Unzufriedene Patienten: Bremer Kliniken räumen Fehler ein

Patienten bewerten die Krankenhäuser in Bremen im bundesweiten Vergleich besonders schlecht. Kliniken und die Ärztekammer wehren sich – räumen aber auch Probleme ein.

Nierentransplanatation im Klinikum Bremen-Mitte.
Kliniken in Bremen schneiden bei ihren Patienten schlecht ab. Bild: Imago | EPD

Wieder mal ist Bremen Schlusslicht: In keinem Bundesland Deutschlands sind Patienten mit den Krankenhäusern so unzufrieden wie hier – zumindest einer neuen Studie der Bertelsmann-Stiftung zufolge.

Darin machen die örtlichen Krankenhäuser in den meisten wesentlichen Bereichen keine sehr gute Figur: Sowohl bei der ärztlichen Versorgung, der pflegerischen Betreuung oder der Bewertung durch die Patienten, ob sich ihr Gesundheitszustand nach dem Krankenhausaufenthalt verbessert hat.

Bei den meisten Fragen gaben mehr als ein Viertel der Befragten eine negative Rückmeldung, in Niedersachsen sieht es nur geringfügig besser aus. Im Umkehrschluss waren demnach in Bremen insgesamt 73,9 Prozent der Patienten zufrieden, in Niedersachen 76,7 Prozent.

Bei den Zahlen sei man erstaunt gewesen, wie groß deutschlandweit die Unterschiede sind, sagte Projektleiter Jan Böcken. Mit drei Viertel zufriedener Patienten im Durchschnitt habe man zwar immer noch eine gute Versorgung. Über die Unterschiede müsse man jedoch reden können.

Ärztekammer wehrt sich gegen Kritik

Die Ärztekammer Bremen will das so nicht stehen lassen. Bei der Studie würden Äpfel mit Birnen verglichen, bemängelt Ärztekammer-Präsidentin Heidrun Gitter.

Für die objektive Bewertung der Qualität in bremischen Krankenhäusern gibt es den Bericht über die externe Qualitätssicherung. Diese wird für ganz Deutschland in gleicher Weise durchgeführt. Und dabei kommt heraus, dass die Qualiät der bremischen Krankenhäuser im Bundesvergleich sogar überdurchschnittlich gut ist.

Heidrun Gitter, Präsidentin Ärztekammer Bremen

Auch die Gesundheit Nord, die die vier großen Bremer Kliniken vertritt, betont: Man müsse differenzieren. "Es sind hier vier große Akutkrankenhäuser, dementsprechend viele Notfälle gibt es, und dementsprechend schwierig ist längerfristige Planung", sagte Pressesprecherin Karen Matiszick zu buten un binnen. Beruhigtere Krankenhäuser hätten da einen Vorteil.

Damit wolle man sich aber nicht herausreden: "Wir nehmen diese Kritik sehr ernst", so Matiszick weiter. Einige Baustellen seien auch schon in Angriff genommen worden: Besonders die Bereiche Service und Organisation seien Brennpunkte, weshalb man dort in den letzten Jahren für mehr Personal, Schulungen und Qualitätsmanagement gesorgt habe. Bis sich solche Maßnahmen dann in Studien niederschlagen würden, dauert es laut Matiszick aber auch "eine ganze Zeit".

Fürs Erste wolle man sich ein paar Tage Zeit nehmen, um die Studie genau zu analysieren und herauszufinden, wo der Schuh womöglich sonst noch drückt.

Hinweise laut Gesundheitsressort wichtig

Auch im Gesundheitsressort will man die Studienergebnisse ernst nehmen, wie Sprecherin Christina Selzer buten un binnen sagte. "Für die Patientinnen und Patienten ist es wichtig für den Erfolg ihrer Behandlung und auch für den Genesungsprozess, dass sie sich im Krankenhaus gut aufgehoben fühlen", so Selzer.

Wenn es Verbesserungsbedarf gibt, müssen die Kliniken sich damit auseinandersetzen, was besser werden muss. Solche Hinweise können ja dabei helfen, sich weiterzuentwickeln.

Christina Selzer, Sprecherin Gesundheitsressort Bremen

Für Jan Böcken von der Bertelsmann-Stiftung ist ein erster Schritt – auch deutschlandweit – bereits klar: "Die Perspektive der Patienten fließt nirgendwo dauerhaft und systematisch in die Krankenhausplanung mit ein, dort sollte man ansetzen."

  • Jochen Duwe
  • Mischa Wahed

Dieses Thema im Programm: Bremen Eins, Rundschau, 24. Januar 2018, 12 Uhr