Coronakrise: Die 5 wichtigsten Ergebnisse der Senatspressekonferenz

Kontaktarme Sportarten sollen wieder möglich sein, auch um Gedränge am Deich oder im Blockland zu entzerren. Über eine mögliche Maskenpflicht will der Bremer Senat am Freitag diskutieren.

Anja Stahmann und Andreas Bovenschulte mit Gebärdendolmetscherin
Zogen ein Fazit der bisherigen Maßnahmen und gaben Ausblick auf weitere Lockerungen: Sozialsenatorin Anja Stahmann und Bürgermeister Andreas Bovenschulte.

Mehrere Mitglieder des Bremer Senats haben am Dienstag in einer Pressekonferenz weitere Schritte hin zu Lockerungen von den Beschränkungen in der Coronakrise bekannt gegeben. Bremens Bürgermeister Andreas Bovenschulte (SPD) teilte außerdem mit, dass zwei schwerkranke Patienten, die Anfang April aus dem französischen Straßburg nach Bremen gebracht worden waren, sich auf dem Weg der Besserung befinden. Beide liegen nicht mehr auf der Intensivstation des Klinikums Bremen-Mitte, befinden sich aber in der Klinik in Isolierung. Sie planten bereits ihre Rückkehr nach Frankreich, sagte Bovenschulte.

Die wichtigsten Ergebnisse der Pressekonferenz im Überblick:

1 Sport wieder auf Sportanlagen

So sollen ab Samstag bisher gesperrte Sportanlagen wieder öffnen dürfen. Sportsenatorin Anja Stahmann (Grüne) sagte, Sport sei wichtig für den psychischen Ausgleich. Außerdem wolle man dafür sorgen, dass in beliebten Gegenden für Individualsport wie dem Deich in Bremerhaven, dem Osterdeich oder dem Blockland in Bremen weniger Menschen zusammenkommen.

Wir wollen Familien die Möglichkeit geben, sich auszutoben. Spielplätze, Schulen und Kitas sind derzeit zu, das ist eine enorme Herausforderung für Kinder.

Anja Stahmann (Grüne), Bremer Sportsenatorin

Es gehe aber ausschließlich um bestimmte kontaktarme Sportarten wie Tennis, Golf oder Laufen auf einer Anlage, sagte Stahmann. Umkleidekabinen, Hallen oder Vereinsheime bleiben weiter geschlossen, außerdem gelten auf den Anlagen dieselben Hygiene- und Abstandsregeln wie auch im öffentlichen Bereich. Innensenator Ulrich Mäurer (SPD) sagte: "Wir erwarten von den Vereinen Hygienekonzepte, also dass Desinfektionsmittel, Papierhandtücher und ähnliches bereitgestellt werden." Der Senat will die neue Allgemeinverfügung am Freitag beschließen. Mäurer ergänzte, dass auch Sportanlagen in Parks wie zum Beispiel Trimm-Dich-Pfade wieder geöffnet werden sollten. Allerdings gelten auch dort weiterhin die Abstandsregeln von 1,5 Metern.

2 Diskussion um eine Pflicht zum Maskentragen

Eine dringende Empfehlung zum Tragen von Mund-Nase-Schutz in öffentlichen Verkehrsmitteln und in Geschäften hatte der Senat bereits gegeben. Laut Innensenator Mäurer gibt es "einen breiten Konsens, dass das sinnvoll ist".

Wir haben die Erfahrung von 24 Stunden bisher und das Ergebnis ist nicht berauschend. Etwa 20 Prozent der Fahrgäste und Kunden im ÖPNV und Geschäften tragen Masken. Man sollte dem aber ein paar Tage Zeit geben. Die Hälfte aller Bundesländer will eine Pflicht einführen, die Zeichen sind also relativ eindeutig.

