Sind Taser zu gefährlich für den Polizei-Einsatz?

Der Einsatz von Tasern birgt ein medizinisches Risiko. So sieht die Bilanz der Bremerhavener Polizei nach acht Monaten Testphase aus.

Ein Taser wird abgefeuert.

Seit acht Monaten wird der Taser in Bremerhaven von Streifenpolizisten getestet. Kurz nach Halbzeit des Pilotprojekts ziehen die Beamten erstmal eine positive Bilanz. "Die abschreckende Wirkung des Tasers ist sehr groß", sagt Polizeisprecher Uwe Mikloweit. "Es reicht oftmals schon aus, dass das Gerät – diese Waffe – gezeigt wird."

So wurde das Gerät nur sehr zurückhaltend eingesetzt und zu Komplikationen kam es bisher nicht. Nur fünfmal wurde die Elektrowaffe in Bremerhaven schon abgefeuert. Dabei seien die Gründe, weshalb die Betroffenen so in Schach gehalten werden sollten, ganz unterschiedlich. Der Pressesprecher zählt sie auf: Sowohl psychische Erkrankungen und Auffälligkeiten können eine Rolle spielen als auch Alkohol und Drogen.

Medizinisches Risiko besteht

Aber insbesondere wenn Drogen im Spiel sind, ist das Herz besonders belastet, warnt der Kardiologe Rainer Hambrecht. So könne es bei Kokain-Konsum zur Verkrampfung der Herzkranzgefäße und zu Durchblutungsstörungen führen.

Wenn diese Probanden dann einen solchen Elektroschock abbekommen, können bei ihnen durchaus Rhythmusstörungen ausgelöst werden.

Rainer Hambrecht
Rainer Hambrecht, Chefarzt der Kardiologie am Klinikum Links der Weser

Das gilt auch für Menschen mit Herzfehlern und Herzschrittmachern. Aber auch die Wechselwirkung mit einigen Medikamenten kann zum Risiko werden.

In Hessen und in Rheinland-Pfalz wurden Polizisten bereits standardmäßig mit Tasern ausgerüstet. Zwei Menschen sind seitdem bei Einsätzen mit der Waffe gestorben. Im rheinland-pfälzischen Pirmasens ist Anfang des Jahres ein geistig verwirrter Mensch nach einem Taser-Beschuss gestorben. Vergangenen Monat der zweite Fall: Auch in Frankfurt starb ein geistig verwirrter Mann nach dem Einsatz eines Elektroschockers.

In Amerika, wo der Taser seit 2001 im Einsatz ist, geht Amnesty International (AI) von über 800 Toten durch den Einsatz der Waffe aus. In den Niederlanden wurde 2018 nach einem Probelauf Bilanz gezogen: In 80 Prozent wurde der Taser gegen Unbewaffnete eingesetzt und sogar gegen Personen, denen zuvor Handschellen angelegt worden sind.

Kritik am Taser-Einsatz

Rafael Behr war früher selbst auf Streife und unterrichtet jetzt angehende Polizisten an der Uni Hamburg. Für ihn bringt der Taser mehr Risiken als Vorteile. Denn auf viele Fragen, die sich jetzt stellen, können die Polizisten gar keine Antwort finden. "Kann ich den Taser jetzt überhaupt einsetzen? Ist der Mensch nicht drogenabhängig? Ist er möglicherweise nicht gesund? Das können Polizisten gar nicht wissen", kritisiert Behr.

Die Polizisten werden den Taser einsetzen und es werden Schäden entstehen.

Rafael Behr
Rafael Behr, Kriminologe an der Uni Hamburg

Bremerhaven macht erstmal so weiter

Gerne hätten wir mit Streifenpolizisten, die den Taser im Einsatz tragen, darüber gesprochen. Aber alle Interview-Anfragen wurden abgelehnt. Immerhin meldet sich Bremens Innensenator zu Wort und kündigt an, das Modellprojekt erstmal fortzusetzen. Diese beiden Todesfälle zeigten, dass dieser Einsatz nicht unproblematisch ist, sagt Innensenator Ulrich Mäurer. Er will das Ende des Modellversuch in Bremerhaven abwarten. Im Oktober wollen Polizei und Politik gemeinsam entscheiden, ob die Vorteile des Tasers dessen Risiken rechtfertigen.

Mehr zum Pilotprojekt:

  • Dag Befeld

Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 18. Juni 2019, 19:30 Uhr