Meinungsmelder

Großteil der Meinungsmelder fordert längeren Lockdown

Nur ein Viertel der fast 3.800 Befragten spricht sich vor dem Bund-Länder-Treffen für Lockerungen aus. Viele geben der Politik in der Pandemie schlechte Noten.

Video vom 21. März 2021
Eine Schlange von Menschen, die vor einem Einzelhandel steht und wartet.
Bild: Radio Bremen
Bild: Imago | Chris Emil Janßen

Sollte die Politik die Corona-Maßnahmen lockern, beibehalten oder verschärfen? Diese Frage beschäftigt die Menschen in Bremen und umzu vor dem morgigen Bund-Länder-Treffen offensichtlich sehr. 3.792 Personen haben sich an unserer Befragung zum Thema beteiligt – so viele wie noch nie bei einer Meinungsmelder-Befragung.

Mehrheit für schärfere Corona-Maßnahmen

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Das Votum der Befragten fällt eindeutig aus: Sie sprechen sich zu 45 Prozent für Verschärfungen der aktuellen Corona-Schutzmaßnahmen aus. Beispielhaft argumentiert die 65-jährige Ute Proppe aus Bremen-Nord.

Die dritte Welle rollt. Ich denke, ein erneuter und echter Lockdown kann dazu führen, dass wir im Sommer wieder alles das machen können, worauf wir so lange verzichten mußten. Halbe Sachen, wie in den letzten Monaten, erscheinen mit wenig sinnvoll.

Meinungsmelderin Ute Proppe

Lediglich 25 Prozent der Befragten fordern dagegen Lockerungen der Schutzmaßnahmen. Dazu muss man wissen: Die Befragung hat am Donnerstag stattgefunden. Zu diesem Zeitpunkt lagen die Sieben-Tage-Inzidenzen der neu mit Corona Infizierten sowohl in Bremen und Niedersachsen als auch bundesweit noch deutlich unter den heutigen Werten.

Was die Befragten gern unternähmen

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So sehr sich die Mehrheit der Befragten auch gegen Lockerungen der geltenden Schutzmaßnahmen ausspricht, sehnen sich doch viele nach momentan untersagten Aktivitäten. So würden 60 Prozent der Befragten demnächst gern mal wieder die Außengastronomie besuchen. Auch wollen viele wieder im Einzelhandel einkaufen. Fast ein Viertel hat es auch schon getan und dabei unterschiedliche Erfahrungen mit dem Termin-Shopping gemacht.

So fasst die 69-jährige Bremerin Veronika Tessitore ihre Eindrücke vom Einkauf in einem Kaufhaus der Innenstadt so zusammen: "Geisterhaft, kaum Kunden und Verkäufer. Leere Regale. Unheimlich still, weil keine Musik spielte. Dann die Maske. Nein, das hat keinen Spaß gemacht."

Die 30-jährige Angie Köhler aus der Neustadt dagegen sagt: "Ich bin sehr dankbar über das Termin-Shopping. Wir bauen ein Haus, und langsam geht es an die Einrichtung. Da ist es gut, dass man vor Ort das Sofa, Tisch, Stühle mal live ansehen und ausprobieren kann."

Politik in der Kritik

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Haben sich die Teilnehmenden bei früheren Radio Bremen Meinungsmelder-Befragungen noch überwiegend zufrieden mit dem Krisenmanagement der Politik in der Corona-Pandemie gezeigt, so ist die Stimmung mittlerweile gekippt. Entsprecht erklärt der 67-jährige Bremer Klaus Pelz: "Das Krisenmanagement war Anfangs der Pandemie sehr gut. Inzwischen wissen sie nicht mehr, was sie machen sollen."

Insbesondere die Bundesregierung kommt bei den Befragten schlecht weg. Viele werfen ihr vor, beim Beschaffen der Impfstoffe versagt zu haben. Die Befragten geben der Bundesregierung als Durchschnittsnote eine 4 minus. Die niedersächsische Landesregierung erhält eine glatte 4, Bremen eine 3 bis 4.

Neben Fehlern bei der Beschaffung der Impfstoffe halten viele Befragte der Politik auch Intransparenz bei ihren Entscheidungen in der Pandemie vor. So charakterisiert die 37-jährige Eltje Weiß aus dem Landkreis Oldenburg Politik in der Coronakrise als „ideenlos, kraftlos und planlos“, gerade mit Hinblick auf die Schutzmaßnahmen: "Es ist halt alles nur Aktionismus und Stochern im Nebel", bemängelt sie.

Finanzsenator Strehl: Wir werden noch jahrelang für Corona bezahlen

Video vom 19. März 2021
Zwei Männer, Felix Krömer und Dietmar Strehl, sitzen sich an einer Theke gegenüber.
Bild: Radio Bremen
Bild: Radio Bremen

Autor

  • Alexander Schnackenburg Autor

Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 21. März 2021, 19:30 Uhr