Neues Corona-Schnelltest-Zentrum wirbelt Bremens Testlandschaft durch

Bremen hat jetzt ein privates Schnelltest-Zentrum. Bis zu 900 Menschen sollen dort pro Tag getestet werden können. Wir haben den Test gemacht.

Video vom 12. Januar 2021
Reporter Holger Baars, der einen Corona Test durchführen lässt.
Bild: Radio Bremen
Bild: Radio Bremen

"Einmal den Schnipsel, bitte", sagt Gudrun Duncker zu mir. Ich reiche der Dame in grünem Kittel, Maske und Plastikvisier den Papierstreifen mit dem QR-Code. Dann verschwindet meine Testerin in einer Kabine. "Darf ich schon reinkommen?", frage ich vorsichtig hinter ihr her. "Natürlich", sagt sie. Dann fragt sie mich, ob ich lieber stehen oder sitzen wolle. Ich nehme Platz.

Neben mir ist das Test-Set auf einem Tisch ausgebreitet. Ein kleiner Plastikbehälter, das noch eingetütete Stäbchen für den Abstrich, Gummihandschuhe. Die hat Gudrun Duncker sich inzwischen über die Finger gezogen. "Einmal zu mir gucken, bitte", sagt sie. "Den Kopf etwas niedriger." Dann kitzelt es im rechten Nasenloch. Kitzelt mehr. Geht in einen leichten Schmerz über. Jetzt ist aber auch mal Schluss, denke ich mir. "Ganz normal weiteratmen", sagt Gudrun, und dreht das Stäbchen. Als sie es herauszieht, bin ich erleichtert. Endlich vorbei. Nochmal hätte ich darauf keine Lust. "So, und jetzt das andere Nasenloch", sagt sie.

Test-Parcour für 700 bis 900 Schnelltests täglich

Rund 30 Mitarbeiter wie Gudrun Duncker hat das Startup, das das neue Covid-Zentrum in dem umfunktionierten Bürogebäude am Hauptbahnhof betreibt, bislang in Bremen angeworben. Nach Berlin und Hamburg ist Bremen der dritte Standort des jungen Unternehmens. "Für Bremen haben wir uns entschieden, weil wir eine gute Anbindung unserer Standorte gewährleisten wollen", sagt Projektleiter Marcus Boxler. Denn ein reger Austausch sei wichtig, wenn es um Optimierungen zum Beispiel des Hygienekonzepts gehe.

Eine Frau (Gudrun Duncker) nimmt einen Abstrich für einen Covid-Schnelltest.
Gudrun Duncker nimmt einen Abstrich für einen Covid-Schnelltest im neuen Schnelltest-Zentrum am Bremer Hauptbahnhof. Bild: Radio Bremen | Kristian Klooß

Und so sieht das Konzept aus: Wer sich testen lassen will, muss sich vorab online anmelden und bekommt dann einen Termin samt QR-Code geschickt. Besucher werden am Empfang registriert, in dem der QR-Code durch eine Glasscheibe gescannt wird. Auf dem Fußboden weisen dann gelbe Pfeile den Weg hinein zu den Testkabinen. Schilder erinnern stets daran, Maske zu tragen und Abstand zu halten. Sperrbänder stellen sicher, dass alle den kleinen Test-Parcour vorne betreten, dann in einer der sieben Kabinen ihren Abstrich machen lassen und das Gebäude durch den Hinterausgang verlassen. Mein Aufenthalt dauert fünf Minuten. Das negative Ergebnis habe ich keine 20 Minuten später in meinem E-Mail-Postfach. "700 bis 900 Tests am Tag können wir so gewährleisten", sagt Boxler.

Schnelltests für Schwiegertochter, Elektriker, Studentin

So wie mir geht es an diesem Tag dutzenden Besuchern. Ein älterer Mann ist mit seiner Schwiegertochter da. Ihr Vater hat Corona. Jetzt lassen sich alle Familienmitglieder zur Sicherheit testen. Einen 28-jährigen Elektriker hat sein Chef geschickt. Er lässt sich, wie seine sieben Kollegen auch, zum zweiten Mal testen. Eine 20-jährige Studentin, die seit November im Studiengang Gesundheitswirtschaft an der Uni Bremen eingeschrieben ist, möchte sich hingegen sicher sein, dass der Schnupfen, den sie hat, auch wirklich nur ein Schnupfen ist.

