Infografik

ÖPNV-Umfrage: Meinungsmelder finden Bus und Bahn zu teuer

Radio Bremen hat seine Meinungsmelder zum öffentlichen Personennahverkehr befragt. Ihr Urteil: Zu teuer. Beliebtestes Verkehrsmittel ist deshalb ein anderes.

Eine fahrende Straßenbahn in Bremen.

Wie wünschen Sie sich den öffentlichen Nahverkehr? Diese Frage hat Radio Bremen seinen "Meinungsmeldern" gestellt. Und 925 Zuschauer, User und Hörer haben sich an der Umfrage zum öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) beteiligt. Fast alle Befragten nutzen demnach den ÖPNV. Viele fahren mehrmals die Woche oder sogar täglich mit Bus und Bahn. Dennoch würden über 32 Prozent von ihnen auf das Fahrrad und immerhin 17 Prozent auf das Auto setzen, müssten sie sich für nur ein Verkehrsmittel entscheiden.

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Dies liegt nach Aussage der Befragten häufig an schlechten Verbindungen oder Taktungen von Bussen und Bahnen. Für viele ist der wichtigste Kritikpunkt jedoch ein anderer: die Kosten des ÖPNV. Gut zwei Drittel der Befragten sehen die 2,80 Euro, die in der Stadt Bremen derzeit für eine einfache Fahrt gezahlt werden müssen, als zu hoch an. Sie wären eher bereit, ein bis zwei Euro zu zahlen. Zum Vergleich: Nur ein Prozent der Befragten ist mit der Preis- und Tarifgestaltung zufrieden.

Gruppen fahren günstiger mit dem Auto

Im Preisniveau liegt Bremen zwar nicht höher als vergleichbare Städte. So kostet ein Einzelticket in Hannover ebenfalls 2,80 Euro, in Leipzig 2,70 Euro. Das Preisthema wird dennoch vielfach kommentiert. So wird unter anderem darauf verwiesen, dass gerade bei der Fahrt mit mehreren Personen das Auto aus Kostengründen vorgezogen wird.

Wenn mein Mann und ich (beide Rentner) in die City wollen, zahlen wir gemeinsam hin und zurück über 10 Euro (mit BOB-Ticket). Da kommt es deutlich billiger, mit dem Auto ins Parkhaus zu fahren. Das kann doch nicht richtig sein. Daher sollten die Parkhäuser deutlich teuer werden, um so die BSAG zu subventionieren.

63-jährige Meinungsmelderin aus Bremen

Ein 30-jähriger Meinungsmelder kommt zu einem ähnlichen Schluss: "Für den aktuellen Preis rechnet sich der öffentliche Nahverkehr nicht, da selbst ein viel verbrauchendes Auto günstiger ist. Eine normale Fahrt vom Zentrum nach Gröpelingen und zurück kostet fast sechs Euro, selbst mit BOB Karte über fünf Euro. Umgerechnet in Benzin kann man die Strecke zwei bis drei Mal hin- und zurückfahren."

Vorschläge für die Preisgestaltung

Straßenbahn und Autoverkehr in der Bremer Neustadt.
Fahrrad statt ÖPNV oder Auto: So haben viele Meinungsmelder entschieden.

Entsprechend werden von den Meinungsmeldern auch mehrfach Preissenkungen angeregt, beispielsweise für Schüler, Arbeitslose oder Rentner. Ein Thema, das auch die Bremer Politik vor den am 26. Mai anstehenden Bürgerschaftswahlen bewegt. So verspricht Bremens Bürgermeister Carsten Sieling (SPD) bei einem Wahlsieg, sich für kostenlosen öffentlichen Personennahverkehr für Minderjährige einzusetzen. Doch auch die anderen Parteien werben für ihre Verkehrskonzepte – die Vorschläge reichen von einer Seilbahn durch die Überseestadt bis hin zum kostenlosen ÖPNV für alle. Einen kostenlosen ÖPNV für alle lehnt der Bremer Verkehrssenator Joachim Lohse (Grüne) jedoch ab.