Ulrich Mäurer (SPD), Bremer Innensenator

Auch Bremens Bürgermeister Andreas Bovenschulte betonte, am Montag sei bei der Umsetzung der dringenden Empfehlung "noch viel Luft nach oben gewesen". Im Senat habe man über eine mögliche Maskenpflicht intensiv diskutiert, man wolle aber zunächst schauen, ob die Bremerinnen und Bremer von sich aus Mund-Nase-Schutz tragen würden. Am Freitag will der Senat dann erneut zum Thema diskutieren und zu einer Entscheidung kommen.

Wir glauben an die Einsichtsfähigkeit der Menschen.

Andreas Bovenschulte (SPD), Bremer Bürgermeister

3 Mehr Plätze für Opfer häuslicher Gewalt

Laut der Bremer Gesundheitssenatorin Claudia Bernhard (Linke) habe man kurzfristig 26 Plätze in Bremen und fünf in Bremerhaven in Hotels anbieten können, um von häuslicher Gewalt bedrohten Frauen Zuflucht zu bieten. Zu Beginn der Beschränkungen wegen der Corona-Pandemie habe es eine leichte Erhöhung bei den Fällen häuslicher Gewalt gegeben, was seitdem in etwa auf diesem Niveau geblieben sei. Jedoch gebe es eine Dunkelziffer.

Wir greifen mit der Einrichtung weiterer Aufnahmeplätze sowohl dem Anstieg häuslicher Gewalt als auch möglichen Beschränkungen durch Corona-Fälle in den Einrichtungen vor. Frauen sind von der aktuellen Situation besonders betroffen und leiden darunter. Wir bieten jetzt weiteren Frauen die Möglichkeit einer sicheren Unterbringung sowie Unterstützung.

Claudia Bernhard (Linke), Bremer Gesundheitssenatorin

4 Situation in Bremer Pflegeheimen

Besonders im Fokus steht auch die Situation in den Bremer Pflegeheimen. In acht Einrichtungen gebe es 80 Fälle von positiv auf das Coronavirus getesteten Pflegern und Bewohnern, fünf Einrichtungen seien wieder rehabilitiert, in zweien gebe es einen Ausbruch und sie befänden sich daher unter Quarantäne. "Fast täglich finden Begehungen statt, 41 Einrichtungen sind präventiv in der Beratung", sagte Bernhard. Voran gehe es mittlerweile bei den Nachlieferungen von Schutzausrüstungen wie Masken. Diese lägen mittlerweile im fünfstelligen Bereich. "Damit sind wir sehr gut auf Stand", sagte Bernhard.

5 Infektionseindämmung in der Flüchtlingsunterkunft

In der Erstaufnahmeeinrichtung an der Lindenstraße gibt es bereits einen Aufnahmestopp. "Wir testen alle, auch die, die nach RKI-Standards nicht getestet würden, und nehmen auch in unserer Dependance Menschen auf", sagte Sozialsenatorin Anja Stahmann (Grüne). Umzüge und Auszüge aus der Einrichtung an der Lindenstraße seien schon früh vorbereitet worden. "Bremen hat sich sehr bewusst darum gekümmert, wir werden weitere Umzüge möglich machen", sagte Stahmann. Stand Montagabend seien noch 374 Bewohner von ursprünglich 600 Bewohnern in der Unterkunft gewesen. Erst am vergangenen Donnerstag war öffentlich geworden, dass sich 33 Bewohner, die keinerlei Symptome zeigten, mit dem Coronavirus infiziert hatten.

Bürgermeister Andreas Bovenschulte sieht in der Auflösung von großen Sammelunterkünften keinen Beitrag zur Problemlösung. Laut Gesundheitssenatorin Claudia Bernhard sei der Aufnahmestopp ein Zeichen von verantwortungsvollem Handeln.

Mitschnitt der Senats-PK zur Corona-Lage

Video vom 21. April 2020
Anja Stahmann und Andreas Bovenschulte mit Gebärdendolmetscherin

Autorin

  • Verena Patel

Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 21. April 2020, 19:30 Uhr