Manche Studenten nähmen die Pandemie noch immer auf die leichte Schulter, sagt sie. Eine Freundin habe beispielsweise weiterhin Partys gefeiert. "Sie hatte das dann auch." Wie die anderen genannten, wird die 20-Jährige heute negativ getestet. Bis zur Mittagszeit wird es an diesem ersten Tag nur einen Positiv-Fall geben.

Ergebnisse innerhalb von 20 Minuten

Die Ergebnisse erhalten die Besucher innerhalb von 20 Minuten per Mail. Das Resultat ist nach Herstellerangaben in mehr als 95 Prozent der Fälle korrekt. Positive Tests werden sofort dem Bremer Gesundheitsamt gemeldet. Letzteres ordnet dann zur Bestätigung noch einen PCR-Test im Labor an, um Zweifel auszuräumen.

Bislang hat das neue Covid-Zentrum, das in Bahnhofsnähe Außer der Schleifmühle 4 eröffnet hat, nur Schnelltests im Angebot. In vielen Fällen reicht das den Getesteten. In manchen Fällen, zum Beispiel bei fast allen Auslandsreisen, wird jedoch von den Zielländern noch immer ein PCR-Test als Gesundheitsnachweis verlangt. "Wir planen aber, in einigen Wochen auch PCR-Tests anzubieten", sagt Projektleiter Boxler. Verhandlungen mit Laboren in Hamburg und Berlin liefen derzeit.

Johanniter planen Kooperation

Auch die Konkurrenz hat den Neuankömmling bereits auf dem Schirm. Denn das einzige Bremer Schnelltest-Zentrum stand bislang in Habenhausen. Dort bieten die Johanniter – neben PCR-Tests – auch die Antigen-Schnelltests an. Derzeit werden dort rund hundert Tests täglich durchgeführt, sagt Sprecherin Nicole Baumann. Rund 90 Prozent davon seien Schnelltests. Für diese verlangen die Johanniter von Privatkunden bislang 35 Euro, das neue Covid-Testzentrum am Bahnhof rechnet knapp 50 Euro ab.

Ein Wettbewerb um den günstigsten Schnelltest wird aber wohl ausbleiben. Denn schon jetzt ist klar: Die Bremer Johanniter planen eine Kooperation mit dem Berliner Startup.

In Corona-Zeiten wollen wir gerne an einem Strang ziehen.

Johanniter-Sprecherin Nicole Baumann

Schon ab Februar werden die Johanniter daher mit dem neuen Covid-Testzentrum kooperieren. "Wir werden dann wohl Anfragen für Tests dorthin weiterleiten", sagt die Sprecherin.

Schnelltests für Impfpersonal gehen vor

Testambulanz der Johanniter in Bremen-Habenhausen.
Die Johanniter betreiben in Habenhausen seit August 2020 eine Testambulanz, in der auch Schnelltests durchgeführt werden. Bild: Johanniter Bremen

Das hat aus Sicht der Johanniter gute Gründe. Denn gemeinsam mit dem Deutschen Roten Kreuz organisieren sie das Bremer Impfzentrum in der Messe-Halle 7. Allein für die dort eingesetzten Impfteams müssten künftig täglich vor Dienstbeginn Dutzende Schnelltests durchgeführt werden. Darüber hinaus Testungen an das neue Testzentrum abgeben zu können, sei da eher entlastend, so Baumann.

Dass im neuen Impfzentrum am Bahnhof auch viele Menschen Abstriche vornehmen, die eigentlich aus nicht-medizinischen Berufen stammten, hält die Johanniter-Sprecherin für unproblematisch. Zwar würden bei den Johannitern meist Sanitäter für solche Aufgaben eingesetzt. Doch es gebe auch hier ehrenamtliche Helfer, die dann eine entsprechende Schulung bekämen.

Für Donnerstag ist in Bremen im Übrigen schon die Eröffnung eines weiteren Testzentrums geplant. Es soll am Flughafen entstehen, am Terminal 1. Betreiber ist Jan Wolters, der sonst sein Geld mit dem Bayernzelt auf der Bürgerweide verdient.

Rückblick: Corona-Schnelltests sind in Bremen vor Weihnachten begehrt

Video vom 21. Dezember 2020
Das Corona Walk-In Testzentrum auf dem Parkplatz des Medizinischen Versorgungszentrums Bremen Mitte stehen Menschen in der Schlange.
Bild: Radio Bremen
Bild: Radio Bremen

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  • Kristian Klooß Autor

Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 12. Januar 2021, 19:30 Uhr