Kommentar

Jetzt kommt endlich wieder Leben in die Bude

Die gute alte SPD in Bremen, sie lebt noch! Nur noch rund 22 Prozent in Umfragen, Tendenz fallend, den sicheren Abgrund vor Augen – und jetzt das. Mit Andreas Bovenschulte kehrt ein Hoffnungsträger zurück. Der ehemalige Landesvorsitzende ist der bislang letzte Bremer Sozialdemokrat, der bleibende Spuren hinterlassen hat. Hut ab, findet unser Kollege Christian Dohle.

Andreas Bovenschulte und Sigmar Gabriel
Ein Bild aus guten alten Zeiten: Der damalige Bremer SPD-Chef Andreas Bovenschulte mit dem damaligen SPD-Chef Sigmar Gabriel, 2013 in Bremen. Bild: DPA | Ingo Wagner

Chapeau, SPD! Weil die Rückkehr Andreas Bovenschultes die Fraktion aufmischen wird. Allzu behäbig und selbstzufrieden wurschtelt die mehrheitlich vor sich hin. Der Vorsitzende ist angezählt, hat in den eigenen Reihen nur noch eine knappe Mehrheit. In den hinteren Reihen dominiert Sitzfleisch über sozialdemokratisches Herzblut. Das sind schlechte Voraussetzungen in Krisenzeiten. Mit Bovenschulte drängt einer zu den vorderen Plätzen. Der Konkurrenzkampf ist ab sofort eröffnet. Jetzt kommt endlich wieder Leben in die Bude.

Chapeau, Andreas Bovenschulte! Weil er die Komfortzone Weyhe freiwillig verlässt. Den gemütlichen Bürgermeister-Job mit B-Besoldung und Dienstwagen tauscht gegen eine unsichere Perspektive in einer taumelnden SPD. Weil ihm das Gehege in Weyhe zu klein geworden ist, weil er in seinem Herzen mehr Politiker als Behörden-Chef ist, geht er dahin, wo es stinkt und kracht. Mit vollem Risiko. Denn ein Zurück nach Weyhe gibt es nicht mehr. Nur dann, wenn er bei der Bürgerschaftswahl krachend scheitert.

Chapeau aber auch, Carsten Sieling! Der – positiv ausgedrückt: glücklose Bürgermeister – holt sich einen Hochkaräter an seine Seite. Dass der sich mit einer Nebenrolle nicht zufrieden geben wird, liegt auf der Hand. Künftig kommt Bovenschultes Name immer dann auf den Tisch, wenn es irgendwo nicht läuft. In der Fraktion aber – ganz sicher – auch im Senat. Das hat Folgen, auch für Carsten Sieling. Sollte die SPD nämlich nicht deutlich zulegen und im Mai ein schlechtes Ergebnis einfahren, wird sich ganz sicher die Bürgermeister-Frage stellen. Und Sieling darf sich dann nicht mehr darauf verlassen, dass er ungeschoren davon kommt, nur weil es keine Alternative gibt. Bovenschulte könnte sofort übernehmen, das weiß auch Sieling. Trotzdem hat er Bovenschulte zurück nach Bremen geholt. Respekt!

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  • Christian Dohle

Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 18. Juni 2018, 19:30 Uhr