Kommentar

Stillos: Bremerhavens Tourismuschef wurde aus dem Amt geekelt

Den Verantwortlichen in der Seestadt fehlt es im Umgang mit Konflikten an politischer Kultur und Anstand, meint unser Autor. Das könnte sich böse rächen.

Bremerhavens Oberbürgermeister Melf Grantz und der neue Tourismuschef Bremerhavens Raymond Kiesbye

Bremerhavens Tourismuschef Raymond Kiesbye ist abgesägt – doch einen Nachfolger gibt es nicht. Für die Schlüsselposition gibt es nun eine Zwischenlösung bis zur Sail 2020 – was danach passiert, weiß niemand so genau. Spitzenleute dürften sich jetzt auch überlegen, ob sie nach Bremerhaven kommen wollen. Denn wie der Tourismuschef entlassen wurde, zeigt einmal mehr, dass es den Verantwortlichen in der Stadt im Umgang mit Konflikten an politischer Kultur und Anstand fehlt.

Mit öffentlich geäußerter Kritik zermürbt

Man kann Spitzenkräfte, die ihren Job nicht zur Zufriedenheit ausüben, natürlich entlassen. Man kann das auf zwei Arten tun: Man sorgt für klare Verhältnisse und findet eine Lösung,  die es beiden Seiten ermöglicht, das Gesicht zu wahren. Oder man zermürbt die Person mit öffentlich geäußerter Kritik und Einmischung in ihre Arbeit, um dann eine vermeintliche Fehlentscheidung zum Anlass für eine öffentliche Demontage zu nehmen. So geschehen in Bremerhaven.

Auslöser für den Rauswurf von Raymond Kiesbye war die Frage, ob die Hip-Hop-WM, unbestreitbar ein sehenswertes Sportereignis, in ihrem touristischen Potenzial unterschätzt wurde. Den Anfang machte Bremerhavens SPD-Chef Martin Günthner, der sich – im Gegensatz zu seiner Zeit als Bremer Wirtschaftssenator – mittlerweile bemerkenswert oft zu Themen der Bremerhavener Lokalpolitik äußert. In einer Pressemitteilung warf Günthner dem Tourismuschef in heftigen Worten vor, "Bockmist" gebaut zu haben und bezweifelte, dass dieser seinen Aufgaben gewachsen sei.

Die CDU legte kurze Zeit später nach, und auch die Grünen, als Oppositionspartei, stimmten in den Chor der Kiesbye-Kritiker mit ein. Der Stab über dem ehemaligen Tourismuschef war da bereits gebrochen, eine Debatte in der Sache wurde gar nicht mehr geführt. Kiesbyes Rückzug war unausweichlich geworden.

Bremerhaven könnte Spitzenleute vergraulen

Es stimmt: In den fast sieben Jahren seiner Amtszeit sind von Kiesbye keine kreativen Meisterleistungen überliefert. Es stimmt aber auch: Im Job völlig versagt haben kann auch er nicht, bei der alljährlichen Vorstellung der Tourismuszahlen jedenfalls zeigte sich die Politik immer recht zufrieden. Der Manager ist vom Wesen her eher der stille Verwalter mit der ruhigen Hand gewesen. Die verschiedenen politischen Erwartungen, die an so ein herausgehobenes Amt gestellt werden, mag er deutlich unterschätzt haben.

Was bleibt noch, nachdem der ungeliebte Raymond Kiesbye seinen Posten geräumt hat? Die Koalition hat angekündigt, Tourismus- und Stadtmarketing nach der Sail ganz neu aufstellen zu wollen. Dafür braucht man Fachkräfte, Spitzenleute. Doch seriöse Bewerber von außen dürften nach diesem Vorgang eher abwinken: Eine Stadt, in der Manager wichtiger Einrichtungen auf so stillose Weise aus dem Amt geekelt werden wie in Bremerhaven, tun sich gute Leute als Arbeitgeber nicht an.

Autor

  • Christian Brans-Schreckeneder

Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 23. Oktober 2019, 19:30 Uhr