Großveranstaltungsverbot: So reagieren Bremens Organisatoren

Veranstaltungen mit über 1.000 Teilnehmern sind in Bremen bis zum 26. März verboten. Das hat der Senat heute entschieden. Die Veranstalter suchen nach Lösungen.

leere Konzertbühne in blauem Licht
Im Land Bremen sind Großkonzerte mit mehr als 1.000 Teilnehmern in den kommenden Wochen nicht mehr erlaubt. (Symbolbild) Bild: Radio Bremen | Patrick Schulze

Ob Konzerte, Partys oder Messen: Veranstaltungen mit über 1.000 Teilnehmern sind ab dem 12. bis zum 26. März in Bremen verboten. Das hat am Dienstag der Bremer Senat entschieden. Laut der entsprechenden Verfügung müssen darüber hinaus Veranstaltungen mit mehr als 250 Personen beim Ordnungsamt angezeigt werden und bestimmte Auflagen erfüllen. Bremerhavens Magistrat befasst sich am Mittwoch mit dem Beschluss.

Die Regierung des kleinsten Bundeslandes folgt damit der Empfehlung vom Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU), der bereits am Wochenende für eine solche bundesweite Maßnahme plädiert hatte. Auch Niedersachsen und Schleswig-Holstein untersagen Großveranstaltungen mit mehr als 1.000 Teilnehmern. All solche Maßnahmen sollen verhindern, dass sich das neuartige Coronavirus wie in anderen Ländern rasant ausbreitet.

Event-Unternehmen: "Wir haben gerade eben davon erfahren"

Vom vorläufigen Verbot sind mehrere Bremer Veranstalter betroffen. Das Event-Unternehmen Eventim sagte am Dienstag, es hätte über die Medien von der Bremer Anordnung erfahren.

Wenn Veranstaltungen auf behördliche Anordnung abgesagt werden, dann müssen sie entweder abgesagt oder verschoben worden – das ist klar.

Thomas Kollner, Pressesprecher Eventim

Das Münchener Unternehmen mit Tochtergesellschaften in Bremen sei ein Ticketvermittler. In der Regel würden Veranstaltungen in solchen Fällen verschoben. Dann behielten die gekauften Eintrittskarten ihre Gültigkeit. Sollte eine Verschiebung nicht möglich sein, dann sei eine Rückerstattung üblicherweise möglich. "Das passiert zum Beispiel, wenn der Künstler später nicht mehr vor Ort sein kann", führt Kollner aus. "Die Entscheidung über die jeweilige Veranstaltung liegt jedoch bei den Veranstaltern." Kunden könnten sich sowohl auf der Eventim-Webseite unter "Infos zu Covid-19" als auch über das Kundencenter informieren.

Ratlosigkeit unter Club-Betreibern

Der Inhaber des Bremer Clubs Aladin, Werner Gerdes, zeigte sich ebenfalls überrascht. "Ich habe gerade darüber gelesen, wir müssen erstmal abwarten", sagte er. Die für kommenden Freitag und Samstag geplanten Veranstaltungen sollten prinzipiell stattfinden können, bei beiden bliebe man unter 1.000 Teilnehmern. "Allerdings ist der Veranstaltungsort größer, deswegen wissen wir das auch nicht. Im Moment möchten wir uns zurückhalten." Kürzlich war bekannt geworden, dass das für Anfang April festgelegte Festival "Dreamland" nicht stattfinden wird.

Ratlos zeigte sich ebenfalls Robert Woltersdorff vom Modernes. "Wir bekommen gerade sehr viele Anrufe, aber ich kann nichts dazu sagen, ich tappe auch gerade im Dunkeln", sagte er. Man werde beim Gesundheitsamt anrufen und nach den genauen Auflagen für die einzelnen Veranstaltungen nachfragen. "Finanziell ist das natürlich schlimm für die Veranstalter", fügt er hinzu.

Zwei Wochen kann man vielleicht überbrücken, dann droht ohne Unterstützung die Insolvenz. Die Politik ist gefragt – dass sie den Veranstaltern unter die Arme greift.

