Deutsche Finanzaufsicht macht Bremer Greensill Bank dicht

Mit sofortiger Wirkung hat die BaFin die Greensill Bank wegen drohender Überschuldung für den Kundenverkehr geschlossen. Sie hat ihren Sitz in der Bremer Martinistraße.

Video vom 3. März 2021
Eingang des Geschäftsgebäudes an der Martinistraße, in der die Greensill Bank sitzt
Bild: Radio Bremen

Die Finanzaufsicht BaFin zieht bei der Bremer Greensill Bank die Reißleine. Die Behörde ordnete wegen drohender Überschuldung ein Moratorium für das Institut an, wie sie am Mittwoch mitteilte. Damit sind keine Aus- und Einzahlungen mehr möglich.

Durch einen solchen Schritt will die BaFin sicher stellen, dass die Gläubiger bei einem Entschädigungsfall in gleichem Maße mit der gleichen Geschwindigkeit bedient werden. Die Greensill Bank AG habe keine systemische Relevanz und ihre Notlage stelle keine Bedrohung für die Finanzstabilität dar, erklärte die BaFin. Die Bilanzsumme des Instituts belief sich Ende 2020 auf rund 4,5 Milliarden Euro.

Laut Greensill sind Spareinlagen geschützt

Die in Turbulenzen geratene Bank hatte zuvor den Versuch unternommen, ihre Kunden zu beruhigen. Ein Sprecher des Instituts erklärte, die Spareinlagen der Kunden seien geschützt durch den Einlagensicherungsfonds der deutschen Privatbanken. Die Verbindlichkeiten gegenüber Kunden beliefen sich Ende 2019 laut Jahresabschluss der Bank auf knapp 3,3 Milliarden Euro. Etwa eine Milliarde davon soll von Privatanlegern kommen.

Über den Einlagensicherungsfonds der privaten Banken sind Spareinlagen von Privatkunden abgesichert. Im Fall von Greensill mit bis zu 75 Millionen Euro pro Kunde. Die Einlagen von institutionellen Investoren sind seit dem 1. Oktober 2017 grundsätzlich nicht mehr geschützt.

Einem Bericht der "Financial Times" zufolge will der Mutterkonzern Greensill Capital in Australien Insolvenz anmelden. Die Zeitung berief sich auf mit der Angelegenheit vertraute Personen. Die Bremer Greensill-Bank ist mit Greensill Capital eng verwoben.

Finanzaufsicht kontrolliert Greensill schon länger

Die Bank steht Insidern zufolge schon seit letztem Sommer im Visier der Bankenaufsicht BaFin. Ein Sonderbeauftragter der Bundesbank kontrolliert nun die Geschäfte von Greensill, wie eine Sprecherin der Bundesbank sagte.

Hintergrund ist Medienberichten zufolge, dass die Bank einen großen Teil ihrer Einlagen als Darlehen an die Unternehmen des indisch-britischen Stahlmagnaten Sanjeev Gupta ausgegeben haben soll. Dessen Firma Liberty Steel ist mit der Übernahme der Stahlsparte von Thyssenkrupp gescheitert.

Unbekannt, aber einflussreich: Wer steckt hinter dieser Bremer Bank?

Video vom 25. November 2020
Das Logo der Greensill Bank
Bild: Radio Bremen

Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 25. November 2020, 19.30 Uhr