Bremerhaven schaut in die Röhre: Der endlose Bau des Hafentunnels

Der Hafentunnel in Bremerhaven ist ein jahrzehntelanges Politikum. Lang verschoben, teurer als geplant, von Protest begleitet. Sollte er nicht schon längst fertig sein?

Video vom 8. Januar 2021
Die Einfahrt des Hafentunnels in Bremerhaven.
Bild: Radio Bremen

Der Rohbau des Tunnels in Bremerhaven steht und die letzten Schichten des Asphalts werden aufgetragen. Danach fehlt nur noch die Technik wie Kameras und Lichter. Dann sollen die Lastwagen nicht mehr durchs Wohngebiet sondern durch den Tunnel fahren, um zum Hafen zu kommen. 2013 war der Baubeginn. Und jetzt soll noch ein weiteres Jahr bis zur Fertigstellung vergehen. Warum hat das bloß so lange gedauert?

Von Anfang an umstritten

Blick in eine Baugrube mit Gerüsten.
Baugrube in einem früheren Stadium: Die kompletten Außenwände stehen, der Innenausbau beginnt. Bild: Radio Bremen | Boris Hellmers-Spethmann

Seit dem Baubeginn 2013 ist der Hafentunnel ein Zankapfel. Geplant war er als das große Infrastruktur-Projekt. Als eine wichtige Maßnahme für Bremerhaven. Doch Anwohner standen dem protestierend gegenüber. Es gab Beschwerden wegen des Baulärms, wegen Rodungsplänen und Unwirtschaftlichkeit. Eine Klage hatte vor Gericht jedoch keinen Erfolg. Das Projekt, Europas viertgrößten Seehafen mit der A27 zu verbinden, ging erst einmal weiter.

Warum dauert das so lange? Warum ist das so teuer?

Auch in weiteren Bauphasen stehen dem Bauprojekt neue Probleme im Weg. Durch das ausgewählte Bauverfahren kommt es regelmäßig zu Havarien, so Nils Schnorrenberger, Chef der Wirtschaftsförderung Bremerhaven. Die Baugrube war undicht und die Arbeiten verzögerten sich um weitere 18 Monate.

Der Bau zog sich. Und wurde teurer als geplant. 170 Millionen Euro sollte der Hafentunnel einst kosten. Dann stieg der Preis auf 180, dann auf 240 Millionen. Inzwischen rechnet man mit 260 Millionen. Ein Grund dafür: Immer wieder hätten die beauftragten Unternehmen zusätzliche Kosten geltend gemacht. Das will Bremerhaven aber so nicht hinnehmen, erklärt Nils Schnorrenberger.

Fertigstellung: Ein Licht am Ende des Tunnels?

Kurz nach Baubeginn hieß es: Mitte 2019 wird der Hafentunnel eröffnet. Lange her. Jetzt hofft die Stadt auf Anfang 2022. Und jetzt? Beobachtet man ein Paradox, sollte der Tunnel doch den Verkehrsfluß verbessern: Schlaflose Nächte gebe es jetzt, so Schnorrenberger, wenn der Verkehr in den Hafen stark von den Bauarbeiten beeinträchtigt und Einfluss auf dem Umschlag im Hafen nehmen würde.

Immerhin: Der Verkehr läuft. Auch ohne Tunnel. Nur: Wozu braucht man ihn dann? "Der Verkehr rund um den Hafen wird weiter steigen", sagt Schnorrenberger. "Bremerhaven wird den Tunnel brauchen." In der Zukunft. Spötter könnten sagen: Dann ist es ja nicht schlimm, wenn es noch länger dauert.

Autor

  • Jan Meier-Wendte Autor

Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 8. Januar 2020, 19:30 Uhr