Meinungsmelder Befragung

Online-Glücksspiel – für viele Meinungsmelder noch zu lax geregelt

Computercursor auf einem Spieltisch neben Spielkarten und Jetons (Symbolbild)
Bild: DPA | Bildagentur-online/Ohde
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Ab dem 1. Juli ist Online-Glücksspiel in ganz Deutschland erlaubt. Für die Radio Bremen Meinungsmelder bedeutet dies vor allem eins: ein erhöhtes Suchtrisiko.

Anfang Juli tritt der neue Glücksspielstaatsvertrag in Kraft, auf den sich Bremen und die anderen 15 Bundesländer nach jahrelanger Debatte geeinigt haben. Auf Glücksspieler kommen somit wichtige Änderungen zu – zum Beispiel gesetzliche Einzahlungslimits und Sperrmöglichkeiten für Spielsüchtige.

Ein Kernpunkt des neuen Staatsvertrags ist die bundesweite Legalisierung des Online-Glücksspiel. Denn bislang waren Online-Casinos, digitale Wettanbieter und Co. nur in Schleswig-Holstein erlaubt, in Bremen und anderen Bundesländern hingegen nicht.

Die von Radio Bremen befragten Meinungsmelder sehen das größtenteils kritisch. Auf die Frage, was sie von der Legalisierung des Online-Glücksspiels halten, senken 84 Prozent der 1.711 Befragten den Daumen. Nur 10 Prozent befürworten die neue Regelung.

Suchtpotenzial ist Hauptgrund für Ablehnung

Einer der Hauptgründe für die breite Ablehnung des Online-Glücksspiels ist den Befragten zufolge die Suchtgefahr. Die Mehrheit der Meinungsmelderinnen und Meinungsmelder schätzt sie als deutlich oder zumindest etwas höher ein als beim Offline-Glücksspiel.

Ist das Suchtpotenzial beim Online-Glücksspiel höher als offline?

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Die Entscheidung zur Legalisierung ist "ein Fehler, das Risiko einer Spielsucht steigt", schreibt ein 46-jähriger Meinungsmelder aus Bremen stellvertretend in seinem Kommentar.

Mangelnde Kontrolle und niedrigere Hemmschwelle befürchtet

Neben der Suchtgefahr sprechen aus Sicht vieler Radio Bremen Meinungsmelder noch weitere Gründe gegen eine Legalisierung. Dazu zählt zum Beispiel die fehlende soziale Kontrolle. So würden in den Spielhallen immer mehr Regeln zur Unterbindung unkontrollierten Spielverhaltens verordnet, schreibt der 59-jährige Torsten Buldtmann aus Stuhr. Im Onlinebereich falle das ja wahrscheinlich weg. Wo blieben da die Regularien? "Es ist, was die Spielprävention betrifft, ein absoluter Rückschritt", so Buldtmann.

Online-Glücksspiel ist gerade deshalb gefährlich, weil eine potenzielle Suchterkrankung damit komplett im Verborgenen, ohne jegliche soziale Kontrolle, stattfindet.

Andreas Ernst, 38-jähriger Meinungsmelder aus Habenhausen

Auch die geringe Hemmschwelle des Online-Glückspiels sehen mehrere der Befragten mit Sorge. So sei die Zugangshürde beim Online-Glücksspiel noch niedriger als beim analogen Glücksspiel, schreibt eine 72-jährige Bremerin. Dies werde "noch mehr Menschen in finanzielles und psychisches Unglück bringen". Die 49-jährige Barbara Lukaschewsky aus der Bremer Neustadt schreibt dazu: "Das ist eine Katastrophe, weil die Hürden jetzt noch geringer sind."

Meinungsmelder weisen auf Schuldenrisiko hin

Nicht zuletzt werden auch die finanziellen Folgen als wichtiger Grund gegen die Legalisierung des Online-Glücksspiels genannt. "Ich sehe da großes Potenzial für massive Schulden, dank PayPal und Co. kann man zu schnell den Überblick verlieren, besonders junge Leute sehe ich da gefährdet", schreibt ein 39-jähriger Meinungsmelder aus Bremen.

Die Stadt ist schon zugepflastert mit Spielhallen. Wenn jetzt jede/r von zuhause spielen kann, geht es für viele noch mehr in die Schulden.

67-jährige Meinungsmelderin aus Bremen

Jugendschutz, Kontrollen und Limits gefordert

Doch wie könnten Menschen, die online wetten oder spielen, geschützt werden? Nach geeigneten Maßnahmen befragt, gaben die Meinungsmelder sehr unterschiedliche Antworten.

