Interview

Meyer-Heder: "Ich kann mir Merz als Minister gut vorstellen"

Der Bremer CDU-Landeschef Carsten Meyer-Heder war einer der 1001 Delegierten des digitalen Parteitags. Den Ausgang begrüßt er und hofft auf die Integration von Friedrich Merz.

Bremens CDU-Landesvorsitzender Carsten Meyer-Heder sitzt vor einem Bildschirm, auf dem Markus Söder zu sehen ist.
CDU-Landeschef Carsten Meyer-Heder (rechts) beim Neujahrsempfang der Bremer CDU vor der Video-Botschaft von Markus Söder. Auch den kann Meyer-Heder sich im Kanzleramt vorstellen. Bild: Radio Bremen
Herr Meyer-Heder, wo und wie haben Sie den digitalen CDU-Bundesparteitag absolviert? Im Büro, auf der Couch oder am Esstisch?
Bei mir mischt sich das so ein bisschen, weil ich ja über meiner Firma wohne. Es war in der Tat ein wenig gemischt. Ich war zum Teil unten im Café, wo ja keiner war. Und zum Teil zu Hause.
Und wie hat Ihnen der digitale Parteitag gefallen?
Naja, das ist ja nun bestenfalls ein guter Plan B gewesen, ehrlich gesagt. Nicht zu vergleichen mit einem Präsenz-Parteitag. Aber ich komme ja aus der IT und so weiß ich, was da alles schiefgehen kann. Gerade deswegen war ich ganz froh, dass im Wesentlichen alles auch technisch gut funktioniert hat.

Laschet kann die Partei gut zusammenhalten.

CDU-Politiker Carsten Meyer-Heder.
Carsten Meyer-Heder, CDU-Landesvorsitzender
Sie haben im Vorfeld für Norbert Röttgen getrommelt, der nach dem ersten Wahlgang raus war. Verraten Sie, für wen Sie dann im zweiten votiert haben?
Na ja, das kann man sich ja vielleicht denken. Ich war ja für Röttgen, weil er diesen Teamgedanken herausgestellt und gesagt hat: Es muss nicht automatisch der Parteivorsitzende auch Kanzlerkandidat sein. Und das hat Laschet jetzt ja auch gesagt und deswegen bin ich ganz froh, dass Laschet es geworden ist. Laschet kann die Partei gut zusammenhalten. Und dann müssen wir im März, April, Mai mal gucken, wer wirklich der beste Kanzlerkandidat ist. Das muss der sein, der die meisten Stimmen auf sich vereinen kann. Darum geht es ja, die Bundestagswahl zu gewinnen.

Ziel: Sieg bei der Bundestagswahl

Das ist die verbreitete Sichtweise: Am Wochenende wurde noch nicht der nächste Kanzlerkandidat gewählt. Schwächt das nicht den frischgebackenen Parteichef, wenn er gegen alle Tradition der CDU nicht vom Start weg als der unumstrittene Kanzlerkandidat gilt? Mehr Distanzierung ist ja kaum vorstellbar.
Ich finde eher, es stärkt ihn. Das ist ja pragmatisch zu überlegen: Die nächsten drei Monate werden so entscheidend sein, dass ich glaube, es ist jetzt schwer vorherzusagen, wo stehen die Personen denn im April. So hat es ja auch Markus Söder noch einmal gesagt: Wir entscheiden es dann gemeinsam, wer der beste Kandidat ist, um die Wahl zu gewinnen.
Und haben Sie einen Tipp? Söder? Spahn? Oder Sie selbst?
Also das kann ich ausschließen (lacht). Aber ich habe noch keinen Tipp. Ich sehe das auch leidenschaftslos. Wir müssen die Wahl gewinnen, das sehe ich leidenschaftsvoll. Ich möchte ja kein Rot-Rot-Grün im Bund. Das bringt unsere Republik nicht voran. Und deswegen müssen wir im April gucken, wer der beste Kandidat ist. Und wer es dann wird, den werden wir mit voller Kraft unterstützten, egal ob Söder oder Spahn. Oder noch jemand ganz anderes.
Genau. Vielleicht tritt Friedrich Merz ja nochmal an. Wie hat Ihnen denn seine unerbetene Offerte gefallen, das Wirtschaftsministerium zu übernehmen?
Also gar nicht mal so schlecht. Es kommt nur zum falschen Zeitpunkt. Herrn Merz in eine wie auch immer geartete Regierung zu integrieren, halte ich für richtig. Ich halte ihn für einen durchsetzungswilligen und durchsetzungsstarken Politiker. Ich glaube, dass er Dinge bewegen kann. Und ich kann ihn mir als Wirtschaftsminister gut vorstellen. Aber jetzt ist natürlich überhaupt nicht der Zeitpunkt darüber zu diskutieren, sondern nach der nächsten Wahl. Es war ja klar, dass Frau Merkel ihn nicht ins Kabinett holt, zumal das Wirtschaftsressort mit Peter Altmaier ja ganz gut besetzt ist.

Das Timing von Merz war nicht gut.

CDU-Politiker Carsten Meyer-Heder.
Carsten Meyer-Heder, CDU-Landesvorsitzender
Wie fanden Sie denn diese kühle Reaktion von Angela Merkel?
Ach erwartungsgemäß. Was soll sie jetzt auch machen. Das ist ja jetzt keine Option.Ich weiß nicht, was Merz da geritten hat, das Timing war nicht gut. Aber er hat signalisiert, dass er gern helfen möchte, und das finde ich grundsätzlich gut. Also wir müssen einfach die besten Leute an den Start kriegen, um diese Wahl zu gewinnen. Und wenn er dabei eine Rolle kriegt, wäre ich froh darüber.
Sie sind ja nun noch immer relativ neu in der Politik und das war ihr erster Bundesparteitag als Delegierter. Waren Sie ein bisschen aufgeregt?
Mir war schon bewusst, dass es eine bedeutungsvolle Aufgabe ist. Dass diese Entscheidung wirklich sehr, sehr maßgeblich ist. Aber aufgeregt war ich nicht. Doch der Parteitag – das fand ich eine spannende Veranstaltung.

"Kurzweiliger Parteitag"

Nun sind Sie ein erfahrene Unternehmer, der stark auf Strukturen und konzentrierte Arbeit achtet. Wie kommt Ihnen da eigentlich so ein Prozedere mit 1001 Delegierten vor? Egal ob nun in Präsenz oder virtuell. Können Sie das ertragen? Oder denken Sie die ganze Zeit: 'Leute, nun kommt mal auf einen Punkt'?
Nein. Ich meine, wir haben das am Freitag mit drei und Samstag mit noch mal vier Stunden erledigt. So straight habe ich Politik lange nicht erlebt. Das war jetzt kurzweilig. Das habe ich schon viel schlimmer erlebt.

So reagiert Bremens CDU auf die Wahl von Armin Laschet

Video vom 16. Januar 2021
Armin Laschet und Friedrich Merz auf Monitoren
Bild: Imago | Xinhua

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Autor

  • Karl-Henry Lahmann

Dieses Thema im Programm: Bremen Eins, Der Morgen, 18. Januar 2021, 8:40 Uhr