Schadet der 5G-Mobilfunkstandard der Gesundheit?

Ab heute werden die 5G-Mobilfunkfrequenzen versteigert. Zugleich wird über Gesundheitsgefahren der Technik diskutiert. Ein Bremer Forscher hat dazu eine klare Meinung.

Arbeiter installiert einen Funkmasten für Mobilfunk.
Der Streit um die Strahlungsgefahren durch Funkmasten ist durch die 5G-Auktion wieder aufgeflammt. Bild: Imago | MiS

Seit heute werden die Frequenzblöcke für die neue Mobilfunkgeneration 5G versteigert. Die Technik gilt als Grundlage für autonomes Fahren, das Internet der Dinge und datenhungrige Anwendungen für Industrieanlagen. Im Vergleich zum bisherigen 4G-Mobilfunk werden dafür jedoch erheblich mehr Sendemasten gebraucht, höhere Frequenzen genutzt und ein Vielfaches an Datenmenge übertragen.

Dies könnte auch gesundheitliche Folgen für den Menschen haben. Davor hat jetzt zumindest die Präsidentin des Bundesamtes für Strahlenschutz (BfS), Inge Paulini gewarnt.

Deutlich höhere Datenübertragungsmengen, neue und zusätzliche Sendeanlagen und höhere Frequenzen verändern die Strahlungsintensitäten – diese müssen untersucht werden

Inge Paulini, BfS-Präsidentin

Es wäre nicht das erste Mal, dass Forscher sich dieses Themas annehmen. Zu jenen, die bereits in der Vergangenheit elektromagnetische Strahlungen untersucht haben, gehört beispielsweise Alexander Lerchl. Der Biologe, der an der Bremer Jacobs University lehrt, forschte 2015 beispielsweise im Auftrag des BfS an Mäusen, um ihre Reaktion auf elektromagnetische Strahlung zu testen.

Das Ergebnis: Die Strahlung förderte das Wachstum von Tumoren. Allerdings, so Lerchl, seien diese Ergebnisse nicht ohne weiteres auf Menschen übertragbar. So wurden die Mäuse ihr Leben lang der Strahlung ausgesetzt, außerdem seien die inneren Organe bei Menschen besser geschützt.

Für uns Normalbürger ändert sich wahrscheinlich auch mit dem 5G-Standard wenig

Alexander Lerchl, Professor an der Jacobs University

Zumal die Strahlenbelastung gerade nicht durch die Mobilfunkmasten selbst, sondern durch die Endgeräte verursacht werde. "Ein Smartphone, das Sie einen Zentimeter neben ihren Kopf halten, spielt eine größere Rolle als ein Mast, der Vis-à-Vis zu Ihrem Haus installiert ist."

Nicht jeder teilt indes die Ansichten des Bremer Forschers. So hatten bereits vor zwei Jahren 180 Wissenschaftler in einem offenen Brief vor Gesundheitsgefahren beim neuen Mobilfunkstandard gewarnt. Und in Berlin, wo der 5G-Standard bereits getestet wird, forderte jüngst der Biochemie-Professor Franz Adlkofer im Sender RBB, genau diese Experimente zu beenden. "Was Industrie und Politik sich gegenwärtig mit der Einführung von 5G erlauben, ist Hasardieren in höchstem Maße und absolut verantwortungslos", so der Forscher.

Nichtexistenz des Effekts bleibt unbewiesen

"Wir als Wissenschaftler können die Nichtexistenz eines Effekts niemals behaupten", sagt auch Lerchl. Dennoch rät er abzuwarten, und das aus zwei Gründen: "Erstens sind wir von elektromagnetischen Feldern schon seit mehr als hundert Jahren umgeben – seit es den Rundfunk gibt." Starke UKW-Sender wie beispielsweise die Rundfunkmasten in Bremen hätten niemanden gekümmert. Dabei sei deren Sendeleistung um ein Zigfaches höher gewesen als die heutiger Mobilfunkmasten.

"Zweitens gibt es keine belegten biologischen Effekte elektromagnetischer Strahlen, abgesehen von deren Wärmewirkung", sagt Lerchl. Und auf dieser Grundlage gebe es von der Weltgesundheitsorganisation bestätigte Grenzwerte bis zu 6 Gigahertz. Zum Vergleich: Die 41 Frequenzblöcke, die ab heute versteigert werden, liegen in den Frenquenzbereichen 2 und 3,4 bis 3,7 Gigahertz.

Tatsächlich sei es so, dass sich jedes Mal, wenn ein neuer Mobilfunkstandard komme, Wissenschaftler fänden, die dagegen seien, so Lerchl. "Die wissenschaftlichen Meinungen klaffen da eben erheblich auseinander."

  • Kristian Klooß

Dieses Thema im Programm: Bremen Eins, Der Tag, 19. März 2019, 23:30 Uhr