Neue Oberstufe der Ariane 6-Rakete auf dem Weg zum letzten Check

Lange haben die Beschäftigten auf den Moment gewartet. Nun hat die erste neue Oberstufe das Bremer Werk verlassen und wird per Schiff zum Testzentrum gebracht.

Ein Schwertransport rollt durch die nächtlichen Straßen.
Jeweils mehr als sechs Meter breit und hoch, rund 14 Meter lang und etwa 60 Tonnen schwer – das sind die Maße des Containers, in dem sich die Oberstufe befindet. Bild: Radio Bremen | Sven Weingärtner

Für Raketen-Oberstufen wurden Bremens Straßen nicht gebaut. Vor allem die Brücken und Oberleitungen der Straßenbahnen sind hinderlich auf dem Weg vom Bremer Werk der Ariane Group in der Airport-Stadt zum Neustädter Hafen. Aber es gibt ja kaum ein Hindernis, das sich nicht aus dem Weg räumen lässt. Oberleitungen lassen sich anheben, zu niedrige Brücken über Umwege umfahren – im Zweifel auch mal in entgegengesetzter Fahrtrichtung über die Bundesstraße B75 – und gegen Schnee auf der Fahrbahn hilft ein extra georderter Streuwagen.

Geübt sind Polizei und Schwertransportfirma die Strecke schon von den Fahrten mit der ebenfalls in Bremen hergestellten Oberstufe für die Ariane 5-Rakete. Routine kommt trotzdem nur bedingt auf: An einer Stelle wollte sich eine Ampel nur mit Mühe beiseitedrehen lassen, an anderer Stelle nahm der Auflieger die Grasnarbe mit. Letztlich erreichte der Transport aber in den frühen Morgenstunden sein Ziel: den Neustädter Hafen. Von dort geht es für die Oberstufe per Schiff weiter – die Weser runter zur Nordsee und wieder rauf über den Rhein und den Neckar bis zum Testzentrum des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt in Lampoldshausen.

Für die Beschäftigten des Bremer Ariane 6-Zentrums war die erste Auslieferung der neuen Oberstufe ein Meilenstein. Einige der 250 an der Oberstufe beteiligten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter harrten in der Nacht so lange aus, bis sich der Schwertransport vom Werksgelände aus auf den Weg machte. Diesen Moment hat sich auch Standortleiter Jens Laßmann nicht nehmen lassen. Nach jahrelanger Arbeit wurde das erste neue Produkt auf den Weg geschickt. Auch wenn es "nur" zum Testen gehe, sei das fast wie ein Erstflug.

Auf der Oberstufe, aber auch insgesamt auf der neuen Ariane 6-Rakete lastet ein enormer Druck. Das weiß auch der Produktionschef der ArianeGroup, Karl-Heinz Servos. Er sei aber zuversichtlich, dass die Ariane 6 konkurrenz- und zukunftsfähig ist. Die Kosten seien gegenüber des Vorgängermodells um mehr als 40 Prozent gesenkt worden und die Rakete auf die Bedürfnisse der Kunden zugeschnitten.

Eigentlich hätte die Ariane 6 bereits im vergangenen Jahr starten sollen. Auch coronabedingt verschiebt sich der Erststart allerdings bis 2022.

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  • Sven Weingärtner Redakteur und Autor

Dieses Thema im Programm: Bremen Eins, Nachrichten, 29. Januar 2021, 10 Uhr