Es gibt keinen kostenlosen Nahverkehr. Nahverkehr ist teuer und die Frage ist, wie man das Geld aufbringt.

Joachim Lohse, Senator für Bau, Umwelt und Verkehr (Grüne)

Für den kostenlosen Nahverkehr trommelt seit Februar auch die Bürgerinitiative "Einfach Einsteigen". Finanzieren will sie dies durch Abgaben von allen Bürgern und Firmen. Auf die Nachfrage, was die Radio Bremen Meinungsmelder von der Idee halten, den öffentlichen Nahverkehr in Bremen, Bremerhaven und umzu kostenlos anzubieten, zeigt sich, dass die Mehrheit den Vorschlag begrüßt: 66 Prozent der Befragten finden die Idee eindeutig oder eher richtig.

Kostenlos alleine reicht nicht

Doch nicht jeder hält die Umsetzung für realistisch. Zudem knüpfen die Befragten den Vorschlag häufig an Bedingungen. So sollten beispielsweise vorab Verbindungen ausgebaut und Taktungen erhöht werden. Denn nur so könne das wegen der Kostenlosigkeit erwartbar höhere Fahrgastaufkommen abgefedert werden. Nicht alle betrachten einen kostenlos nutzbaren Nahverkehr jedoch als notwendig. 19 Prozent aller Radio Bremen Meinungsmelder lehnen die Idee sogar ab.

Halte ich nichts davon. Leistungen kosten, egal wo. Hier muss das Alles-nur-billig-haben-wollen mal aufhören. Ein kostenfreier Nahverkehr geht zu Lasten aller, auch derer, die ihn nicht nutzen.

73-jährige Meinungsmelderin aus Bremen

Auch, wenn der ÖPNV mit Lohse nicht kostenlos werden soll, sei es wichtig, dass das Stadtticket und das Sozialticket günstiger werden. Für die Finanzierung müsse natürlich trotzdem gesorgt werden. "Das heißt, jeder Vorschlag, weniger über Tickets einzunehmen, muss gegenfinanziert werden durch Geld aus anderer Quelle", sagt Lohse.

Über eben diese Finanzierung sind auch die Meinungsmelder unterschiedlicher Meinungen. Kontrovers wird darüber abgestimmt. So befürworten 24 Prozent der Befragten die Idee, dass alle gleichviel für den öffentlichen Nahverkehr zahlen, unabhängig davon, wie viel Einzelne ihn nutzen. 20 Prozent sind hingegen für die Idee, Unternehmen an den ÖPNV-Kosten zu beteiligen.

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An Ideen zur Finanzierung mangelt es den Meinungsmeldern nicht. Wobei auch andere Städte als Vorbild genannt werden. Beispiel Wien: Dort wird die ÖPNV-Jahreskarte für 365 Euro angeboten – umgerechnet fährt man also für einen Euro am Tag. Das Modell, für das in Bremen beispielsweise die Grünen politisch werben, wird auch von Meinungsmeldern als eine Variante erwähnt.

Es sollte […] so etwas wie das Wiener 365-Euro-Jahresticket geben. Dann aber für den gesamten VBN-Bereich, differenziert nach Größe des befahrbaren Bereiches. Das Ticket also nicht nur für die Stadt Bremen.

70-jährige Meinungsmelderin aus Niedersachsen

Als nachahmungswert gelten manchen Befragten die Beispiele London und Groningen. Dort zahlen ÖPNV-Nutzer einen Preis, der sich nach der tatsächlich gefahrenen Strecke und den zurückgelegten Haltestellen richtet. In Bremen hingegen kostet ein normales Einzelticket stets 2,80 Euro, in Bremerhaven 2,50 Euro.

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  • Kristian Klooß

Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 18. April 2019, 19:30 Uhr