Kommentar

Linie 5: Von wegen neu

Die neue Straßenbahnlinie 5 ist nicht die sensationelle Neuheit als die sie verkauft wird, meint unser Redakteur Marcus Behrens. Er hat einen besseren Vorschlag.

Anzeige an einer Straßenbahn: Linie 5 Gröpelingen via Überseestadt
Wie neu ist die angekündigte Straßenbahnlinie wirklich?

Gestern die Ankündigung und die Berichterstattung in Hörfunk und Fernsehen – heute sogar auf der Titelseite der Tageszeitung: Bremen bekommt eine neue Straßenbahnlinie. Ist dem so? Die Linie 5 soll vom kommenden Jahr an den Bahnhof mit der Überseestadt verbinden. Welchen Bahnhof? Na, den Hauptbahnhof. Aber zwischen Bürgerpark, beziehungsweise dem Messe-Zentrum und der Überseestadt, fährt doch bereits die Buslinie 20.

Na gut. Die "neue" Straßenbahnlinie soll von der Wendeschleife am Bürgerpark über die Haltestelle Hauptbahnhof zur Haltestelle Eduard-Schopf-Allee fahren und dann dem Verlauf der Linie 3 folgen, die ja die Überseestadt auch allenfalls touchiert – anders, als die Buslinie 20. Aber wirklich Neues bringt die "neue" Straßenbahnlinie nicht. Sie verbindet auch nicht wirklich neue Ecken der Stadt miteinander. Neu ist, dass bisher keine Straßenbahnen planmäßig auf dieser Streckenführung verkehren. Immerhin.

Aber die Bahnen fahren nicht einmal über den Brill, weil dort kein Abzweig in Richtung Überseestadt existiert. Und: Hatten wir nicht jahrelang darüber berichtet, dass die BSAG zu wenige und vor allem zu viele störanfällige alte Straßenbahnen hat, die erst in den kommenden Jahren ersetzt – aber eben nicht vermehrt – werden sollen? Lassen wir uns also überraschen.

Die Wiedereinführung der Ringbahn wäre ein Schritt nach vorne

Eine sinnvolle weitere Straßenbahnlinie wäre die Wiedereinführung der Ringbahn gewesen – mit Anschluss an ein kleines Busnetz in der Überseestadt. Die Straßenbahnen könnten vom Hauptbahnhof über den Sielwall, die Domsheide, den Brill, die Überseestadt, einen Teil von Walle und Utbremen zum Bahnhof fahren – oder auch die Schleife am Bürgerpark miteinbeziehen.

In beiden Richtungen würde dies endlich ein öffentliches Nahverkehrsangebot in Bremen bieten, mit dem man in der erweiterten Innenstadt alle Ziele ohne Umsteigen erreicht. In anderen Städten ist so etwas ganz normal, auch Bremen hatte das früher einmal.

Die Liniennummer 5 ist auch nicht neu – sie fuhr mal zwischen Schwachhausen und Flughafen und dann noch eine Zeit lang bis zum Wendepunkt in Huckelriede. Die neue Linie 5 scheint mir aber nur ein stadtplanerisches Prestige-Objekt zu sein, das die Frage aufwirft: Wer will sich damit ein Denkmal setzen – oder: Wer möchte gerne genau auf diesem Weg ohne umzusteigen unterwegs sein?

  • Marcus Behrens

Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 12. Juni 2018, 19:30 Uhr