Als die Fusion des Norddeutschen Lloyd mit der Hapag besiegelt wurde

Es war keine Liebesheirat, aber allein hätte es weder der Lloyd noch die Hapag geschafft. Für die Bremer bleibt der Verlust ihrer Reederei aber eine nicht verheilte Wunde.

Video vom 1. Oktober 1970
Rotes Bremen-Wappen an einem Schiffsrumpf
Bild: Radio Bremen

Ein letztes Mal kommen die Aktionäre des Norddeutschen Lloyds (NDL) am 28. Juli 1970 zusammen. Der Vorstand stellt den Geschäftsbericht des vergangenen Jahres vor. Richard Bertram, Claus J. Wätjen und Horst Willner beschreiben darin ausführlich, welche beiden bedeutsamen Entwicklungen zu einer völligen Neuorientierung im Seehandel führen werden.

Die eine ist die starke Zunahme des Weltgüterverkehrs, die andere die damit im Zusammenhang stehende, ständig fortschreitende und über die Einführung des Containers hinausgehende Strukturänderung in der Schifffahrt.

Auszug aus dem Geschäftsbericht des NDL für 1969

Die Umstellungen von Stückgut zum Container im Frachtverkehr macht Ende der 1960er Jahre erhebliche Investitionen erforderlich, denn die komplette Flotte muss erneuert werden. Nach Ansicht der Aktionäre ist nun eine Verschmelzung mit der Hapag die einzige Chance zu überleben.

Anläufe dazu hatte es bereits mehrfach gegeben, aber der ewige Wettstreit der Hansestädte hatte es bisher verhindert. Nach Ende des Zweiten Weltkriegs begannen beide Reedereien aus der Not heraus in einzelnen Bereichen zusammenzuarbeiten. 1950 boten Hapag und Lloyd für fast alle Ozeanlinien gemeinsame Fahrpläne an und setzten auch baugleiche Schiffe ein. Ähnlich lief es in der Tourismussparte: 1969 richtete das Hapag-Lloyd-Reisebüro am Schüsselkorb bereits seine vierte Filiale in Bremen ein. Aber das Geschäft mit den Passagieren ist eingebrochen, seit viele lieber mit dem Flugzeug verreisen.

Den Raten des Charterverkehrs in der Luft kann die See nicht folgen. Ein gewisser Bodensatz an Passagieren, die immer das Schiff benutzen werden, wird bleiben, aber er ist klein.

Richard Bertram, Lloyd-Direktor

Diesmal ist der Zwang zur kostensenkenden Kooperation stärker als die lang gehegte Konkurrenz. Das sehen die Großaktionäre beider Reedereien so: Die Deutsche Bank AG, die Dresdner Bank AG und die Veritas Vermögensverwaltungsgesellschaft, die der Münchner Versicherungsgruppe nahe steht, haben sich im Vorfeld schon für die Fusion ausgesprochen. Ihr Anteil an der neu gegründeten Hapag-Lloyd AG (HLAG) macht 75 Prozent aus, der Rest ist Streubesitz.

Keine Fusion unter Gleichen

Sitz der Hapag-Lloyd AG in Bremen, Gustav-Deetjen-Allee 2-6
Das Wappen des Norddeutschen Lloyds erinnert heute noch an die ruhmreichen Jahre in Bremen. Bild: Staatsarchiv Bremen

Die neue Großreederei residiert im historischen Hapag-Sitz an der Binnenalster. Im Fusionsvertrag sind zwar Hauptverwaltungen an beiden Standorten versprochen, aber in den Folgejahren verlagert sich das Schifffahrtsgeschäft schon bald vollständig nach Hamburg. Hunderte Arbeitsplätze gehen in Bremen verloren. Der einstige Sitz des Norddeutschen Lloyd an der Gustav-Deetjen-Allee am Hauptbahnhof wird trotz vieler Proteste zu Beginn der 80er Jahre geschlossen und ist heute Teil eines Hotels. Vieles erinnert noch an die 113-jährige Reedereigeschichte, aber mit der Fusion ist die starke Bindung zwischen Bremen und dem Norddeutschen Lloyd verloren gegangen.

Beitrag hören: Gründung der Hapag Lloyd AG, 1970

Audio vom 28. Juli 2020
Bild von der Fassade der Zentrale von Hapag-Llyod in Hamburg (Archivbild)
Bild: DPA | Kay Nietfeld

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Autorin

  • Heike Kirchner

Dieses Thema im Programm: Bremen Eins, Der Morgen, 28. Juli 2020, 7:40 Uhr