Fragen & Antworten

Warum die "Neue Seidenstraße" Wilhelmshaven mit China verbindet

Audio vom 13. Juli 2021
Ein Containerzug kommt in einem Hafen an.
Bild: DPA | Jochen Tack (Symbolbild)
Bild: DPA | Jochen Tack (Symbolbild)

Am Jade-Weser-Port ist der erste Güterzug direkt aus China angekommen. Damit ist Wilhelmshaven jetzt Teil des chinesischen Projektes "Neue Seidenstraße".

Der Wilhelmshavener Containerhafen – der Jade-Weser-Port – hat Dienstag gleich doppelten Besuch. Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) war zu Gast. Und der Generalkonsul der Volksrepublik China in Hamburg, Xiaohui Du. Alles wegen eines Güterzugs aus China. Denn tatsächlich kam der erste direkte Güterzug aus der chinesischen Provinz Anhui in Wilhelmshaven an.

Was hat der Zug mit Chinas Projekt "Neue Seidenstraße" zu tun?
Er gehört einer chinesischen Hafengesellschaft im Osten Chinas, er war dort am 25. Juni gestartet – und dann über Kasachstan, Russland, Belarus und Polen in Richtung Deutschland gefahren. Als Teil genau eben jener "Neue Seidenstraßen-Initiative" Chinas, die ja "trans-eurasisch" verläuft, von China über Osteuropa und dann Zielbahnhöfe in Europa anfährt, darunter jetzt eben auch Wilhelmshaven.
Was hat dieser Zug mitgebracht aus China?
Genau die typische Fracht, die sonst in riesigen Stückzahlen mit den Containerschiffen aus China bei uns ankommt – also Haushaltsgeräte, Textilien, und Elektroartikel. Insgesamt eine Größenordnung von 100 Standard-Containern, die jetzt von Wilhelmshaven aus in das Hinterland verteilt werden, so wie es ja auch mit der Fracht passiert, die hier per Schiff ankommt.
Hätte man die 100 Container nicht besser auf einen der Riesen-Containerfrachter gesetzt, geht das nicht schneller?
Im Gegenteil – der Zug ist nur halb so lange unterwegs wie das Containerschiff. Zumal im Moment der Platz auf Schiffen knapp und sehr teuer ist. Das ist also durchaus eine Alternative beziehungsweise eine "Ergänzung". Denn der Güterzug lädt nur einen Bruchteil dessen, was die wirklich großen Frachter mitnehmen – die haben ja Platz für bis zu 23.000 Container. Der Zug hat gerade mal 100 Container transportiert.
Hat der Zug als Transportmittel also im Rahmen des "Seidenstraßen-Projekts" eine eher kleine Bedeutung?
Ja und nein – grundsätzlich ist es so, dass das "Seidenstraßen-Projekt“ nicht nur als Schiffsverbindung angelegt ist, sondern als Handelsroute, oder noch besser: als Wirtschaftsraum, in dem China die Verflechtungen mit anderen Ländern in Asien, Afrika und eben auch Europa ausbauen will. Das heißt tatsächlich, dass ein ganz großer Teil der Warenströme weiter über das Wasser geht, aber es gibt eben zusammenhängende Verbindungen – ein zusammenhängendes Netz -- von China bis zu uns auch mit Straßen und Bahnlinien.
Und was bedeutet jetzt dieser erste direkte Zug für die weitere Rolle Wilhelmshavens und vielleicht Niedersachsens?
Dass die "Neue Seidenstraße" jetzt auch im Nordwesten Deutschlands angekommen ist. Viel wichtiger als dieser Zug sind ja die langfristigen Verabredungen dahinter. Es gibt schon eine Kooperation im Jade-Weser-Port mit dem staatlichen Logistik-Unternehmen China Logistics, der in Wilhelmshaven ein Logistikzentrum aufbauen will, um dort Waren aus China umzuschlagen.

Autor

  • Christian Schwalb Nachrichtenredakteur

Dieses Thema im Programm: Bremen Zwei, Der Nachmittag, 13. Juli 2021, 17:38 Uhr