Sollen Bremer Abiturienten wegen Corona einen Noten-Bonus bekommen?

Einen "Corona-Bonus" fordert der Deutsche Hochschulverband, damit Abiturienten wegen der Krise keine Nachteile entstehen. Doch wer fängt nachher die Lerndefizite auf?

Video vom 7. April 2020
Die Stühle in der Universität Bremen sind unbenutzt und stehen auf den Tischen.
Bild: Radio Bremen

Der Deutsche Hochschulverband fordert einen Noten-Bonus für den Fall, dass das diesjährige Abitur infolge der Corona-Krise schlechter ausfallen sollte als im Durchschnitt der letzten Jahre. Sollten zum Beispiel die Abiturnoten 2020 im Schnitt 0,4 oder 0,5 Punkte schlechter sein, müssten die Schüler einen Bonus bekommen. "Denkbar wäre zum Beispiel, dass die Hochschulen bei den zulassungsbeschränkten Fächern einen angemessenen Bonus gewähren", sagte Verbandspräsident Bernhard Kempen den Zeitungen der Funke Mediengruppe. Dem schließt sich auch Stefan Bornholdt, Landesvorsitzender Bremen im Deutschen Hochschulverband, an: Der Landesverband sei "der klaren Auffassung, dass den Abiturienten dieses Jahrgangs keine Nachteile aus den erschwerten Bedingungen um die Abiturvorbereitungen und -Prüfungen entstehen dürfen".

Beim Bremer Wissenschaftsressort will man noch abwarten, bis sich genauer zeigt, welche Maßnahmen nötig sind, um zu verhindern, dass Schulabgänger Nachteile wegen der Coronakrise haben. "Generell ist es für uns jedoch wichtig, dass im Einklang mit den Hochschulen, eine bundesweit einheitliche und rechtssichere Regelung gefunden wird", teilt Sebastian Rösener, Sprecher des Bremer Wissenschaftsressorts, mit.

Uni Bremen: Nachteile auf Schulebene ausgleichen

Thomas Hoffmeister, Konrektor für Lehre und Studium an der Uni Bremen hält den Vorschlag für gut gemeint, fragt sich aber, wie einfach er umsetzbar sein wird. "Die Vergleichbarkeit mit Notendurchschnitten könnten erheblich leichter auf Schulebene getroffen werden. Dementsprechend gab es ja auch schon Vorschläge, eine Schlechterstellung der Abiturientinnen und Abiturienten des Jahrgangs 2020 dort zu beheben." Denn will man das Problem auf Hochschulebene lösen, stellt sich laut Hoffmeister folgendes Problem: Liegen überhaupt bundesweite Statisktiken rechtzeitig zum Bewerbungsschluss vor? Und sind die Notenverschiebungen in allen Bundesländern gleich? "Beides erscheint doch zumindest unsicher", meint Hoffmeister. "Insgesamt lässt sich zu dem Vorschlag also festhalten, dass es wohl einfachere und auch zielgenauere Möglichkeiten gäbe, eine Schlechterstellung des Abiturjahrgangs 2020 zu vermeiden."

Die Bremer Uni hat sich im Übrigen schon auf eine veränderte Situation eingestellt, allerdings aus einem anderen Grund: In Niedersachsen wird mit wesentlich weniger Abiturienten wegen der Umstellung von G8 auf G9 gerechnet. Daher habe die Universität Bremen bereits für das kommende Wintersemester viele bislang zulassungsbeschränkte Studiengänge ohne Zulassungsbeschränkung geöffnet, da im Normalfall etwa ein Drittel der Studierenden aus Niedersachsen komme, erklärt Hoffmeister.

Hilfen für Hochschulen gefordert

Peter Ritzenhoff, Rektor der Hochschule Bremerhaven spricht sich dafür aus, dass Abiturientinnen und Abiturienten "einen Ausgleich für nicht selbst verschuldete Notenverschlechterungen beim Vergleich von unterschiedlichen Absolventenjahrgängen" bekommen. "Eine bundesweite einheitliche Abstimmung der Regelungen halte ich dabei für unerlässlich." Er weist gleichzeitig darauf hin, dass den Schulabgängern vermutlich bestimmte Kompetenzen fehlen werden. "Die Hochschulen müssten darin unterstützt werden, dass sie nochmal zusätzliche Angebote zum Einstieg anbieten können, um gegebenenfalls vorliegende fachliche Schwachstellen ausgleichen zu können", findet Ritzenhoff.

Die private Jacobs University Bremen will sich auf die veränderte Situation wegen der Corona-Pandemie auch beim Bewerbungs- und Auswahlverfahren einstellen. Die Hochschule ist sehr international geprägt und hat Studierende aus mehr als 120 Ländern. "Bei der Bewerbung werden nicht nur die Abschlussnoten bewertet, sondern auch die schulischen Leistungen der letzten zwei Jahre", teilt Bannour Hadroug von der an der Jacobs University mit. Die Zulassung an der privaten Uni erfolge individuell. Neben den Noten fließen demnach auch Empfehlungen, die Selbstdarstellung im Motivationsschreiben oder im persönlichen Bewerbungsgespräch sowie Leistungen in den erforderlichen Tests mit ein.

Auch an der Hochschule für Künste Bremen (HfK) gibt es ein sehr individualisiertes Auswahlverfahren. "Der ausschlaggebende Teil in den Studiengängen der Fachbereiche Musik sowie Kunst und Design wird durch eine individuelle, künstlerische Aufnahmeprüfung bestritten", heißt es von der HfK. Zurzeit mache man sich Gedanken darum, wie die Aufnahmeprüfungen sicher durchgeführt werden können. Die Diskussion um die Abiturnoten will die Hochschule beobachten, um entsprechend reagieren zu können.

Autorin

  • Verena Patel Redakteurin und Moderatorin und Autorin

Dieses Thema im Programm: Bremen Eins, Der Tag, 13. Mai 2020, 23:30 Uhr