Wie geht es weiter mit Senvion nach dem Insolvenzantrag?

  • Gewerkschaft IG Metall plant nächste Schritte für Erhalt des Standortes Bremerhaven
  • Senvion hofft auf Investoren
  • Politiker sprechen von schwerem Schlag für Bremerhaven
Zu sehen ist das Senvion Gebäude.

Die Stimmung in der Belegschaft ist angespannt. Senvion steckt schon länger in der Krise. Rund 100 Millionen Euro fehlen dem Unternehmen, um seine Geschäfte weiterführen zu können. Die Gespräche mit Kreditgebern sind bislang erfolglos verlaufen. Deswegen hat der Windkraftanlagenbauer am Dienstag Insolvenz beantragt. In Bremerhaven, der letzten deutschen Produktionsstätte von Senvion, wären rund 230 Mitarbeiter betroffen.

Das Bremer Wirtschaftsressort ist jedoch optimistisch, was die Zukunft des Unternehmens angeht. In einer schriftlichen Mitteilung heißt es: "Senvion verfügt über ein gutes Produkt, eine gute Auftragslage und über qualifizierte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Wir sehen deshalb eine gute Fortführungsperspektive für die Produktion in Bremerhaven.“ Und auch Senvion selbst hat schon bekanntgeben, dass es potentielle Investoren gibt.

Die Gewerkschaft IG Metall plant jetzt die nächsten Schritte für den Erhalt des Standortes.

Wir werden die Betriebsräte zusammenholen als IG Metall, mit ihnen eine Bestandsaufnahme machen und auch Forderungen artikulieren für einen Fortbestand des Unternehmens.

Martin Bitter, Sprecher IG Metall

Senvion selbst will jetzt das Tagesgeschäft erst mal aufrechterhalten. Wie schnell das benötigte Geld aufgetrieben werden kann, lässt sich aber nicht absehen. Bis dahin bleibt für die Beschäftigten die Unsicherheit.

Das sagt die Politik zur Insolvenz:

Falls Senvion wirklich schließen muss, wäre das ein schwerer Schlag für Bremerhaven. In einem Zeitraum von etwa zehn Jahren hätte die Stadt dann nämlich alles an namhaften Windenergie-Unternehmen verloren. Das ist sicherlich auf politische Rahmenbedingungen, aber auch auf Entscheidungen der Unternehmen zurückzuführen.

Jörg Kastendiek steht vor der Bürgerschaft und gibt ein Interview
Jörg Kastendiek (CDU), Landesvorsitzender

Die Insolvenz schwächt den Wirtschaftsstandort Bremerhaven weiter. Auf Landesebene sagen wir schon lange, dass die Probleme in der Branche auf die Bundespolitik zurückzuführen sind. Trotzdem kann Bremerhaven sich auch zukünftig noch gut entwickeln. Das zeigt vor allem auch die Green Economy auf der Luneplate.

Sülmez Dogan
Sülmez Dogan (Grüne), Bürgerschaftsabgeordnete

Das ist ein weiterer Schlag für die Offshore-Windbranche. Wir müssen gucken, wie wir den Menschen da eine Perspektive geben können. Eine Stärke von Bremerhaven ist aber, dass die Wirtschaft inzwischen breit aufgestellt ist und sich nicht nur auf eine Branche konzentriert.

Hauke Hilz (FDP)
Hauke Hilz (FDP), Bürgerschaftsabgeordneter

Bremerhaven ist keine Windkraft-Stadt mehr. Wir sind mal gut gestartet, aber durch die Bundespolitik sollte man sich nicht mehr darauf festlegen. Vielmehr sollte man überlegen, ob man sich nicht mehr auf Wissenschaft konzentriert.

Günter Matthiessen von der Linken
Günter Matthiessen (Linke), Stadtverordneter Bremerhaven

Dieses Thema im Programm: Bremen Zwei, Der Nachmittag, 10. April 2019, 16.45 Uhr