Kritik an CDU-Plänen für Neustädter Hafen

  • Bis zu 15.000 Menschen könnten nach Ansicht der CDU dort wohnen
  • Logistikunternehmen und andere Parteien sehen Vorschlag kritisch
  • Auch langfristige Verträge stehen der Idee im Wege
Pläne für Bebauung des Neustädter Hafens in Bremen
So stellt sich die CDU-Fraktion das neue Wohngebiet vor: Fotomontage.

Die CDU-Fraktion in der Bremischen Bürgerschaft wird hart für ihren Vorschlag kritisiert, den Neustädter Hafen zu schließen und auf dem Gelände bis 2035 Wohnungen zu bauen. 15.000 Menschen könnten dort leben, hatten die CDU-Parlamentarier erklärt. Die Kritiker halten das für unrealistisch. Der Häfen-Staatsrat im Bremer Wirtschaftsressort, Jörg Schulz, sprach von einer "spinnerten Idee". Schließlich habe die BLG, die den Neustädter Hafen betreibt, noch Verträge bis zum Jahr 2027.

Auch von der BLG selbst kamen harsche Worte: Den Neustädter Hafen aufzugeben sei falsch, steht in einer Stellungnahme für Radio Bremen. Es sei überraschend, wie wenig bei der CDU in diesem Zusammenhang Gewerbeflächen und Wirtschaft eine Rolle spielten. Die CDU wollte Firmen aus dem Neustädter Hafen umziehen lassen, damit dort Platz für Wohnungen entsteht. Die Handelskammer kontert: Bremen brauche mehr Gewerbegebiete, nicht weniger.

Skizze eines Wohnquartiers am Neustädter Hafen

Auch die SPD lehne eine Umsiedlung von Betrieben ab. Die CDU agiere "wirtschaftsfeindlich", so der Vorwurf. Illusionen und Tagträume von neuen Stadtteilen ersetzten keine seriöse Bau- oder Wirtschaftspolitik, sagte der SPD-Abgeordnete Dieter Reinken. Der Wirtschaftspolitiker Robert Bücking aus der Fraktion der Grünen hält die CDU-Pläne für "schlichten Unsinn" und in den nächsten 10 bis 15 Jahren auch für nicht umsetzbar.

CDU führt sinkende Umschlagszahlen als Grund an

Die Bremer CDU-Fraktion hatte zuvor Pläne vorgestellt, nach denen der Neustädter Hafen auf lange Sicht geschlossen und zum Wohngebiet umgebaut werden soll. Ansatz der Partei: Im Hafen in der Bremer Neustadt werden immer weniger Waren umgeschlagen. Deswegen will die CDU schon jetzt eine Debatte darüber, was später dort passieren soll.

Kein Viertel für Gutverdienende soll laut CDU-Fraktionschef Thomas Röwekamp entstehen. Vielmehr wolle man unter städtischer Regie Häuser bauen für Familien mit Durchschnittseinkommen, aber auch für ältere Menschen oder Studenten. Zugleich müsste dort auch die nötige Infrastruktur entstehen: also Schulen, Kitas und Supermärkte. Eine Straßenbahnlinie soll den Stadtteil mit der Innenstadt verbinden.

Neustädter Hafen in Bremen
So sieht es im Neustädter Hafen derzeit aus.

Die Betriebe, die dort arbeiten, könnten zum Beispiel in den Bremer Industriehafen oder nach Bremerhaven umsiedeln, sagte Jens Eckhoff von der CDU. Anderen Firmen müsse man den Umzug in Bremer Gewerbegebiete schmackhaft machen.

Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 6. November 2017, 19:30 Uhr