Robert Woltersdorff, Angestellter im Modernes Bremen

Zwischen Verständnis und Sorgen

Der Geschäftsführer der Bremer Konzertagentur Revue Stefan Paul hat Verständnis, aber auch viele Fragen. "Natürlich haben wir auch Verständnis, da uns das Wohl und die Gesundheit unserer Besucher ebenso sehr wichtig ist. Wir fragen uns aber auch, wie es mit anderen Orten des öffentlichen Lebens aussieht, wo auch viele Menschen zusammenkommen, und wie es eben in Zukunft aussehen wird." Für die gesamte Branche sei das Verbot finanziell gefährlich, vor allem für die kleineren Unternehmen.

Es betrifft uns in der Veranstaltungsbranche, an der auch viele Arbeitsplätze hängen, leider 'eiskalt'. Es ist aktuell noch nicht abzusehen, was da an Schäden für die Branche entstehen wird.

Stefan Paul, Geschäftsführer der Bremer Konzertagentur Revue

Die Agentur wird das Konzert von Max Giesinger im Pier 2 verschieben müssen. Sie arbeitet gerade an einem Ersatztermin. Paul rät den Kunden, ihre Karten zu behalten, bis die Lage übersichtlicher wird. Beim Konkurrenten Koopmann Concerts ist bis zum 26. März eine ganze Reihe von Veranstaltungen betroffen: darunter Helge Schneider in der Glocke, "AnnenMayKantereit" in der ÖVB-Arena und "Deine Freunde" im Pier 2.

Koopmann-Geschäftsführer Oliver Mücke sucht nach Ersatzterminen, so es die Kalender der Künstler zulassen. Allerdings dürfte das gerade bei laufenden Tourneen schwierig werden. Nach Mückes Worten lässt sich der finanzielle Schaden erst danach konkret beziffern. Teuer wird es vor allem dort, wo bereits Bühnen vorbereitet wurden, das Catering eingekauft ist und der Künstler sich bereits auf den Weg gemacht hat.

Ausweichtermine für viele denkbare Lösung

Die Messe Bremen hatte sich bereits vor der Allgemeinverfügung auf den Fall von Veranstaltungsabsagen durch den Senat eingestellt. Es gebe ein entsprechendes Szenario mit konkreten Ausweichterminen, das aber erst mit den einzelnen Veranstaltern geklärt werden müsse. Ähnlich äußert sich der Sprecher der Glocke an der Domsheide: "Wir befinden uns im Moment noch in der Klärung über die weiter einzuleitenden Schritte." Die Betreiber des Bremer Konzerthauses wollen zunächst auf den Text der Allgemeinverfügung warten. Dieser wird jedoch erst am Mittwoch bekanntgegeben, wie eine Sprecherin des Bremer Innenressorts mitteilte.

Der genaue Wortlaut und die damit verbundenen Auflagen liegen uns von behördlicher Seite noch nicht vor. Da es sich bei dem Großteil der bis 26. März angesetzten Veranstaltungen um Konzerte externer Veranstalter handelt, müssen wir derzeit bei diesen nicht nur die Besucherzahlen, sondern auch die Zahl aller auf der Bühne beteiligten Künstler abfragen.

Carsten Preisler, Sprecher Glocke und Musikfest Bremen

Momentan keine Terminänderung für die Osterwiese

Impressionen von der Bremer Osterwiese.
Die Bremer Osterwiese soll vom 3. bis 19.April stattfinden. Bild: Radio Bremen | Martin von Minden

Keine Änderung zeichnet sich zumindest bisher für die Osterwiese ab. Das Volksfest soll wie geplant Anfang April stattfinden, so der Sprecher der Bremer Wirtschaftssenatorin, Kristina Vogt (Linke). Der Senat wird sich noch einmal gesondert mit dem Thema befassen. "Wir arbeiten zurzeit an einem Maßnahmenpaket, um das Infektionsrisiko auf der Osterwiese zu verringern", sagt Kai Stührenberg vom Wirtschaftsressort.

Eine Absage [der Osterwiese] ist nur dann vertretbar, wenn die Entwicklung der Infektionen in Bremen so eine Maßnahme unabwendbar macht – denn das würde für einige Schausteller existenzielle Probleme aufwerfen. Aber natürlich steht die Gesundheit und der Schutz der Besucher ganz vorne an.

Kai Stührenberg, Sprecher der Bremer Wirtschaftssenatorin

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Autoren

  • Serena Bilanceri
  • Christian Schwalb

Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 10. März 2020, 19:30 Uhr