Finanzlücke des Flughafens betrifft. "Bis zum 30. Juni 2021 wird von einem Liquiditätsbedarf in Höhe von 27,7 Millionen Euro ausgegangen", heißt es. Auch in diesem Fall wolle Bremen Hilfen gewähren.

Gesundheit Nord hat Finanzlücke von 58,1 Millionen Euro

Die Finanzlücke der Krankenhausgesellschaft Gesundheit Nord (Geno) ist bereits seit einigen Wochen bekannt. Das aktuelle Papier bestätigt die Höhe von 58,1 Millionen Euro an Verlusten. "Durch die Aussetzung beziehungsweise Verschiebung von planbaren Aufnahmen, Operationen und Eingriffen sowie der (...) Aufstockung der Intensiv- und Beatmungskapazitäten hat die Geno einen erheblichen Leistungseinbruch bei gleichzeitig erhöhten Aufwendungen zu verzeichnen", heißt es in der Senatsvorlage. Im Fall der Geno sei allerdings noch nicht klar, welche Belastungen der Bund und welche Bremen trage.

Dabei sind das längst nicht alle Millionenlöcher, mit denen das Finanzressort in diesem Jahr rechnet. Das Papier führt zudem das kommunale Verkehrsunternehmen BSAG (35 Millionen Verlust), die Messe- und Veranstaltungsgesellschaft M3B (Finanzierungsbedarf zehn Millionen Euro), die Wirtschaftsförderung Bremen (Einnahmeausfälle bis zu fünf Millionen Euro), den Bremischen IT-Dienstleister Governikus (1,7 Millionen Euro Umsatzrückgang), die Glocke Veranstaltung GmbH (Finanzierungsbedarf rund zwei Millionen Euro) und das Erlebnismuseum Universum (rund eine Million Euro Finanzierungsbedarf) auf. Mit zusätzlichen Verlusten – wenn auch in geringerem Umfang – rechnen laut dem Papier auch das Überseemuseum, die Botanika GmbH, die Glocke Veranstaltungs-GmbH und die Bremer Bäder.

Kompletter Bedarf wird wohl erst im Laufe des Jahres klar

Das Finanzressort geht davon aus, dass sich das Szenario im Laufe des Jahres noch verändern dürfte. "Die vorliegenden Prognosen sind noch nicht aussagekräftig", betonen die Autoren des Papiers. Wie viel Geld Bremen letztendlich in die Hand nehmen muss, um seine durch die Corona-Pandemie geschwächten Gesellschaften handlungsfähig zu halten, dürfte sich erst im Laufe des Jahres zeigen.

Finanzielle Folgen der Corona-Krise: Bremen muss Kredit aufnehmen

Video vom 28. April 2020
Bremens Bürgermeister Andreas Bovenschulte bei einer Pressekonferenz im Bremer Senat. Neben ihm eine Gebärdendolmtscherin.
Bild: Radio Bremen

Autor

  • Sebastian Manz Redakteur und Autor

Dieses Thema im Programm: Bremen Vier, Vier News, 5. Mai 2020, 13 Uhr