Infografik

Leben in Bremer Pflegeheimen wird immer teurer

  • Eigenanteil für Pflege im Heim gestiegen
  • Im Schnitt 120 Euro monatlich mehr in Bremen
  • Zwischen Bundesländern gibt es große Unterschiede
Video vom 17. Februar 2020
Reporterin Anke Kültur im Selbstversuch auf einem Treppenlift.

In Bremen müssen Pflegebedürftige für die Betreuung im Heim immer mehr aus eigener Tasche zuzahlen. Wie aus Daten des Verbands der Ersatzkassen (vdek) mit Stand 1. Januar 2020 hervorgeht, stiegen die Kosten in Bremen auf 1.891 Euro. Ein Jahr zuvor lag die Belastung eines Pflegebedürftigen in der stationären Pflege noch bei 1.771 Euro und damit 120 Euro niedriger. Günstiger ist es in Niedersachsen: Dort liegen die Kosten derzeit bei durchschnittlich 1.612 Euro pro Monat. Doch auch dort ist ein Anstieg von mehr als 100 Euro zu verzeichnen.

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In den Summen ist zum einen der Eigenanteil für die reine Pflege und Betreuung enthalten. Denn die Pflegeversicherung trägt – anders als die Krankenversicherung – nur einen Teil der Kosten. Für Heimbewohner kommen daneben aber noch Kosten für Unterkunft, Verpflegung und auch für Investitionen in den Einrichtungen dazu. Der Eigenanteil allein für die Pflege stieg nun auf 593 Euro in Bremen. In Niedersachsen sind es 526 Euro und im bundesweiten Schnitt 731 Euro im Monat.

Spahn will Konzept für Pflegefinanzierung vorlegen

Im bundesweiten Schnitt stiegen die Kosten, die jeder Pflegebedürftige selbst tragen muss, demnach auf 1.940 Euro. Das waren 110 Euro mehr als Anfang 2019. Es gibt weiterhin große regionale Unterschiede. Im Vergleich der Länder am teuersten bleiben Heimplätze in Nordrhein-Westfalen mit nun 2.357 Euro. Am niedrigsten ist die Belastung mit 1.359 Euro in Sachsen-Anhalt. Die Gründe für die unterschiedlichen Kosten je nach Bundesland sind laut Vdek Bremen in verschiedenen Aspekten zu finden. So habe es beispielsweise in den neuen Bundesländern viele Investionszuwendungen von Seiten der Kommunen gegeben. Dadurch ergeben sich am Ende für den Einzelnen niedrigere Investitionskosten. Außerdem gebe es auch zwischen den Trägern von Pflegeheimen Unterschiede. Schließlich wirkt sich auch die Höhe der Personalkosten aus.

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Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) kündigte an, Mitte des Jahres einen Vorschlag machen zu wollen, wie die künftige Finanzierung der Pflege aussehen könne. Die Deutsche Stiftung Patientenschutz warnte, die Eigenanteile in den Heimen stiegen rasant und unaufhörlich, während die Leistungen aus der Pflegeversicherung seit Jahren konstant blieben. Vorstand Eugen Brysch kritisierte, dass Spahn erst im Sommer ein Konzept vorlegen wolle. "Für die Pflegebedürftigen ist das unerträglich. Sie werden weiter in die Armutsfalle gedrängt und abhängig von Sozialhilfe." Nötig sei eine grundlegende Finanzreform. Die Pflegeversicherung müsse künftig die gesamten Pflegekosten übernehmen. "Den zusätzlichen Aufwand für Unterbringung, Verpflegung und Investitionen zahlt weiter jeder selbst. Das sind im Schnitt immerhin über 1.200 Euro monatlich."

Dieses Thema im Programm: Bremen Eins, Der Tag, 19. Februar 2020, 23:30 Uhr