Meinungsmelder

Umfrage zum Bau-Boom: mutig, grün und bitte nicht zu hoch

Welche Architektur ist erwünscht, wo soll gebaut werden – und was kann weg? Das sind die Antworten der Radio Bremen-Meinungsmelder.

Radio Bremen-Meinungsmelder: "Altes bewahren oder Neues wagen?"

Die Bremer Galopprennbahn aus der Luft aufgenommen.

Bau-Boom: Altes bewahren oder Neues wagen? Für die von Radio Bremen befragten Meinungsmelder ist das keine Entweder-Oder-Entscheidung. In der aktuellen Umfrage gibt sich die Mehrheit der 517 Menschen aus Bremen, Bremerhaven und umzu, die unsere Fragen beantwortet haben, pragmatisch. So stimmen knapp vier Fünftel von ihnen zu, dass manchmal alte Dinge weichen müssen, um Platz für Neues zu schaffen.

Welche Gebäude weichen dürfen, darüber sind die Meinungen schon geteilter. 76 Prozent der Umfrage-Teilnehmer sehen die historische Bedeutung eines Gebäudes als ausschlaggebend an, 70 Prozent nennen die Architektur als einen Grund für den Erhalt. Gebäude, die typisch für die Region sind, würden 64 Prozent der Frauen unter den Meinungsmeldern, eher stehen lassen – bei den Männern teilt nur jeder zweite diese Ansicht.

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Konkret danach befragt, wann Gebäude abgerissen werden sollten, sticht hingegen kein Grund hervor. Prinzipiell können sich die Befragten dann mit einem Abriss arrangieren, wenn Bauwerke in einem schlechten Zustand sind, nicht umgebaut oder umfunktioniert werden können und nicht mehr gebraucht werden. So sollten Gebäude nach Ansicht einiger Befragten abgerissen werden, wenn sie baufällig, heruntergekommen und nicht mehr "schön" sind. Ein 70-jähriger Bremer nennt dazu auch ein Beispiel: "[Wenn sie] an ihrem Standort so unpassend und potthässlich sind wie insbesondere das als Pissoir verkommene Turm-Kunstwerk an der Domsheide."

Es gibt jedoch auch Meinungsmelder, die sich explizit gegen den Abriss von Gebäuden aussprechen.

Der Abriss von Gebäuden ist eine Ressourcenverschwendung, das sollte vermieden werden. Umnutzung und Umbau sollten Vorrang haben vor Abriss.

40-jährige Meinungsmelderin aus Bremen

Meinungsmelder fordern Mut statt Mainstream

Viele sprechen sich hingegen für eine differenzierte Betrachtung darüber aus, ob Umbau oder Umnutzung Vorrang vor dem Abriss haben sollten. Außerdem werden auch einzelne Prestige-Projekte, die als Alleinstellungsmerkmal für das Land Bremen dienen könnten, gefordert. Die bisherigen neuen Bauprojekte – vor allem in der Bremer City und Überseestadt – werden unter anderem als zu "mainstream" und "belanglos" bezeichnet. Als Beispiel, wie es anders gehen könnte, nennen einige die Entwürfe des Architekten Daniel Libeskind für ein Hochhaus-Ensemble am Brill, wobei nicht alle diese Meinung teilen.

So wünschen sich die befragten Meinungsmelder einerseits zwar mehr Mut. Andererseits finden 29 Prozent der Befragten, dass darauf geachtet werden sollte, neue Gebäude nicht zu hoch zu bauen. Beispielsweise ragte das höchste der vier im Entwurf geplanten Libeskind-Hochhäuser 98 Meter in den Himmel – und ist damit fast so hoch wie die Bremer Domspitzen.

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Nicht zuletzt wurden die von Radio Bremen befragten Meinungsmelder auch um Antwort darauf gebeten, was in ihrer Region fehlt und gebaut werden sollte. Die meisten Vorschläge – insgesamt 142 – bezogen sich dabei auf ein generelles Mehr an Wohnungen, aber auch darauf, dass diese bezahlbar und barrierefrei sind.

Ebenfalls wichtig sind den Meinungsmeldern zufolge Kindertagesstätten und Schulen sowie Möglichkeiten, um sich zu begegnen. Letztere verbinden viele mit Grünflächen, deren Erhalt mehr als zwei Drittel der Befragten bei Neubauten fordern.

Ich wohne in der Überseestadt. Hier wird so dicht gebaut, dass es kaum Orte zum Verweilen gibt. Und genau das macht die Überseestadt unattraktiver. Wenn ich da an den Europahafenkopf denke. Der Ort wäre ideal gewesen für alle Bewohner

54-jähriger Meinungsmelder aus Bremen

Angesichts der Debatte um die Bebauung der Galopprennbahn in Bremen-Vahr, wurden die Leser, Zuhörer und Zuschauer von Radio Bremen ebenfalls nach ihrer Meinung gefragt. Hier korrespondiert das Ergebnis mit den anderen Antworten der Meinungsmelder. 85 Prozent stimmen der Bebauung der Galopprennbahn mit Wohnungen zwar zu, allerdings nur unter bestimmten Bedingungen.

  • Kristian Klooß

Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 3. Mai 2019, 19:30 Uhr