Welche Schutzmaßnahmen finden Sie besonders wichtig?

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Das zentrale Element im Bereich des Schutzes von Spielerinnen und Spielern ist den Befragten zufolge der Jugendschutz (82 Prozent). Sogar 93 Prozent der Befragten fordern entsprechend strenge Regeln bei der Werbung für Online-Glücksspiele. Diese Regeln sollten den Vorgaben für Alkohol oder Zigaretten nicht nur entsprechen, sondern gegebenenfalls noch umfassender sein. Das hieße unter anderem: Keine Werbespots mehr im Fernsehen, keine Plakatwerbung.

"Werbung für Produkte, die ein Suchtpotenzial haben, sollte grundsätzlich verboten werden", sagt Verena Schröder. Bei der Beschneidung der Rechte auf Werbung befürchtet die 48-jährige Meinungsmelderin aus Bremerhaven allerdings den Widerstand der Wirtschaft, die vom Glücksspiel profitiert. Auch andere teilen ihre Meinung.

Für Online-Glücksspiele oder Glücksspiele allgemein sollte eigentlich gar keine Werbung gemacht werden, genau wie für Alkohol und Tabak. Solche Sachen müssen nicht beworben werden. Das fördert das Ganze ja noch viel viel mehr.

Meinungsmelder Helmut Haase, 59, aus Alt-Osterholz

Neben dem Jugendschutz (82 Prozent) und der damit verknüpften Werbung befürworten die Befragten auch staatliche Anbieterkontrollen (77 Prozent). 76 Prozent der Meinungsmelderinnen und Meinungsmelder halten zudem ein persönliches Limit beim Geldeinsatz für besonders wichtig. Eine Maßnahme, die auch im neuen Glücksspielstaatsvertrag aufgegriffen wird. So sieht das Gesetz ein Einzahlungslimit für Spielerinnen und Spieler von monatlich 1.000 Euro vor.

Diesen konkreten Betrag empfinden allerdings 74 Prozent aller Befragten als generell zu hoch. Nur 11 Prozent der Meinungsmelder befürworten das Limit von 1.000 Euro oder eine höhere Summe. Einige der Befragten nennen in den Kommentaren auch Beträge, die sie für angemessener halten. Diese liegen zwischen 50 und 500 Euro. Darüber hinaus werden einkommensbasierte Limits vorgeschlagen.

Meinungsmelder für Verbote und Verpflichtungen

Auch eigene Vorschläge, die aus ihrer Sicht den Schutz von Spielerinnen und Spielern von Online-Glücksspielen unterstützen würden, werden von den Befragten genannt. Dazu zählen:

  • ein generelles Verbot von Online-Glücksspielen,
  • die Verpflichtung der Anbieter von Online-Glücksspielen über die Gewinnchancen aufzuklären,
  • ein manipulationsfreies Identifikationsverfahren bereitzustellen oder
  • anbieterübergreifende Sperrverzeichnisse einzusetzen.

Letzterer Punkt gehört zu jenen, die im neuen Glücksspielstaatsvertrag ab sofort bundeseinheitlich geregelt sind. Auch Bremer Glücksspielsüchtige nutzen das bundesweite Sperrsystem bereits.

Auch nach der Rolle des Staates wurden die Meinungsmelder befragt. Dieser kann zwar, aber sollte nach Ansicht der Befragten nicht unbedingt vom Glücksspiel und den damit verbundenen Steuereinnahmen profitieren, so die Meinung.

Sollte der Staat von Steuereinnahmen durch Glücksspiel profitieren?

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52 Prozent der Befragten finden es zwar berechtigt, knüpfen jedoch zum Teil Bedingungen bezüglich der Verwendung der Mittel daran. Dazu zählen beispielsweise die Finanzierung von Therapiemaßnahmen sowie Angeboten zur Suchtprävention.

36 Prozent lehnen es direkt ab, das der Staat am Glücksspiel Geld verdient. Verschiedene Befragte beschreiben das als "unethisch", "heuchlerisch" oder "verwerflich". "Damit verdient der Staat an der Krankheit von Menschen und das ist nicht in Ordnung", schreibt eine 70-jährige Meinungsmelderin aus Bremen.

Bremens Innensenator prognostiziert steigende Zahl an Spielsüchtigen

Video vom 25. Juni 2021
Innensenator Ulrich Mäurer im Studio von buten un binnen
Bild: Radio Bremen
Bild: Radio Bremen

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Autor

  • Kristian Klooß Autor

Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 1. Juli 2021, 19:30 Uhr