Was junge Bremer wollen: 5 Ideen für frischen Wind in Bremens City

Gehen die Planungen für Bremens Innenstadt an den Bedürfnissen jüngerer Menschen vorbei? Wir haben nachgefragt – und 5 Vorschläge bekommen, wie es besser ginge.

Video vom 25. Juli 2020
Zwei junge Menschen sitzen im Rahmen des "Alterniv-City-Gipfels" an einem Tisch vor dem Rathaus.
Bild: Radio Bremen

1 Am Leben statt am Konsum ausrichten

"'Leben statt Läden', der Slogan trifft es. Die Innenstadt könnte ein lebendiger Ort sein, an dem interessante Dinge passieren, statt das nur konsumiert wird. Dafür braucht es Räume und Flächen, aber vor allem auch Menschen, die diese zum Leben erwecken. Es braucht andere Gründe, sich in der City aufzuhalten, als das Shopping-Angebot. Es geht mir dabei um die grundsätzliche Ausrichtung der Planungen. Solange sich alles nur um Konsum dreht, habe ich kein Interesse in der City aktiv zu werden.

Immo Wischhusen, 44 Jahre, Rapper und Betreiber des Projekts "Die komplette Palette"

2 Platz für Subkulturen und urbane Sportarten schaffen

"Ich sehe einen öffentlichen Raum, in dem es nicht darum geht, möglichst viel zu kaufen. Wir brauchen eine Innenstadt, die Platz für verschiedene Subkulturen bietet. Urbane Sportarten können eine Menge Leute anziehen und Menschen mit innovativen Ideen motivieren, sich produktiv einzubringen."

Arne Knattert, 22 Jahre, BMX-Fahrer

3 Vertrauen gewinnen durch Öffnung für Orte auf Zeit

"Ich gehe nur in die Bremer Innenstadt, wenn es nicht anders geht. Um dies zu ändern, bedarf es meiner Meinung nach einer Offenheit gegenüber neuen Nutzungen, die nicht an Öffnungszeiten gebunden sind und keinen Konsum voraussetzen. Ich stelle mir Orte vor, die, wenn auch nur auf Zeit, Neues wagen. Das können eine dreimonatige Skateanlage, Fitnessgeräte im öffentlichen Raum oder spätabendliche Musikevents im Innenstadtkern sein. Wenn somit verschiedenen Interessengruppen das Vertrauen entgegengebracht wird, etwas Neues anzubieten, führt dies automatisch zu mehr Begegnungsorten, belebt dementsprechend die Innenstadt und verschafft darüber hinaus abseits der monofunktionalen Einkaufsnutzung anderen Gruppen der bremischen Stadtbevölkerung Sichtbarkeit."

Céline Schmidt-Hamburger, 26 Jahre, Studentin an der Uni Bremen

4 Angehen gegen Dunkelheit und Schmutz

"Die Innenstadt ist für mich als Bremerin identitätsstiftend. Im vergangenen Jahrzehnt ist sie für mich jedoch immer unattraktiver geworden. Ich wünsche mir mehr Räume für schnucklige Cafés und individuelle Geschäfte. Ich fühle mich in den dunklen und schmutzigen Durchgangsstraßen unwohl – hier muss sich dringend etwas ändern. Was für mich als Bremen-Norderin zudem ganz wichtig ist: Bremens Innenstadt muss mit dem Auto erreichbar bleiben. Wir können es uns nicht leisten, nur auf Fahrradkonsumenten und Fahrradtouristen zu hoffen."

Wiebke Winter, 24 Jahre, Doktorandin und Vorsitzende der Jungen Union Bremen

5 Vorfahrt für Fußgänger und Radler

"Die Innenstadt sollte für Radler und Radlerinnen, Fußgänger und Fußgängerinnen möglichst attraktiv gestaltet werden. Hierzu zählt eine nahezu autofreie Innenstadt (Lieferverkehr ausgeschlossen) und die Errichtung von Fahrradstraßen zum Beispiel am Wall und der Martinistraße. Ungenutzte Parkflächen könnten dann für kreative Projekte genutzt werden: zum Beispiel für Gastronomie, Werkstätten oder Begrünung. Wegbleibende Autos erzeugen einen Mehrwert für die öffentlichen Plätze, wo ein gastronomisches Angebot in Verbindung mit künstlerischen und kulturellen Events erschaffen werden könnte.

Schon bestehende und zukünftige Leerstände sollten dringend schnell und unbürokratisch (zwischen)genutzt werden können. Es müssen außerdem Räume für die Kreativwirtschaft zur Verfügung gestellt werden. Auch die Subkultur sollte einen Platz in der Innenstadt finden. Viele Bremer Kulturschaffende sind auf der Suche nach Räumen und Entfaltungsmöglichkeiten. Hier ergibt sich die Chance, dem Einheitsbrei und der Verödung der Innenstadt entgegenzuwirken. Auch neuer Wohnraum würde die Innenstadt bereichern."

Andreas Friedrich, 24 Jahre, Betreiber der "Drittel"-Bar in der Neustadt

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Video vom 15. Juli 2020
Die leere Bremer Obernstraße (Archivbild)
Bild: DPA | Oliver Baumgart

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Autor

  • Kristian Klooß Autor

Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 25. Juli 2020, 19:30 Uhr